Hannover

Weil Sicherheitsbeamte seine Toiletten benutzen, hat Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht der Polizei jetzt eine Rechnung geschickt. Das Haus des Regierungschefs in Beinhorn bei Hannover ist nicht an die Kanalisation angeschlossen. Was bei Albrechts durch die Spülung geht, fließt in eine Sickergrube. Nun sind der Ministerpräsident, seine Ehefrau Heidi-Adele und seine sechs Kinder so gut wie nie allein daheim. Polizisten müssen, sich von Zeit zu Zeit auf den Toiletten des Hauses Albrecht von drückenden Lasten befreien – der Weg zur Dienststelle wäre zu weit.

Einmal im Jahr wird die Sickergrube des Landesvaters auf seine Kosten entleert. Für die Hinterlassenschaft der Objektschützer will der Privatmann Ernst Albrecht freilich nicht aufkommen. Er stellte der zuständigen Polizeibehörde genau 60 Prozent der Kosten in Rechnung. Wieviel denn das in Mark und Pfennig seien, wollte die Landtagsfraktion der Grünen mit einer Anfrage herausbekommen. Die Staatskanzlei blieb die Antwort schuldig.

Doch die Rechnung ist nicht schwer: Die Familie des Ministerpräsidenten zählt acht Personen. Wenn das vierzig Prozent sind, müssen zwölf Beamte das Klo mitbenutzen. In den Entwässerungsämtern gibt es Faustregeln für Fäkalien. Demnach würden zwölf Personen im Jahr für 900 Mark Schlamm hinterlassen.

Die Polizei hat gezahlt.

Hinrieh Lührssen