Die Urlauber sind reklamationsfreudiger geworden, tun das allerdings nicht immer erfolgreich.

Nach dem Urlaub wird Bilanz gezogen. Etwa ein Prozent, so sagen die Veranstalter, etwa vier Prozent, schätzen unabhängige Experten, kommen unzufrieden von ihrer Reise zurück. Sie reklamieren, weil die Ferien nicht gehalten haben, was die Werbung versprach. Den weitaus größten Teil der Reklamationen regeln die Veranstalter auf dem Kulanzwege, nicht nur weil sie ihre Fehler eingesehen haben, sondern auch aus Imagegründen. Aber einige hundert Fälle pro Jahr kommen auch vor Gericht. Und dabei gilt es für die Verbraucher, eine Reihe von Spielregeln zu beachten. Ansonsten wird nicht nur der Urlaub, sondern auch noch der nachfolgende Prozeß zum Reinfall.

Seit 1979 regelt das sogenannte Reisevertragsrecht die Geschäftsbeziehungen zwischen Reiseveranstaltern und Kunden. Danach muß der Urlauber schon während seines mißglückten Ferienaufenthaltes einiges in Bewegung gesetzt haben, um hinterher mit Erfolgsaussicht reklamieren und klagen zu können. Er muß zum Beispiel dem Veranstalter über dessen Reiseleitung vor Ort Gelegenheit geben, die Pannen auszubügeln. Wer das nicht tut, wer keine Beweise sammelt und nicht spätestens einen Monat nach Reiserückkehr reklamiert hat, der hat später auch vor Gericht keine Chance mehr.

Es gibt keine Statistik darüber, wie oft Reiserechtsprozesse für die Verbraucher allein wegen solch banaler Fehler verloren werden. Tatsache ist allerdings, und darauf verweisen die Veranstalter natürlich recht gerne, daß ein großer Teil dieser Gerichtsverfahren zu Ungunsten der klagenden Konsumenten entschieden werden.

Hans Zurnieden, Inhaber der Bonner Phoenix Reisen, macht für diese Entwicklung drei Gründe verantwortlich. Zum ersten haben seiner Meinung nach die Konsumenten eine falsche Vorstellung davon, wieviel vom Reisepreis sie bei welchen Mängeln zurückfordern können. „Da werden für Lappalien Hunderte von Mark verlangt, die dann die Richter nicht anerkennen“, sagt Zurnieden. Diese Entwicklung fördern noch die Rechtsanwälte, die, ihre Gebührenordnung vor Augen, unzufriedene Urlauber geradezu animieren, ihre Forderungen sehr hoch anzusetzen. „Und zum dritten“, berichtet der Phoenix-Geschäftsführer, „müssen wir zusehen, wie Verbraucher uns mehr und mehr übers Ohr hauen wollen, mit vorgeschobenen Mängeln versuchen, Geld zu kassieren.“

Das soll natürlich keinen wirklich geschädigten Urlauber davon abhalten, sein Reklamationsrecht wahrzunehmen und notfalls auch vor Gericht durchzusetzen. Der Verbraucher sollte so etwas allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen, nicht glauben, eine Rückvergütung vom gezahlten Urlaubspreis sei immer locker drin. Was wirkliche Reklamationsgründe sind, haben erfahrene Reisejuristen schon des öfteren in Publikationen zusammengefaßt.

Zum Millionenbestseller wurde auf diese Weise das Heftchen „Ihr Recht reist mit“, kostenlos beim Bonner Justizministerium erhältlich. Ebenfalls kostenlos gibt es jetzt bei der Barmer Ersatzkasse Wuppertal eine Tabelle, in der Richter des Amtsgerichtes Frankfurt, besonders häufig mit Reiserechtssachen befaßt, aufgelistet haben, wieviel Prozent des Reisepreises bei welchen Mängeln zurückgefordert werden können.