Die bolivianischen Präsidentschaftswahlen bescherten dem ärmsten Land Südamerikas einen neuen Rechtsruck.

Boykottaufrufe der mächtigen Zentralgewerkschaft COB und der Linksparteien sollten den erwarteten Sieg der Rechtsparteien verhindern. Auch ein erneuter Militärputsch – es wäre der 215. seit 1825 gewesen – wurde befürchtet.

Mit Hugo Banzer, dem Kandidaten der rechtsorientierten Nationaldemokratischen Union gewann ein Ex-Diktator die Wahl. General Banzer, 1971 nach einem Putsch an die Macht gekommen, hatte das Land schon einmal mit harter Hand regiert. Seine achtjährige Regierungszeit ist vielen Bolivianern allerdings als kurze Periode sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts in Erinnerung geblieben. Banzer profitierte von der erfolglosen Wirtschaftspolitik der regierenden Demokratischen Volksunion.

Deren Führer, Hernan Siles Zuazo, der im Oktober 1982 nach 18 Jahren Militärdiktatur die Regierung übernommen hatte, fand kein Rezept gegen die Inflation, die heute bei schwindelerregenden 8000 Prozent angelangt ist.

Siles Zuazo sah sich überdies dem massiven Druck der linksradikalen COB ausgesetzt. 1982 noch Wegbereiter der Demokratie, legte sie das Land mit Streiks in den letzten Monaten nahezu lahm.

Wahlsieger Banzer hat drastische Sparmaßnahmen angekündigt und will vom Parlament außerordentliche Vollmachten zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise fordern.

Die COB reagierte prompt: sie kündigte die Gründung einer Widerstandsfront an. Jörn Arfs