Von Klaus Viedebantt

Zugegeben, es krachte hörbar beim Einlegen des zweiten Gangs. Aber daß die alte Frau im Vorgarten vor Schreck den Rechen fallen ließ, schien mir doch etwas übertrieben zu sein. Jetzt wird sie sich gleich bekreuzigen ob dieser knatternden Teufelsmaschine, dachte ich. Aber nein, sie strahlte und hielt mir einen Korb voller Erdbeeren hin.

Es war schon eine magische Wirkung, die diese betagte Mechanik hervorrief. Wo immer ich mit meinem Ford A-Modell vorbeiratterte, winkten mir wildfremde Menschen, die als stur verschrieenen Schweden, freudig zu. Entgegenkommende Autofahrer zeigten sich wirklich entgegenkommend und grüßten das Kabriolett von 1928 mit der Lichthupe, überholende Fahrer erinnerten sich überholter Sitten und salutierten mit fröhlichem Hupton.

Selbst eilige Lastwagenkapitäne reihten sich geduldig ein hinter meinem 50 Stundenkilometer schnellen „Sportwagen“, bis ich sie an der nächsten Parkbucht passieren lassen konnte. Den Chaussee-Jumbos begegnete ich allerdings nur auf dem kurzen Stück der E 4, Schwedens meistbefahrener Trasse, die Hälsingborg mit Stockholm verbindet. Unmittelbar an dieser tosenden Verkehrsader liegt in der zurückgezogenen Idylle einer Seenpalette „Toftaholm“, ein sagenumwaberter Herrenhof auf historischem Grund. Hier hat der greise König Gustaf Wasa die junge Katarina Stenbock gefreit. Die Jungfer soll sich sehr geziert haben vor der Verehelichung mit dem wohl nicht mehr sehr ansehnlichen Monarchen, aber sie fügte sich – gelobt sei die Staatsräson – dann doch in ihre Karriereaussichten als wohlhabende Witwe.

Aber ich schweife ab, zurück zum nicht minder historischen Gegenstand meiner Bewunderung, zum fast siebzigjährigen Ford. Hier, auf Toftaholm, sollte ich den Veteranen für einen Tag übernehmen. Aber was da am Vorabend gravitätisch in den Hof rollte, war ein bestenfalls fünfzigjähriger Ami-Schlitten – ein Prachtstück, gewiß, aber ich hatte mich so auf den kleinen antiken Zweisitzer gefreut. „Ist der Ford kaputt?“ fragte ich enttäuscht, als Lennart dem mächtigen Pontiac von 1937 entstieg. Er mußte nicht mehr antworten, denn im selben Moment bog, unter dem spontanen Applaus einiger zum Dinner eintreffender Geschäftsleute, auch der Ford in den Gutshof ein. Bo schaltete – ohne ein Geräusch – den Rückwärtsgang und parkte den gepflegten Veteranen so wie es sich gehört: direkt vor den hochherrschaftlichen Stufen.

Zur Feier des Tages hatten sich die halbe Geschäftsführung und ein Viertel des beweglichen Geschäftskapitals auf dem Gutshof versammelt: Bo, Lennart und zwei weitere Partner haben sich voreinem Jahr zusammengetan, um eine Autoverleihfirma zu gründen. Bei ihnen kann man seither Autos leihen, die jüngstenfalls 47 Jahre alt sind, so wie bei Avis einen Audi oder bei interRent einen Opel.

Bo, Autohändler von Beruf und Veteranensammler aus Passion, tat sich mit Lennart, einem Bankdirektor, und zwei weiteren Freunden zusammen, um acht verdiente Vorkämpfer der Motorisierung für ihre touristische Laufbahn herzurichten. „Schaden denn die Touristen den wertvollen Autos nicht, können die denn damit umgehen?“ wollte ich wissen. „Ach was, das ist kein Problem. Damals haben die noch Autos gebaut, die man nicht so leicht kaputt kriegt“, antwortete Bo, der privat einen Cadillac vom Jahrgang 26 und einen Horch anno 36 kutschiert. „Außerdem“, so fuhr er fort, „die alten Kaleschen lassen sich ganz leicht steuern. Komm, wir probieren das mal mit dem Pontiac.“