Als die Ärzte des Marinehospitals in Bethesda am vergangenen Freitag feststellten, daß eine zweite, schwierigere Operation des Präsidenten nötig sei, war es sein Stabschef, der die Nachricht weitergab. Donald Regan informierte Vizepräsident Bush und Sicherheitsberater McFarlane. Er gehörte auch zu den wenigen Vertrauten, die Reagan in der Frage des vorübergehenden Amtsverzichtes berieten. Seit Ronald Reagan das Krankenhaus betrat, das zeigt sich jetzt, ist Donald Regan zum Statthalter der Präsidentenmacht geworden.

Die Stabschefs des Weißen Hauses spielten schon immer eine wichtige Rolle. Sie regulieren den Informationsfluß für den Präsidenten und regeln die Organisation seines Amtes. Sie zählen zu seinen wichtigsten Beratern und zu den wichtigsten Verkäufern seiner Politik. Sie haben zumeist großen Anteil an den Erfolgen wie an den Niederlagen ihrer Präsidenten. Nicht ohne Grund fühlten sich manche von ihnen schon als "Premierminister", die zumindest die Routinearbeit der amerikanischen Regierung entscheidend mitprägten.

Wenn jemand den wohlklingenderen Titel beanspruchen kann, dann ist es Donald Regan. Seit er vor einem halben Jahr aus dem Finanzministerium ins Weiße Haus zog, hat er dort seinen Einfluß ausgebaut. Anders als sein Vorgänger James Baker, der ihn als Finanzminister ablöste, braucht er die Macht nicht zu teilen. Reagans alte kalifornischen Freunde, Edwin Meese und Michael Deaver, haben das Weiße Haus verlassen. Donald Regan hat keine Konkurrenz mehr, wenn es gilt, Zugang zum Präsidenten zu finden.

Wer ihn kennt, zweifelt nicht daran, daß der 66jährige sein Monopol nutzen wird. Der Harvard-Absolvent, der gemeinsam mit John F. Kennedy studierte, hatte sich schon als Oberstleutnant der amerikanischen Armee die nötige Härte für höhere Aufgaben zugelegt. Sie kam ihm zustatten an der Spitze der großen Finanzmakler-Firma Merrill-Lynch wie als Chef des Finanzministeriums. Sie wird ihm auch jetzt nutzen, da er die Interessen des kranken Präsidenten vertreten muß.

So wenig Zweifel an Regans Machtwillen herrschen, so viel Unklarheit besteht über seine politische Linie. Zu den rechten Ideologen,die zeitweise die Umgebung dieses Präsidenten bevölkerten, wird der Sohn eines Eisenbahners aus dem liberalen Massachusetts nicht gezählt. Eher gilt er als ein pragmatischer Macher, dem es vor allem darauf ankommt, Ronald Reagans politischen Wünschen zu entsprechen. Diese Haltung würde auch erklären, warum er in den Anfangsjahren der Reagan-Administration radikale Steuersenkungen und eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik vorbehaltlos unterstützte, obwohl ihn als ehemaligen Wallstreet-Broker diese "Voo-doo-Politik" (so nannte sie einst George Bush) durchaus erschreckt haben müßte.

Gefälligkeit gegenüber dem Präsidenten war möglicherweise auch der Grund, warum Regan die Bitburg-Panne nicht verhinderte. Vor dem Besuch des deutschen Soldatenfriedhofs, der Ronald Reagan soviel Ärger einbrachte, gab es jedenfalls in Washington viele Stimmen, die dem Stabschef mangelnden Mut gegenüber seinem Dienstherrn und fehlende Umsicht ankreideten.

Inzwischen ist die Kritik verstummt. Donald Regan braucht sich auch nicht mehr an dem geschmeidigeren, eleganteren James Baker messen zu lassen. Seit er im Marinehospital ein kleines Büro neben dem Krankenzimmer des Präsidenten bezogen hat, seit er die wichtigste Verbindung zwischen dem Weißen Haus und Ronald Reagan darstellt, ist er in seiner Position unangefochten und zählt zu den mächtigsten Stabschefs, die es je gegeben hat.