Von Uwe Holtz

Wenn Staaten der Dritten Welt einen selbstbestimmten demokratischen, sozial gerechteren Entwicklungsweg gehen wollen und händeringend, um Hilfe rufen, dann dürfen Sozialdemokraten nicht einfach weghören.

Wenn Sahel-Länder Unterstützung von außen wünschen, um den Vormarsch der Sahara zu stoppen, dann kann man nicht von vornherein abwinken.

Wenn es um die Solidarität mit Hungernden und Unterdrückten oder mit vom Kolonialismus frei gewordenen Ländern wie Guinea-Bissau und Kap Verde geht, dann können wir keine Verweigerungshaltung einnehmen.

Aber gerade eine solche Haltung empfiehlt Brigitte Erler, wenn sie die sofortige Abschaffung der Entwicklungshilfe fordert, weil diese allen – ganzen Ländern wie einzelnen Betroffenen – scha-

Ihre Fundamentalkritik belegt sie durch negative Projektbeispiele der deutschen Entwicklungshilfe in Bangladesch. Ich könnte weitere hinzufügen – aber ich müßte der Redlichkeit wegen auch die positiven Gegenbeispiele nennen. So habe ich noch in diesem März im westafrikanischen Benin ein sinnvolles Umweltschutzprojekt und in Ghana Handpumpen in Augenschein nehmen können, deren Wasser durchschnittlich 500 Dorfbewohnern kostenlos zugute kommt (und nicht einigen wenigen Großbauern wie in Bangladesch).

Aber es bleibt wichtig, die Fehler der Entwicklungspolitik und von Entwicklungsprojekten aufzudecken, um aus ihnen zu lernen. Entwicklung – und das gilt auch für die eigene Gesellschaft – ist und bleibt ein Lernprozeß. Daß die Entwicklungshilfe der Bundesregierung nicht wirksam genug ist, ergibt sich auch aus einer internen „Querschnittsauswertung“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Diese Auswertung zieht aus den 1983 abgeschlossenen 40 Projekt- und Programmuntersuchungen 30 als für eine Bewertung geeignet heraus. Ein Drittel von ihnen erhielt uneingeschränkt das Gesamturteil „positiv“. Die verbleibenden zwei Drittel wurden eingestuft als „eingeschränkt positiv“ und „teils positiv, teils negativ“ sowie „überwiegend negativ“. Dabei wird deutlich, daß die Verantwortung für Mängel das Ministerium oder dessen nachgeordnete Organisationen tragen, des öfteren sind die Mißstände auf Entscheidungen oder Rahmenbedingungen im Entwicklungsland zurückzuführen, und einmal mehr wird an Beispielen belegt, daß der Erfolg selbst perfekt konzipierter Entwicklungsprojekte vermindert wird, wenn es an qualifiziertem Projektpersonal fehlt.