ZEIT: Die SPD wirft Gesundheitsminister Heiner Geißler vor, beim österreichischen Weinskandal zu langsam reagiert zu haben. Sind die Lebensmittelkontrollen bei uns zu lasch?

Schlier: Das Verbraucherinteresse an einwandfreien Nahrungsmitteln wird immer noch nicht ernst genug genommen. Zumindest in den Hinterköpfen der Verantwortlichen spielen die Anbieterinteressen nach wie vor die größte Rolle. Selbst illegale Weinpanscherei gilt als Kavaliersdelikt. Man muß aber deutlich sagen: Das gilt für alle Regierungen – unabhängig von der Partei.

ZEIT: Warum versagen die Kontrollen?

Schlier: Die technische Entwicklung der Lebensmittelüberwachung hält nur mühsam Schritt mit den Techniken der Hersteller.

ZEIT: Das heißt, die Betrüger sind den Kontrolleuren überlegen?

Schlier: Es sieht so aus. Zum Beispiel wurden beim Wein die Kontrollvorschriften gemacht, als es noch keine Tankwagen gab. Wenn die Weinqualität in Flaschen kontrolliert wird, ist die Methode sicher. Da ist die Kellerei auf dem Etikett drauf, da ist der Verantwortliche greifbar. Anders allerdings bei dem österreichischen Wein, der ja in Großtankwagen transportiert wurde. Da taucht jetzt schon die Frage auf, ob das alles in Österreich beigemischt wurde. Da kann viel verschleiert worden sein.

ZEIT: Welche Forderungen leiten die Verbraucherorganisationen aus solchen Pannen ab?