Die Charterfluglinie Condor hat, wie der jetzt vorgelegte Geschäftsbericht ’84 zeigt, ein gutes Jahr hinter sich. Sieben Millionen Mark Gewinn gingen an die Muttergesellschaft Lufthansa, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Selbst zwei Millionen Verlust bei der Pleite von Ischia-Reisen, Berlin, konnten verdaut werden.

Eine Wende gab es im vergangenen Jahr tatsächlich: im Tourismus. Die Urlauber kehrten zur Flugpauschalreise zurück, erst zögernd wegen des Metallstreiks, dann in hellen Scharen. Deutschlands führender Charterflieger Condor (Marktanteil 25 Prozent) konnte eine entsprechend gute Ernte einfahren. Malte Bischoff, Condor-Geschäftsführer, nannte dafür drei Gründe: die Qualität dieses Transportangebots bei – konkurrenzbedingter – Preisstabilität; den hohen Rechtsschutz dieser Reiseform und die erfolgreiche Gemeinschaftswerbung von Charterfluglinien und großen Reiseveranstaltern. Wie diese allerdings nach dem Ausstieg von NUR-Touristic weitergeführt werden soll, ist noch offen. Trotz dieser guten Resultate und einem erhofften Plus von fünf bis zehn Prozent für alle Flugpauschalanbieter sieht Bischoff noch Probleme: Es gibt immer noch zu viele Charterflugzeuge, neue Gesellschaften kamen – vor allem in München – auf den Markt, der Dollarkurs ist instabil und Reiseländer, vornehmlich Spanien, machen Schwierigkeiten, weil sie ihren nationalen Charterfluggesellschaften einen größeren Marktanteil verschaffen wollen. Für das laufende Jahr sieht Condor eine positive Entwicklung: Die Gesellschaft wird in diesem Sommer erstmals über 4000 Flugsitze in ihrer Flotte anbieten – eine Folge der Politik, zur Hauptsaison zusätzlich Flugzeuge anzumieten und im Winter eigene Maschinen an andere Linien abzugeben.

Condor hat eine Vielzahl neuer Ziele im Flugplan, vor allem auf griechischen Inseln. Im kommenden Winter wird erstmals der indische Badeort Goa in die Route nach Kathmandu einbezogen. Eilat, Istanbul, Baltimore und – wieder – Dakar sind weitere neue Flughäfen auf der Condor-Weltkarte. K. V.