Ob Surfbretter, Flugdrachen oder ein Kühlschrank für die eigene Ferienwohnung – mehr und mehr Pauschalreisende schleppen Sperriges mit in den Urlaub. Die Chartergesellschaften haben für solches Übergepäck ihre festen Gebühren.

War es früher ein teurer und kaum kalkulierbarer Spaß, unhandliches Gepäck zu transportieren, so haben sich die Chartergesellschaften seit letztem Jahr mehrheitlich zu gemeinsamen Tarifen für „Sonder- und Übergepäck“, wie das in Amtsdeutsch heißt, durchgerungen. Im „Kontaktkreis Bedarfsluftverkehr“ des Deutschen Reisebüro-Verbandes setzten sie sich zusammen und heckten eine Preisliste aus, die vom Motorrad bis zum Haustier alles umfaßt, was der Feriengast im Urlaub nicht missen mag.

Dabei teilten die Ferienflieger die Flugziele in vier Zonen ein: Mittelmeerraum, Mittelstrecken (Kanada, Marokko, Madeira, Israel), Fernstrecken (Ceylon, Thailand, Kenia) und die USA. „Normales“ Übergepäck wie ein Fahrrad, der Golfschläger oder die Hollywood-Schaukel fürs Ferienhaus werden auf die 20 Kilogramm Freigepäck angerechnet; alles, was darüber ist, kostet bei den Mittelmeerflügen fünf Mark pro Kilo, zu den Kanaren sieben Mark und zu den Fernzielen 16 Mark. Surfbretter und Flugdrachen werden mit pauschal 100, 140 beziehungsweise 250 Mark berechnet. Das ist dann der Komplettpreis für den Hin- und Rückflug. In die USA gelten wegen der komplizierten Vorschriften eigene Regelungen, die bei den Fluggesellschaften zu erfragen sind.

Um die Freigepäck-Grenze zu erhöhen oder ganz auszunutzen, gibt es die Möglichkeit des „Poolens“: Mehrere Gäste, die gemeinsam ihr Gepäck aufgeben, werden als Gruppe behandelt – ihr Freigepäck addiert sich.

An die gemeinsamen Sondergepäck-Tarife halten sich die vier der fünf größeren deutschen Charterfluggesellschaften, Condor, Hapag-Lloyd, Aero-Lloyd und SAT, sowie zahlreiche ausländische Unternehmen, die für deutsche Reisekonzerne fliegen. Leicht abgewandelte Tarife verwendet die LTU: Bei ihr werden auch Surfbretter nach Gewicht befördert („wir halten das für fairer“), und die Preiszonen sind detaillierter aufgesplittet. So kostet ein Kilo Übergepäck nach Mallorca 4,50 Mark, nach Athen 5,50 Mark, nach Rhodos sechs Mark, nach Teneriffa 7,50 Mark und nach Los Angeles hin zehn Mark, zurück 4,50 US-Dollar.

Grundsätzlich sollte man größere und sperrige Güter rechtzeitig anmelden. Vor allem die kleineren Maschinen können zum Beispiel nur eine begrenzte Anzahl von Surfboards mitnehmen, auch muß der (meist kostenfreie) Weitertransport mit dem Transferbus vorbereitet werden.

Manche Gepäckstücke müssen schon am Tag vorher abgeliefert werden. Will man sein Motorrad für die Tour durch Amerikas Westen mitnehmen, kann man mit der Maschine nicht an den Flughafen fahren: Vor dem Verladen müssen Benzin und Öl abgelassen werden, und das kostbare Stück wird auf eine spezielle Palette montiert.

Rainer Krause