Werner Marx lag noch im Koma, da war schon von Rainer Barzels Comeback die Rede. Das gehört zu den Bonner Geschmacklosigkeiten. Der durch die Flick-Affäre zu Fall gekommene frühere Bundestagspräsident, so heißt es, wolle wieder in die aktive Parlamentsarbeit zurückkehren, womöglich an die Spitze des Auswärtigen Ausschusses, dem er schon einmal vorsaß und dessen Leitung dann eben Werner Marx übernommen hatte. Wie auch immer es mit dieser Absicht steht und wer auch immer sie unter die Leute gebracht hat – der Zeitpunkt kann Barzels Ambitionen nicht nutzen, selbst, wenn es sich um einen unglücklichen Zufall gehandelt haben mag.

Das gilt um so mehr, als sich die Union erst jetzt so recht vergegenwärtigt, was sie an Werner Marx gehabt hat. Er war zuletzt ein einsamer Mann, enttäuscht auch darüber, daß der Regierungswechsel an ihm vorübergegangen war. Oft ist er umstritten gewesen, wegen seiner Ecken und Kanten. Die neue Ostpolitik, auch die der Regierung Kohl, war seine Sache nur in engen Grenzen. Aber er wußte seinen Standpunkt zu begründen, er war ein genauer Kenner des dialektischen Materialismus wie des Gedankengebäudes der sowjetischen Politik, nebenbei ein profunder Kunsthistoriker, überhaupt ein Bildungsbürger.

Nach dem Tod von Alois Mertes hat sich die ohnehin kleine Schar der Außenpolitiker in der Union, die Konturen haben, noch mehr gelichtet.

*

Daß Friedrich Zimmermann sich offenkundig gegen seine Münchner Parteifreunde mit dem Vorsatz durchgesetzt hat, Hans Neusel zum neuen Staatssekretär im Innenministerium zu berufen, ehrt ihn wie Neusel. Denn daß ein so kundiger, nahezu überall hochgeschätzter Beamter, einst die rechte Hand sowohl des Kanzlers Kiesinger als auch des ehemaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden, Bundestagspräsidenten und Staatsoberhaupts Karl Carstens, weiter im einstweiligen Ruhestand bleiben sollte, das leuchtete in Bonn keinem ein.

Freilich: Wenn Neusel (CDU) statt eines CSU-Mannes und überdies Heribert Hellenbroich (CDU), bisher Präsident des Verfassungsschutzamtes, an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes tritt, dann jedenfalls muß ein CSU-Mann neuer oberster Verfassungsschützer werden: Holger Pfahls aus der bayerischen Staatskanzlei, für Bonn ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Mit einiger Not sind die Weichen so gestellt worden, daß in der CDU/CSU-Koalition nicht auch noch Personenzüge entgleisten.