ARD, Sonntag, 28. Juli, 16.45 Uhr: "Der Plage Herr werden" von Ebbo Demant

Am Straßenrand steht ein Rind – abgemagert, blutleer, dem Tode nahe. Ein paar Männer schieben ein Lattengerüst unter das Tier und schleppen es zur Notschlachtung. Dem Viehhirten bleibt gerade ein Hungerlohn für das Gerippe.

Alltag in der Sahelzone? Weit gefehlt. Die Szene im Dokumentarfilm von Ebbo Demant spielt in einem vergleichsweise gesegneten Land Schwarzafrikas, an der westafrikanischen Elfenbeinküste.

Schwenk auf ein kleines Insekt: die Tsetsefliege. Sie infiziert die Rinder in weiten Gebieten des Kontinents mit der heimtückischen Schlafkrankheit und rafft jedes Jahr etwa 120 Millionen afrikanische Rinder dahin. 1,5 Millionen Tonnen Fleisch verwesen am Straßenrand oder in der Steppe, anstatt in den Kochtöpfen zu landen.

Der Filmheld tritt ins Bild: Er prescht im Jeep über die Savannenpiste, campiert irgendwo in der Prärie, durchstreift das dichte Buschwerk am Fluß, oder sitzt unbeirrt im Staub und starrt in sein Mikroskop. Trotzdem, der deutsche Tierarzt und Entwicklungshelfer von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit paßt überhaupt nicht ins Klischee des sonnengegerbten Haudegens. Sachlich unterkühlt schildert der Wissenschaftler an Einzelbeispielen seinen verzweifelten Kampf gegen die Geisel Tsetse.

Entsprechend schwer tut sich der Film, eine Spannung aufzubauen. 45 Minuten lang schleppt er sich von Einstellung zu Einstellung, gelegentlich scheint es, als lägen Kameramann und Regisseur selbst im Koma der Schlafkrankheit.

Dabei ist die Nachricht, die es zu übermitteln gilt, keine Grabesrede auf die Dritte Welt, die in den Strudeln aus historischen und modernen Problemen unterzugehen droht. Der Film will über einen, wenn auch bisher kleinen Erfolg, in jedem Fall aber sinnvollen Ansatz berichten.