Die Länder Afrikas wollen durch verstärkte Investitionen in der Landwirtschaft Hunger und Armut auf dem Kontinent überwinden.

Einmütig wie nie zuvor bekannten sich auf der 21. Gipfelkonferenz der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in Addis Abeba die Staats- und Regierungschefs zur gemeinsamen Verantwortung bei der Überwindung der schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise, die den ganzen Kontinent erfaßt hat. „Auf dem Spiel steht unsere Glaubwürdigkeit vor unseren Völkern und vor der Geschichte“, sagte Senegals Staatspräsident Abdou Diouf, der in der äthiopischen Hauptstadt zum neuen OAU-Vorsitzenden gewählt wurde.

Die Konferenz verabschiedete eine „Deklaration von Addis Abeba“, wonach die afrikanischen Staaten bis zum Jahr 1989 die öffentlichen Investitionen in der Landwirtschaft von durchschnittlich zehn Prozent auf 20 bis 25 Prozent der Länderbudgets steigern sollen. Zugleich soll die Agrarproduktion durch höhere Preise für Nahrungsmittel und durch eine ausreichende Versorgung der Bauern mit Saatgut, Düngemitteln und landwirtschaftlichem Gerät angekurbelt werden.

Die verfehlte Landwirtschaftspolitik vieler afrikanischer Regierungen galt bei Entwicklungsexperten seit langem als Ursache der Nahrungsmittelknappheit auf dem Kontinent, die sich durch die anhaltende Dürre in einigen Regionen zur akuten Hungersnot verschärfte. Die OAU scheint nun aus den Versäumnissen der Vergangenheit die überfälligen Lehren zu ziehen.

Bei aller Selbstkritik verzichteten die Redner in Addis Abeba allerdings nicht auf die bekannten Vorwürfe gegen die Industrieländer. Die ungerechte Weltwirtschaftsordnung und der Verfall der Rohstoffpreise, darin war man sich einig, habe zur afrikanischen Misere entscheidend beigetragen. „Während wir verarmt sind und an Hunger leiden, setzen die entwickelten Länder die Ausbeutung unserer Naturschätze fort, was sie noch reicher macht“, empörte sich Äthiopiens Staatschef Mengistu Haile Mariam.

Doch neue Töne in Addis Abeba lassen aufhorchen: Selbstverpflichtung statt wohlfeiler Appelle, konkrete Einzelmaßnahmen statt globaler Reformpläne. Allerdings droht nach Meinung der OAU Afrikas Schuldenlast von rund 500 Milliarden Mark jede grundlegende wirtschaftliche Erholung zu verhindern. Die afrikanischen Staaten erkennen zwar ihre Verpflichtung an, die Schulden zurückzuzahlen; sie dringen jedoch auf weitere Umschuldungen und eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen. Auf einer von der OAU geforderten internationalen Konferenz soll über langfristige Lösungen der afrikanischen Schuldenkrise verhandelt werden.

Schützenhilfe erhielt die OAU von Edouard Saouma, dem Direktor der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO), der die Industrieländer aufrief, einen Teil der Schulden zu erlassen. Auf der Konferenz sprach Tansanias Präsident Julius Nyerere von den Grenzen der Zusammenarbeit mit dem Norden: „Afrika darf seine Kinder nicht hungern lassen, nur um seine Schulden zu bezahlen.“

Vor dem Hintergrund der schweren Krise des Kontinents verzichteten Afrikas Staats- und Regierungschefs diesmal auf das übliche politische Hickhack, das in den vergangenen Jahren zum Ritual der OAU-Konferenzen gehörte. Mit Senegals Staatspräsident Abdou Diouf als neuem Vorsitzenden und dem Außenminister von Niger, Ide Oumarou, als neuem Generalsekretär stehen nun zwei Pragmatiker an der OAU-Spitze, die hoffen lassen, daß die Beschlüsse von Addis Abeba mehr als nur heiße Luft sind. Angesichts der tiefreichenden politischen Gegensätze zwischen den 51 Mitgliedsländern bleibt indes Skepsis geboten. Es wird sich zeigen müssen, was aus den „neuen Hoffnungen und neuen Horizonten Afrikas“ wird, von denen Ide Oumarou sprach. Matthias Naß