Trotz Massenarbeitslosigkeit fehlen Facharbeiter

Von Heinz-Günter Kemmer

Fast 34 000 Arbeitssuchende waren Ende Juni beim Essener Arbeitsamt registriert. Aber bei Krupp Industrietechnik arbeiten 35 Polen, weil es für dringende Aufträge keine deutschen Arbeitskräfte gibt. Bundeskanzler Kohl hatte dies zum Anlaß genommen, die Richtigkeit der Arbeitslosenstatistik anzuzweifeln. Zum anderen ist das natürlich Wasser auf die Mühlen derer, die in dem Heer der Arbeitslosen nur eine Bande von Faulpelzen sehen – bereit nur zum Kassieren, aber nicht zum Arbeiten.

Vielen Menschen will es einfach nicht in den Kopf, daß es trotz der Massenarbeitslosigkeit in einigen Berufsgruppen Mangel an Arbeitskräften gibt. Aber für Olaf Sund, den Präsidenten des Landesarbeitsamtes Nordrhein-Westfalen, sind Engpässe ganz normal, weil es „nie eine Vollsynchronisation von Angebot und Nachfrage geben kann“.

Der Engpaß, um den es derzeit bei Krupp und anderen Firmen geht, ist nicht neu. Dreher und Fräser – unter dem Oberbegriff „spanabhebende Berufe“ zusammengefaßt – sind schon seit zehn bis fünfzehn Jahren Mangelware. Das versichert jedenfalls Rudolf Küchmeister, der in der Geschäftsführung von Krupp Industrietechnik für Personalfragen zuständig ist.

Joachim Skott, Personalchef bei Mannesmann Demag in Duisburg, bestätigt das: Bohrwerks-, Karussell- und Spitzendreher seien ebensowenig auf dem Markt wie Universal- und Portalfräser. Beide Personalchefs sind sich einig, daß ihnen die Arbeitsämter nicht helfen können. Beinahe ebensoschlecht sind die Aussichten, Spezialschweißer und hochqualifizierte Schlosser über das Arbeitsamt zu finden.

Wenn Angehörige der begehrten Berufsgruppen ihren Arbeitsplatz verlieren, dann brauchen sie sich um einen neuen Job nicht zu sorgen. So erzählt Küchmeister, daß die Anwerber vor dem Werkstor standen, als die Vereinigten Deutschen Metallwerke ihren Zweigbetrieb in Duisburg dicht machten. Auch Krupp war damals glücklich, zwei „Spanabheber“ ergattert zu haben.