Nun kam eine Fahrradgruppe in Sicht. Während die Jungmenschen strampelten, durfte einer von ihnen einen Schulaufsatz über den Bauernkrieg verlesen. Daß die Bauern sich gegen Unrecht gewehrt haben und dafür geköpft wurden. Landschaft mit Burg: wie schön ist doch die deutsche Heimat, das heißt: wie widerlich. Freude? Frust? Keine Ahnung.

"Man kann nicht von der Jugend auf dem Lande reden, ohne auf die Landwirtschaft einzugehen", sagte Zerlacher, und nahm damit einen neuen Anlauf. Also Schweine her en masse in der Mastfabrik (Frust!) und einzeln von einem christlich orientierten Jungbauern liebevoll betreut (Freude!). Sodann junge Landwirte um einen kahlen Tisch. Daß sie mit den Alten nicht klarkommen, klagten sie der großen weiten Welt.

Danach – zack! – ein Fachwerkhaus, das von Mädchen restauriert wird. Freude! Dies sei eine fröhliche Clique, deren Tätigkeit Schule mache und Zeichen setze. Das Anpinseln von Fachwerkhäusern sei unglaublich schwierig. Das zu lernen komme den jungen Damen später sicher mal zugute.

Frust und Freude auf dem Lande mußten doch zu schaffen sein? Mit einem schönen roten Pullover getarnt kam Zerlacher nun selbst ins Bild. Frohgemut schritt er dahin und hielt eine lange Rede, in der er aufzählte, was noch alles fehlte in seinem Film. Wo waren die Blasmusiker geblieben, wo die Motorradfahrer, die Malermädchen, der Dichter? Dahin, dahin, der Wind hatte sie verweht. Das einzige, was mir an diesem Film gefallen hat, war der Dialekt der jungen Menschen. Ich konnte zwar streckenweise nicht verstehen, was sie sagten, aber mir gefiel’s: und das war Freude und Frust in einem.

Walter Kempowski