Gemessen an dieser Idealvorstellung wirkt der gegenwärtige Btx-Feldversuch eher rührend. Hans Wortberg jedenfalls, den ebenso aufgeschlossenen wie nüchternen Bauern aus Kettwig an der Ruhr, hat "Btx Agrar", er testet es seit Anfang 1984, bisher wenig überzeugen können. "Fachzeitschriften sind aktueller", meint er lapidar: Zeitraubendes "Blättern" am Bildschirm fördere allzuoft nur Markt- und Wetterdaten von vorgestern zutage.

Nur in Schleswig-Holstein und Bayern können PC-gerüstete Bauern mit ihrem zentralen Datenspeicher auch schon erste Dialoge führen. Die interessanten Informationen von BALIS, ärgert sich Hans Wortberg, seien ihm, als einem Rheinländer, leider nicht zugänglich. BALIS steht für: Bayerisches Landwirtschaftliches Informations-System.

Aller Anfang wirkt niedlich. Helmut Nieder, der Geschäftsführer der "Fördergemeinschaft", findet eine aus seiner Sicht verfrühte Publicity denn auch eher peinlich denn hilfreich. Sein Arbeitgeber, betont er eindringlich, sei erst "in Gründung befindlich", im Herbst etwa sei mit dem offiziellen Schöpfungsakt zu rechnen. Dann werde man auch über eigene Räumlichkeiten verfügen, in Bonn wahrscheinlich.

Noch sind Adresse und Telephonanschluß der "Fördergemeinschaft" identisch mit denen des Verbandes der Chemischen Industrie in Frankfurt am Main.

Von dort aus entfaltet Nieders eigentlich noch gar nicht existente Agentur zur Verbreitung des digitalisierten Ackerbaus in Bauernkreisen bereits eine erstaunlich lebendige Propagandatätigkeit. Sie schickt Referenten in die Lande, druckt wissenschaftliche Vorträge über Methoden und Vorzüge des Integrierten Pflanzenbaus in hohen Auflagen, sie verbreitet journalistisch aufbereitete Erfahrungsberichte angeblich bereits überzeugter Muster-Bauern. Vom Tonfall her wirken solche Geschichten manchmal wie aus einer Öko-Fibel abgeschrieben: Ein "Umdenken auf der ganzen Linie" wird da den Bauern abgefordert, ja von einer "Umkehr" ist auch hier die Rede.

Vorbei sind die Zeiten, da der Landwirt wenigstens von Seiten des Agrarkartells als "Naturschützer Nummer Eins" gegen alle Anwürfe in Schutz genommen wurde. Offen ist nun von "mehreren unerfreulichen Folgen heutiger Formen der Landnutzung" die Rede. Der Bauer, sagt Helmut Nieder, müsse "eine Menge erkennen und dazulernen". Bisher habe er nur "eindimensional" an Kosten, Erträge und Prämien gedacht. Künftig hingegen habe er ganzheitlich zu denken und zu ackern, Ökologie und Ökonomie miteinander integrierend.

Außer Lerneifer ist dafür Zeit vonnöten. Wer seinen Computer ständig mit aktuellen Daten füttern will, kann nicht den halben Tag in der Fabrik verbringen. Wer manche Unkräuter auch wieder weghacken soll, statt die pauschal vernichtende Giftkeule zu schwingen, muß wieder öfter auf seinen Acker hinaus.