Franzose – kein Franzose?

Gesetzt den Fall, ein Franzose kann nicht nachweisen, daß er Franzose ist, dann ist er kein Franzose. Jacques Laurent hatte seine Identitätskarte verloren, er beantragte eine neue. Unverhofft zog ihn die zuständige Behörde in ein kafkaeskes Abenteuer. Die Geburtsurkunde, wonach Laurent am 5. Januar 1919 zu Paris das Licht der Welt erblickte, ließen die Beamten nicht gelten. Der Antragsteller habe zu dokumentieren, daß sein Vater französischer Staatsbürger war. Als Anwalt beim Berufungsgericht hatte der Herr Papa ein Amt, das nur Franzosen wahrnehmen dürfen. Doch dies überzeugte die Bürokraten ebensowenig wie der Hinweis, Laurents Vorfahren seien allesamt angesehene Politiker und Magistraten im Dienste der Republik gewesen: Der amtliche Nachweis fehlte. Endlich gelang es, den zu erbringen. Damit stand fest, daß Laurent als Franzose geboren worden war. Gerettet? Mitnichten! Womöglich, argwöhnte die Behörde, habe er nachträglich seine Staatsbürgerschaft verloren. Daß er seinen gültigen Paß vorlegte, daß er die verlorene Identitätskarte inzwischen wiedergefunden hatte, war unerheblich. Laurent hatte den Nachweis zu führen, daß er 1940 bei Erreichung der Volljährigkeit in Frankreich wohnte. Er kramte die vergilbte Bescheinigung hervor, wonach er 1939/40 die Offiziersschule absolvierte. Wo aber genau hielt er sich am 5. Januar 1940, dem Datum des Eintritts in die Volljährigkeit, auf? „Ich hatte zwei Kameraden eingeladen, in einem Bistro von Perigueux meinen Geburtstag zu begießen, hatte aber vergessen, einen Notar zu beauftragen, dieses Ereignis zu beurkunden“, bedauert der Schriftsteller Jacques Laurent, Träger der höchsten literarischen Auszeichnungen, die in Frankreich verliehen werden: des Prix Goncourt und des Prix de l’Academie Française. Vorige Woche klagte er sein Los auf der ersten Seite von Le Monde. Der Titel seines Berichtes: „Ist Jacques Laurent ein Franzose?“

Ökologische Klimmzüge

Die Ökologie ist auf dem Siegeszug, und nicht einmal vor dem Sport macht sie Halt. Die Athleten, auf welchem Feld auch immer, sollten fortan nicht mehr Raubbau mit der Natur treiben, so redet der hessische Minister für Umwelt und Soziales, Armin Clauss, ihnen ins Gewissen. Gemach, sich selber dürfen sie natürlich ausbeuten wie eh und je, doch auf Tier und Pflanze, auf Boden, Wasser und Luft müßten sie gefälligst Rücksicht nehmen. Der Minister, der auch jenem Kabinett angehörte, das die Frankfurter Startbahn West gegen viele ökologische Bedenken bauen ließ, stellt es sich so vor: kein Ski-Langlauf jenseits der Loipen, Harpunisierungsverbot für Taucher, Selbstbeschränkung der Reiter im Walde. Warum die Umstände? Armin Clauss hätte sich ja ebensogut an Churchill orientieren können und dessen Lebensmaxime als Staatsziel proklamieren können: no sports und Hessen lebte länger.

Fromme Gauner

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Benno Erhard (CDU), lieferte einen originellen Beitrag zur Parteispenden-Affäre. Unter der Überschrift: „Konnte ein Finanzlaie nicht wirklich meinen ...?“ berichtet Erhard in der Welt vom 16. 7. 1985 über die Verfolgung von katholischen Priestern und Nonnen während der Nazizeit. Die Ordensleute hatten selbstverdientes Geld unter Umgehung der damaligen Devisenbestimmungen ins Ausland verbracht; sie waren dafür von der Diktatur als „fromme Gauner“ diffamiert, in Haft genommen und zum Teil zu Zuchthausstrafen verurteilt worden. Die Parallele zu den heutigen Parteispenden-Verfahren, die der Staatssekretär seinem Lesepublikum damit nahebringen will, erwähnt er mit keinem Wort. Er geht davon aus, daß jedermann sie versteht.