ARD, Donnerstag, 11. Juli: "Eigentlich herrscht Ruhe auf dem Land", Jugend in den Dörfern, von Oskar Zerlacher

Oskar Zerlacher wollte oder sollte am letzten Donnerstag über Freude und Frust der Jugend in den Dörfern berichten. Fünfundvierzig Minuten für so ein Allerweltsthema! Das konnte nicht gutgehen. Um es gleich zu sagen: Obwohl der Autor zumindest Jagd auf Frust machte, bekamen wir weder das eine noch das andere zu sehen.

Zunächst wurde uns ein sonderbares Jugendblasorchester vorgeführt, von einem Jüngling mit elfenbeinernem Taktstock dirigiert: Aha, dachte ich, diese Gruppe nimmt Zerlacher als "Klassenphoto", diese jungen Menschen wird er exemplarisch ausforschen, einen nach dem anderen, um seinem Thema schrittweise näherzukommen. Leider nicht. Daß sie wahnsinnig gern auf dem Lande lebten, sagten sie, und einer erklärte, daß er lieber in die Stadt ziehen möchte, weil es dort mehr Discos gibt. Schauplatzwechsel: Eine Kneipe mit einem gefahrdrohenden Glücksautomaten, mit Bier und Zigarettenrauch. Frust? Zusammengesunkene Jugend vor dem Leid ihres Lebens? Oder gar Ausschweifung bis zum Ausflippen? Zerlacher war verblüfft. Beides nicht! Weder Freude noch Frust war hier zu holen.

Wenn schon nicht der Freude so doch endlich dem Frust auf die Spur zu kom-"Diese Spendenaktion ist genaugenommen nur der erste Teil einer Rückzahlung an die durch Kolonialherrschaft ausgeplünderten Länder. Nur der sofortige Abzug aller wirtschaftlichen und militärischen Interessen Europas, Japans, Nordamerikas und des Ostblocks können diesen Kontinenten überhaupt noch helfen.

Es ist eine Tragödie, daß es die Menschen überall auf der Welt zulassen, daß die Regierungen der Machtblöcke für Mordwaffen in diesem Jahr mehr als 100 Milliarden Dollars, eine unvorstellbare Kohle, raustun. Mit einem Bruchteil dieser gigantischen Asche könnte man problemlos die Weltbevölkerung ernähren. Das ist absolut pervers, und wir fragen, warum hier nicht endlich ein weltweiter Aufstand des Gewissens losgeht. Vierzigtausend Kinder in der Dritten Welt werden täglich dem Rüstungskrieg geopfert. Es ist tragisch und kriminell, daß nun mit der Militarisierung des Weltraums dieser Exzeß des Wahnsinns in eine noch weitere Dimension geht. Die Kapitäne auf den Kommandobrücken in Washington und im Kreml haben das totale Rad ab ..." Udo Lindenberg während des Konzertes "Live Aid – Rockmusik für Afrika" in einer Erklärung der "Band für Afrika"

men, scharte der Autor andere Jungmenschen um sich. Also richtig aufs Ganze gehend fragte er sie, ob sie denn auch mal demonstrieren würden? Nein, war die Antwort. Und: Ja, vielleicht. Spätestens jetzt ergriff der Frust den Autor. Einen jungen Dichter namens Walle Sayer, in einem Gasthaus mit hochgestellten Stühlen hockend, wurde Gelegenheit gegeben, die Dinge zurechtzurücken. Der gab dann deutlich Unverständliches zum Thema Frust von sich. Sonnenstrahlen bezeichnete er als zittrige Hände, soviel kriegte ich immerhin mit.

Genug Dichter, genug Frust! Zack, nächstes Bild. Versuchen wir es mit der Freude. Eine Motorradgruppe fährt ins Nachbardorf zum Schützenfest, keinesfalls rockerartig, sondern als buntgekleideter Frohsinn. An dem Schützenfest nahmen diese Burschen allerdings nicht teil. Die Schützen zielten ihnen denn doch zu brav auf den Vogel. Freude oder Frust – wir erfuhren nicht, was aus der Motorrad-Jugend wurde, ob sie abservierten Senioren vorsangen oder sich wüst gebärdeten.