Arbeitslosigkeit: Aufforderung zur Kooperation aller gesellschaftlichen Gruppen

I. Die Aufgabe

Die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik ist zwar geprägt vom Wachstum des Sozialproduktes. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit unverändert hoch. Es ist für jedermann erkennbar geworden: Die derzeitig günstige Konjunkturentwicklung schafft für sich allein keine grundlegende Besserung am Arbeitsmarkt. Sollte sich das derzeitige Wachstum wieder verlangsamen, werden die Nöte am Arbeitsmarkt noch größer.

Die Hoffnung auf ein den Arbeitsmarkt entlastendes Netto-Wirtschaftswachstum (reales Wachstum abzüglich Produktivitätsfortschritt) ist auf Sicht wenig realistisch. Wenig realistisch ist auch die Erwartung, daß demographische Entwicklungen das Problem der Massenarbeitslosigkeit in den nächsten Jahren von selbst lösen werden.

Wenn nichts Durchgreifendes geschieht, wird die hohe Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik und in Europa bestehen bleiben oder gar noch weiter wachsen.

Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, führt die Betroffenen in wirtschaftliche Unsicherheit. Sie kann einsam machen und unfähig, die Zeit in persönlicher Verantwortung zu gliedern und zu gestalten. Sie zernagt zentrale personale Wertgefühle.

Massenarbeitslosigkeit gefährdet das gesamtgesellschaftliche Leben. Sie unterhöhlt sowohl das Leistungs- als auch das Solidaritätsprinzip. Sie destabilisiert – nicht zuletzt im Wachstum einer Schattenwirtschaft – die Wirtschaft, das soziale Sicherungssystem und die Rechtsordnung. Sie kann sich zu einer Gefahr für das demokratische Gesellschaftssystem im ganzen entwickeln.