Morgenstund

Fritz Pleitgen, ARD-Korrespondent in Washington, versichert in der Hauszeitung des Westdeutschen Rundfunks, er habe keinen Schaden an Geist und Seele genommen, obwohl er täglich in aller Herrgottsfrühe in die Glotze schaue. Die Zeit sei auch bei uns reif fürs Frühstücks-TV, plädiert er und beschreibt detailliert, wie so ein Fernsehen aussehen müsse: „Jede halbe Stunde sollte mit einem Nachrichtenüberblick beginnen. Zu jeder Viertelstunde könnten Schlagzeilen geliefert werden. Wetternachrichten sollten ausführlich angeboten werden, wie überhaupt die Sendung viel Service enthalten sollte. Da während der Sendezeit die Politik auf Touren kommt, würde Bonn eine beträchtliche Rolle spielen. Wie das genutzt werden kann, zeigen unsere Hörfunkmagazine. Aus den USA könnten die Ereignisse des Nachmittags und des Abends eingespeist werden, aus Moskau die entsprechenden Reaktionen und anderes eingeholt werden. Zur Auflockerung sollten Musikvideos als Unterbrecher ausgestrahlt werden. Wie in Amerika könnte im Frühstücksfernsehen auch geworben werden. Für die Wirtschaft müßte das verlockend sein. Mehr als abends macht Reklame am Morgen Sinn, wenn man gleich danach in die Geschäfte gehen kann. Andererseits blieben die Kinder von der Werbeberieselung verschont, weil sie sich zur Sendezeit in die Schule begeben.“

Rührend, wie der gute Fritz sich um unser und unserer Kinder Befinden bemüht.

Wenn Yuppies Kinder kriegen...

Dekadenz, wohin man blickt. Die Yuppies, meldete jetzt die New York Times, entwickeln Schamgefühle. Yuppies – das sind Young Urban Professionals oder, zu deutsch, junge, großstädtische Karrieremenschen – waren bislang allein auf das berufliche Fortkommen und eine möglichst glanzvolle Inszenierung des eigenen Lebensstils konzentriert. Jetzt sehen sich die ganz nach oben orientierten Aufsteiger vor die Notwendigkeit gestellt, ihren Blick auch mal in die Niederungen menschlicher Existenz zu werfen. Die Ursache ist ein Wandel in der öffentlichen Meinung. Narzißmus wird eher als fragwürdig empfunden, soziales Engagement ist dagegen stark im Kommen. Vergangen die Zeiten, als ein guter Yuppie noch ohne Schuldgefühle seinen metallicglänzenden BMW vor teuren Restaurants parken konnte, wo dann roher Fisch, auf japanische Art zubereitet, verspeist oder eine Flasche Chateauneuf-du-Pape geleert wurde. Prunkten neureiche Yuppies noch vor kurzem mit typischen Statussymbolen wie italienischen Gucci-Schunen, englischen Burberry-Trenchcoats oder französischen Kaschmirpullovern, sollen derlei Lebensnotwendigkeiten inzwischen nur noch heimlich erworben werden. Was steckt hinter dem plötzlichen Sinneswandel? „Wenn Yuppies Kinder kriegen“, philosophiert die amerikanische Yuppie-Theoretikerin Marilee Hartley, „denken sie darüber nach, wie die Gesellschaft aussehen sollte, in der sie leben.“