In den Unionsparteien geht der Gedanke um, Rainer Barzel anstelle des jüngst verstorbenen Abgeordneten Werner Marx zum Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses zu machen. Eine erstaunliche Idee.

Nicht, daß Barzel die Fähigkeit abgesprochen werden dürfte, diesen Ausschuß zu leiten; er tat es 1980-82 schon einmal sehr erfolgreich. Auch soll ihm durchaus nicht der Apparat mißgönnt sein, mit dem sich Ausschußvorsitzende umgeben können; dies ist eines der Privilegien, das die Parlamentsprominenz vom Fußvolk unterscheidet. Und schon gar nicht geht es darum, einen Mann zu treten, der am Boden liegt, sei er auch aus eigener Schuld gefallen. Aber es muß selbst im politischen Leben Grenzen des Denkbaren und des Möglichen geben.

Rainer Barzel, das wissen wir seit dem vorigen Herbst, lieferte jahrelang als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaft dienstfertige Informationsberichte über die Ausschußarbeit an die Herren Flick und von Brauchitsch (der sich ursprünglich bei Kohl für seine Bestallung verwendet hatte). Er tat dies gegen Geld. Die so oft beschworene Würde des Hohen Hauses sollte verhindern, daß ihm jetzt abermals ein Ausschußvorsitz angetragen wird. Th. S.