In Bonn geht die Rede um von hohem Besuch, der bevorstehe: Der sowjetische Parteichef Gorbatschow, so wird gemunkelt, könne vielleicht im Frühjahr 1986 auf Staatsvisite kommen, gefolgt wenig später vom DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Ein Clou wäre das schon. Er brächte vielleicht Auftrieb für das Ost-West-Verhältnis, auf jeden Fall aber für das innen und außen lädierte Ansehen der Bundesregierung. Im Vorfeld des Wahlkampfes könnte die Koalition sich als Gastgeber der Entspannung präsentieren, international sichtbar, international umworben. Das wäre ein Ereignis, dessen bloße Vorstellung den Wahlkampfstrategen der Union feuchtheiße Hände verschaffen muß.

Aber auch sie müssen wissen: Geschenkt wird einem nichts in der Politik. Was sollte denn Gorbatschow nach Bonn locken? Etwa die disharmonische Vielstimmigkeit der Äußerungen zur deutschen Frage und zu den Grenzen in Europa? Oder die Attacken aus der Union gegen die Kontinuität in der Ostpolitik, das Hin und Her in Sachen SDI? Wenn die Bundesregierung sich als Gastgeber empfehlen will, dann sollte sie den erhofften Besuchern bald deutlich machen, daß es sich lohnt, mit ihr zu reden. – cb –