In Südafrika steigt die Spannung

Von Marion Gräfin Dönhoff

Jetzt hat der Zorn über das, was in Südafrika geschieht, wo Woche für Woche Schwarze von der Polizei erschossen und manche in den Gefängnissen zu Tode gefoltert werden, auch Washington erfaßt. Nachdem Präsident Carter mit getting tough with South Africa nicht weitergekommen war, hatte die Reagan-Administration das Ruder herumgelegt und es mit constructive engagement, wohlwollendem Entgegenkommen, versucht – ebenfalls vergeblich, wie man jetzt feststellen muß. Nun hat der Kongreß mit großer Mehrheit Sanktionen gegen Südafrika beschlossen.

Es hat 381 Tote und 1500 Verletzte in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Südafrika gegeben. Die Empörung unter den Liberalen und Studenten Amerikas darüber ist so groß, daß ständig Protestdemonstrationen vor den diplomatischen Vertretungen Südafrikas stattfanden. Zeitweise waren 2000 Protestler in Haft. Immer lauter wird jetzt die Forderung nach disinvestment, also Stopp von Ersatzinvestitionen, von neuen Investitionen und Krediten.

Sanktionen helfen nicht

Man kann dies verstehen – dennoch: Es ist falsch. Soweit Sanktionen überhaupt Wirkung haben, hätten in diesem Fall vor allem die Schwarzen darunter zu leiden, denn fast 25 Prozent von ihnen sind schon heute arbeitslos. Professor Giliomee von der Universität Stellenbosch sagt, daß 50 Prozent der schwarzen Bevölkerung in "absoluter Armut" neben einer affluent society leben. Die schwarzen Gewerkschaften, die zu einer gewissen Position der Schwarzen geworden sind, würden durch disinvestment besonders getroffen, desgleichen die schwarzen Nachbarstaaten, die gezwungen sind, enge wirtschaftliche Beziehungen mit dem von ihnen gehaßten Südafrika zu unterhalten.

Im Gegenteil: Je intensiver die Industrialisierung, desto stärker ist der Druck der Unternehmen zugunsten der Schwarzen, weil sie an Leistung und besserer Ausbildung interessiert sind. Nur auf sie und ihr Eigeninteresse ist es zurückzuführen, daß job reservation für Weiße abgeschafft ist und die Löhne für Schwarze in den letzten Jahren verdoppelt wurden. Im Januar wurden von allen Handelskammern und Wirtschaftsverbänden gemeinsam sechs konkrete Forderungen an die Regierung gestellt, darunter "wirksame Beteiligung am politischen Leben" und "Abbau der polizeilichen Machtvollkommenheit, Verhaftungen auf unbegrenzte Zeit ohne Verfahren vorzunehmen". Übrigens hat Staatspräsident Botha kürzlich zugegeben, daß die Apartheid aus vorindustrieller Zeit stammt und daher überholt ist.