Paderborn

Der westfälische Unternehmer Heinz Nixdorf ist von einer Idee besessen. Ob im Gespräch mit Mitgliedern der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung oder beim Mittagessen in Halle 1 auf der Hannover-Messe – man kann jede Wette eingehen, daß er auf sein Lieblingsthema zu sprechen kommt. Im übrigen, meint er dann stets, brauche Ostwestfalen einen Großflughafen. "Ach Gott, ja, die Forderung kennen wir nun schon seit Jahren", seufzt Ewald Schulte, Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums.

Acht Millionen Menschen leben in dieser Region zwischen Dortmund und Bielefeld, so Nixdorfs Dauerklage, und weit und breit kein Flugplatz, der von der "nationalen Fluggesellschaft" angeflogen werde. Nixdorf: "Für einen solchen Zustand fehlt in Europa jeder Vergleich." Wenn die Landesregierung – "offenbar aus katastrophaler Geldnot" – sich weiterhin dem Ansinnen verschließe, so pflegt er dann ebenfalls immer zu drohen, werde er den Sitz seines Unternehmens über kurz oder lang verlegen müssen.

Die Nixdorf Computer AG, vor 33 Jahren von ihrem Vorstandsvorsitzenden Heinz Nixdorf gegründet, platzt aus allen Nähten. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres kletterte der Umsatz um 31 Prozent; die Belegschaft wurde im vergangenen Jahr um 4500 auf 23 000 erhöht. In München wurde unlängst ein 80 Millionen Mark teurer Neubau in Betrieb genommen, in Berlin wird derzeit für 100 Millionen Mark ein neues Werk errichtet. Nixdorf schickt sich an, die Nummer eins unter den europäischen Computerherstellern zu werden. "Unsere Zielsetzung ist", sagt Nixdorf-Pressesprecher Rolf Prey, "den Umsatz in den nächsten vier Jahren zu verdoppeln."

Die rund 100 000 Einwohner zählende Bischofsstadt Paderborn ist nicht gerade gesegnet mit einer Infrastruktur, die ein Weltkonzern wie Nixdorf beansprucht. Sie hat keinen direkten Autobahnanschluß, ist nicht im Intercity-Netz der Bundesbahn und verfügt über keinen Linienflughafen. "In diesem Raum bewegt sich nichts", sagt Rolf Prey und beklagt die "vielen Standortnachteile" der Region, die "einfach immer vernachlässigt" worden sei. Allein im Rhein-/Ruhrgebiet gebe es "zwei internationale Großflughäfen", nämlich Köln/Bonn und Düsseldorf. Prey: "Das große Westfalen hat den gleichen Anspruch wie das Rheinland." Welchen Eindruck muß das denn auf Geschäftspartner machen, wenn sie, um nach Paderborn zu reisen, nur bis Düsseldorf oder Hannover fliegen können und sich dann zwei Stunden im Auto quer durch die Pampa schlagen müssen, bis sie ans Ziel gelangen? "Wir warten keine fünf Jahre mehr", kündigte Heinz Nixdorf vor wenigen Wochen an. "Kommt der Flugplatz nicht, ziehen wir mit der Zentrale von Paderborn nach München."

Nicht zuletzt auf Grund von Nixdorfs permanenten Klagen hat die Landesregierung nun den bestehenden Regionalflughafen Paderborn/Lippstadt, von dem aus die Linienflughäfen München, Stuttgart, Frankfurt und London erreicht werden können, mit einer eigenen "Kontrollzone" ausgestattet, das heißt, er verfügt nun über eigene Fluglotsen. Auch eine neue, 1700 Meter lange Landebahn wurde gebaut, auf der Flugzeuge bis zur Größe einer Boeing 737 landen können.

Nixdorf freilich genügt das nicht. Er will einen völlig neuen Großflughafen und weiß sich darin einig mit anderen Wirtschaftsbetrieben in der Region. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn hier ein Linienflughafen gebaut würde", sagt beispielsweise Rolf Mühlmann, Sprecher der Oetker-Gruppe im nahegelegenen Bielefeld. "Die Verkehrsverbindung hier ist außerordentlich schlecht", meint auch Helmut Runde, Sprecher der Bertelsmann AG im benachbarten Gütersloh.