Der sensationelle Gedächtnisschwund beim Kanzler, als er sich in Mainz vor einem parlamentarischen Ausschuß zur Parteispendenaffäre äußern sollte, ist kein Anlaß zur Sorge. Hinter seinem Auftritt steckt harte Arbeit – und zwar bei dem auf solche Vernehmungen spezialisierten Politbetreuer Fuschl. Es war die letzte Lektion, und Fuschl war mit Kohl zufrieden.

„Das läuft gut. Besonders der leicht indignierte Tonfall, wie man einem Kanzler so was zumuten kann, wirkt sehr echt. Nun noch eine letzte Probe, um zu sehen, ob alles – sitzt. Sind Sie bereit?“

Kohl blinzelte verständnislos: „Was haben Sie mich gefragt?“ „Prächtig“, lobte Fuschl, „wie heißen Sie?“ „Blöde Frage“, murrte Kohl, „das wissen Sie doch.“

Fuschl ließ nicht locker: „Ich will es von Ihnen hören. Ihr Name?“ Kohl dachte bemüht nach: „Hase? Nein, nein. Irgendeine Gemüsesorte. Fängt mit K an.“

„Jetzt mal eine knallharte Frage: Verheiratet?“ Kohl schwieg, dann: „Tut mir leid, ist mir entfallen.“ „Vorname Ihrer Frau?“ bohrte Fuschl weiter. „Hanne...“ Fuschl erschrak. „Vorsicht!“, mahnte er. „Ingelore!“ ergänzte Kohl.

„Name Ihrer Chefsekretärin?“ „Moment. Er liegt mir auf der Zunge. Ja. Renate Leber.“

Fuschl fuhr fort: „Wie heißt Ihr Vorgänger im Amt?“ – „Endlich eine leichte Frage. Schmitz. Heinrich Schmitz.“ – „Und der Vorgänger Bangemanns in Ihrem Kabinett? – „Graf... Dracula.“ Fuschl strahlte.