Präsident Reagan hat den bisherigen Vorsitzenden der Staatlichen Handelskommission, James C. Miller, zum neuen Haushaltsdirektor und Nachfolger David Stockmans nominiert.

Millers Wechsel von der Federal Trade Comission ins Budgetamt bedarf noch der Bestätigung durch den Senat, der sie erst im September auf die Tagesordnung setzen dürfte.

Stockman, das „Wunderkind“ in der Handhabe der komplizierten Maschinerie des amerikanischen Staatshaushalts, verläßt das Office of Management and Budget auf eigenen Wunsch. Er hatte sein Amt zu einer innenpolitischen Kommandohöhe ausgebaut. Mit großem Vermittlungsgeschick nahm er an den Verhandlungen zwischen Weißem Haus und Kongreß teil, bei denen es um Etatkürzungen zur Bekämpfung der hohen Defizite ging. Allein aufgrund seiner detaillierten Sachkenntnis setzte Stockman dabei die Prioritäten – und kritisierte auch die Finanzpolitik seiner eigenen Regierung.

Die Ernennung von James C. Miller zu seinem Nachfolger wird von Amerikas Konservativen sehr begrüßt. Sie erwarten von ihm neuen Schwung bei der weiteren „Deregulierung der Wirtschaft, das heißt ihrer Befreiung von staatlichen Auflagen. Miller ist 43 Jahre alt, war Wirtschaftsberater unter Nixon und Ford und hat während der Carter-Regierung im Enterprise Institute gearbeitet.

Die 1981 in Carters buchstäblich letzter Amtsstunde erlassenen Regulierungen, einschließlich von Vorschriften für Umweltschutz und Betriebssicherheit, waren Presseberichten zufolge Millers Angriffsziele, seitdem Präsident Reagan ihn in seinem ersten Amtsjahr in die Regierung holte. Miller lehnt im Gegensatz zu Stockman konsequent jede Steuererhöhung ab, weil er überzeugt ist, daß gleichmäßiges Wirtschaftswachstum das beste Rezept zur Senkung der Staatsverschuldung sei. Gegenwärtig sind die Aussichten für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum allerdings eher düster. Der neue Budgetdirektor, Befürworter uneingeschränkter Marktwirtschaft, wird da vielleicht durch seine Hobbys mehr von sich reden machen als durch seine Erfolge: Wie es heißt, liebt er schnelle Motorräder und ist ein leidenschaftlicher Jazz-Trompeter.

Ulrich Schiller (Washington)