ZEIT: Ihr Koalitionspartner FDP hat seine Steuerpläne für die Zeit nach 1987 festgelegt. Was halten Sie davon?

Bohl: Grundsätzlich liegen die Steuerpläne der FDP sicherlich auch auf unserer politischen Linie. Bei der Steuergesetzgebung muß die Leistungsbereitschaft mehr belohnt werden, und die Steuergesetze müssen vereinfacht werden. Insoweit besteht also durchaus Übereinstimmung zwischen FDP und CDU/CSU. Allerdings will ich nicht verhehlen, daß mir die Vorschläge, wie überhaupt die ganze Diskussion über Steuerentlastungen in der nächsten Legislaturperiode, doch etwas sehr früh kommen.

Noch ist ja nicht einmal das Steuerentlastungsgesetz 1986 wirksam. Die beschlossene Steuerentlastung 1988 steht auch noch bevor. Beides sind große Projekte; das Volumen der Steuerentlastungen für den Bürger beträgt 20 Milliarden Mark. Ich halte es nicht für besonders glücklich, daß man schon jetzt, anderthalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl, Steuerentlastungen im Detail diskutiert.

ZEIT: Nun hat ja auch der Finanzminister Steuersenkungen angekündigt, und die von ihm anvisierte Größenordnung (30 bis 40 Milliarden Mark) unterscheidet sich nicht sehr von der des Koalitionspartners FDP. Sie stören sich an den Details der FDP-Pläne. Warum?

Bohl: Der Bundesfinanzminister hat mit seiner Aussage zu einer weiteren Steuerreform nach 1987 eine klare Grenze setzen wollen, einmal hinsichtlich des Zeitpunktes, aber auch hinsichtlich des Volumens, das sich an der weiteren Sanierung der Staatsfinanzen orientieren muß. Die FDP hingegen puscht ja sehr stark und will die Steuerreform in der nächsten Legislaturperiode möglichst früh haben. Ich befürchte, die Diskussion zur Unzeit führt nur dazu, daß zunehmend das Bewußtsein dafür schwindet, daß wir noch immer die gewaltige Aufgabe der Sanierung der Staatsfinanzen haben. Wenn wir jetzt schon bei der beschlossenen Entlastung von 20 Milliarden Mark wie selbstverständlich davon reden, die Steuern in den nächsten Jahren um weitere 40 Milliarden zu entlasten, dann wird das Verständnis des Bürgers dafür schwinden, daß der Staat weiter sparen muß.

ZEIT: Abgesehen von der grundsätzlichen Übereinstimmung zu weiteren Entlastungen, zeichnet sich ja schon jetzt ein Dissens mit der FDP ab. Die FDP will schon 1990 alles in einem Schritt, der Finanzminister will vorsichtigen zwei Schritten marschieren. Wo stehen Sie?

Bohl: Ich bin auch für zwei Schritte, weil man so die weitere Haushaltskonsolidierung besser im Auge behält.