Der Skandal um den gepanschten österreichischen Wein erinnert irgendwie an den Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Beide müssen etwas mit den deutschen Verbrauchergewohnheiten zu tun haben. Der Führer war schließlich auch Österreicher.

Die Deutschen haben ihn viele Jahre lang im Original genossen und sehr geschätzt, gerade so, als sei er ihr eigenes Gewächs. Vierzig Jahre danach haben sie zunächst auch nicht gemerkt, daß ihnen mit seinen vermeintlichen Tagebüchern ein übler Verschnitt vorgesetzt wurde. Da hatte ein Frostschutzmittel auch kaum schlimmer sein können. Nicht einmal Experten, die Hitler noch zu Lebzeiten gekannt hatten, kamen gleich auf die Fälschung.

Mit dem Wein war es wohl ähnlich. Er wurde als Spätlese und zum Teil sogar als Beerenauslese in deutschen Supermärkten angeboten – zu Preisen, die wie das Stern-Abonnement wirkliche Weinkenner hätten aufhorchen lassen müssen. Die Deutschen sind eben keine Gourmets – weder für Geschichte noch für Wein. Ihnen wird von gar nichts schlecht. H. Sch.