Noch vor einem Jahr standen die Zeichen auf Sturm, als der Chemiekonzern. Boehringer-Ingelheim sein Hamburger Zweigwerk wegen Umweltgefährdung schließen mußte. Doch jetzt – rechtzeitig zum hundertsten Geburtstag des Multis – soll das dioxingetränkte Image der Hamburger Tochter wieder schadstofffrei leuchten: Die Vertreibung aus der Hansestadt, so klagt Boehringer jetzt Vor dem Landgericht, sei unrechtmäßig gewesen. Daher solle die Stadt gefälligst auch für die entlassenen Arbeitnehmer aufkommen und mindestens eine Million Mark in den Sozialplan stecken.

Für Hamburgs Umweltsenator Wolfgang Curilla bedeutet diese Forderung soviel wie die endgültige Ernennung zum Ingelheimer Hofnarren. In den vergangenen Jahren hat ihn das Werk immer wieder an der Nase herumgeführt, bis er endlich untersagte, dioxinhaltige Abfälle auf dem Werksgelände zu lagern. Da dort freilich schon Teile des Erdreiches, mehr von diesem Ultragift speichern als die „Zone A“ von Seveso, mußte das Werk dichtmachen. Boehringer-Dioxin ist auch im hanseatischen Müllberg von Georgswerder. Für dessen Sanierung stehen dem Hamburger Senat Kosten in Höhe von schätzungsweise 200 Millionen Mark ins Haus.

Den Geburtstag des rüstigen Konzerns in Ehren – angesichts dieser Hinterlassenschaften mutet die Klage dreist an. R. K.