Berlin: „Georg Herold“

„Negation der Repräsentation, des identifizierenden Denkens, Negation des Sinns sind schließlich die zentralen Kategorien in Herolds Werk“, heißt es im Katalog. Dem ist nichts hinzuzufügen. Denn von einer „Negation der Kunst“ zu sprechen, darf einem nach ihrem seit Jahrzehnten verkündeten Ende und zu Zeiten der Postmoderne ohnehin auch bei Georg Herolds Dachlatten-Skulpturen und Ziegelsteinbildern nicht in den Sinn kommen. Oder doch? In Berlin, dem Mekka neo-expressiver und neuerdings auch neo-akademischer Malerei, die den altehrwürdigen Kunstanspruch wie selbstverständlich aufs Podest zurückgehoben hat, verstören die hintersinnig-trivialen Objekte des Kölners Herold durchaus. Worte und Satzfetzen auf den billigen Holzstücken seiner an technische Strukturen erinnernden „Dachlattenchips“ (mit Titeln wie „mieser kleiner Besserwisser“ oder „sehr gut“) scheinen auf Sinnzusammenhänge zu verweisen, die die Arbeiten gleichwohl nirgends preisgeben. Im Gegenteil: Wer der Fülle der Assoziationen folgt, die die zeit-, Ideologie- und kunstkritischen Objekte anbieten, ist schon in ihrem Gestrüpp verloren. Herold, 1947 in Jena geboren, verweigert jede Inanspruchnahme seiner Kunstwerke, nicht indem er sich aus allen Realitätsbezügen in die Autonomie reiner Kunst flüchtet, sondern gerade umgekehrt durch „Überlastung“ sprachlicher und symbolischer Verweise. Wenn überhaupt, lassen sich Herolds Arbeiten als eine radikale Absage an jeden, aber auch jeden „Sinn“ erfassen, und an die Kunst als Domäne des Schönen, Guten, Wahren sowieso. Daß die Ausstellung auch innerhalb der veranstaltenden, aus der Studentenbewegung hervorgegangenen „Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst“ Unbehagen hervorrief, bestätigt nur die unbequeme Wahrheit, die Herolds unansehnliche Dachlatten mitteilen. (Neue Gesellschaft für Bildende Kunst bis zum 26. Juli, Katalog 10- DM) Bernhard Schulz