Nachdem der Zusammenschluß von Klöckner und Krupp geplatzt ist, kündigt Niedersachsen neue Subventionen an

Der Schwarze Peter wird zwischen Bonn und dem Ruhrgebiet hin- und hergeschoben. Die Stahlproduzenten Klöckner und Krupp machen die Politiker für das Scheitern der geplanten Fusion verantwortlich; in Bonn wird dagegen kolportiert, es habe bis zuletzt kein Konzept der Unternehmen vorgelegen, das öffentliche Hilfen gerechtfertigt hätte.

Dabei hatte es im vergangenen Jahr so hoffnungsvoll begonnen. Der australische Rohstoffkonzern CRA war bereit, sich mit einem guten Drittel an dem neuen Stahlverbund zu beteiligen und dafür 525 Millionen Mark auf den Tisch zu legen. Die Manager der beiden deutschen Unternehmen rechneten der Öffentlichkeit vor, daß nach vollzogener Fusion jährlich mindestens 250 Millionen Mark zu sparen seien – der Zug schien abgefahren.

Aber da legte auch schon Niedersachsens Wirtschaftsministerin, Birgit Breuel, einen Hemmschuh auf die Schienen. Sie vermochte nicht einzusehen, daß ihr Land auch noch für die Vernichtung von rund zweitausend Arbeitsplätzen im Klöckner-Werk Georgsmarienhütte bei Osnabrück zahlen sollte. Genau das wäre aber der Fall gewesen, denn das Stahlhilfeprogramm sieht vor, daß sich die Bundesländer mit jeweils einem Drittel an den Zuschüssen für Teilwertabschreibungen und Sozialpläne beteiligen, die für Werke auf ihrem Territorium fällig werden.

An diesem Nein der Niedersachsen hat sich bis heute nichts geändert. Die beiden Stahlunternehmen haben deshalb recht mit ihrer Behauptung, die geplante Fusion habe nicht die erwartete öffentliche Unterstützung gefunden.

Die Frage ist nur, ob das der einzige Grund für das Scheitern der Fusion war, ob nicht auch – nach anfänglicher Begeisterung – das Verhältnis von Krupp und Klöckner zunehmend distanzierter wurde. Da mokierte sich der eine über die Schulden des anderen, da wurden die in Aussicht genommenen Beteiligungsquoten in Frage gestellt. Die sich bessernde Stahlkonjunktur tat ein übriges, weil sie das Überleben im Alleingang wahrscheinlicher machte.

In Wahrheit hat sich wieder einmal erwiesen, daß die Stahlindustrie zu unternehmensübergreifenden Lösungen nicht fähig ist. Krupp hat nacheinander mit Hoesch, Thyssen und Klöckner verhandelt – nichts ist daraus geworden. Klöckner wollte schon vor mehr als fünfzehn Jahren mit Salzgitter und der damals noch selbständigen Ilsederhütte die Nordstahl AG gründen – die Partner konnten sich nicht verständigen.