Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli wollte im letzten Jahrhundert Kanäle auf dem Roten Planeten gesehen haben. Inzwischen haben Raumsonden den Mars von Pol zu Pol photographiert und dabei zwar keine Kanäle, aber doch ausgetrocknete Flußbette entlang des Äquators entdeckt. Wann floß Wasser auf dem heute total trockenen Planeten? Vor gut drei Milliarden Jahren, glauben die beiden amerikanischen Forscher Bruce Jakosky und Michael Carr herausgefunden zu haben.

Damals soll ein katastrophales Ereignis, ausgelöst wahrscheinlich durch den Schwerkrafteinfluß des Planeten Jupiter, der Polachse des Mars ihre heutige Ausrichtung gegeben und zwei auffällige Merkmale auf der Kruste des Mars hinterlassen haben: den riesigen Vulkan Olympus Mons, so groß wie die Alpen, sowie das 2000 Kilometer weite und zehn Kilometer aufragende Hochland Tharsis.

Wie Jakosky und Carr Mitte Juni im Fachblatt Nature berichten, könnte die Polachse des Roten Planeten vor dem „Tharsis-Ereignis“ ziemlich direkt zur Sonne gerichtet gewesen sein. Während eines elfmonatigen „Sommers“ wäre das Eis der sonnenzugewandten Polkappe geschmolzen und der Luftdruck auf heutige irdische Verhältnisse angestiegen. Dann hätte es entlang der Äquatorregion Regen und damit fließendes Wasser geben können. R. W.