Die Bundesbank drückt auf die Zinsen. Das ist wirtschaftspolitisch richtig, denn billigeres Geld belebt die Konjunktur. Aber es mindert die Chancen der Sparer, Geld günstig anzulegen.

Zur Zeit verfügen viele Bürger über anlagebereite Ersparnisse. Das bestätigen Banken und Sparkassen, die sich täglich an ihren Bankschaltern der Frage gegenübersehen: Wohin mit dem Geld? Dabei geht es nicht um wenige hundert Mark, sondern in der Regel um einige Tausender.

Sie stammen nicht selten aus Tilgungen auslaufender Wertpapiere, die bis dahin Zinsen gebracht haben, wie sie heute auf dem deutschen Kapitalmarkt nicht mehr erzielbar sind. Das macht die Anlageberatung schwierig. Der Bankkunde ist nur selten bereit, Renditen zu akzeptieren, die sieben Prozent und weniger betragen.

Einen gewissen Zulauf finden noch die neuen Nullkupon-Anleihen, obwohl auch bei ihnen die Renditen nicht höher sind. Aber bei ihnen kann wenigstens die auf die Zinsen zu zahlende Einkommensteuer hinausgeschoben werden. Die Beliebtheit der bei Nullkupon-Anleihen erhältlichen „effektiven Stücke“ läßt überdies den Schluß zu, daß in diesen Papieren ein (illegaler) Weg gesehen wird, ihre Zinsen überhaupt am Fiskus vorbei kassieren zu können.

Um die Zinssenkung zu beschleunigen, hat die Bundesbank die Rediskontkontingente der Kreditinstitute ausgeweitet. Damit können sie sich bei der Bundesbank verstärkt billig refinanzieren. In Erwartung einer weiteren Zinssenkung hat das Land Schleswig-Holstein eine Anleihe aufgelegt, die nur noch mit einem Nominalzins von 6,75 Prozent ausgestattet ist. Damit ist der Abschied vom Siebenprozenter eingeleitet. Mit ihrer Rendite von dürftigen 6,85 Prozent liegen die Schleswig-Holsteiner noch unter der Marktrendite. Manche Banken verzichten deshalb darauf, diese Emission ihrer Kundschaft anzubieten.

Was ist in dieser Situation zu tun, meine verehrten Leser? Den Erwerb von Anteilen solcher Investment-Fonds, deren Anlageschwergewicht in inländischen festverzinslichen Papieren liegt, ist nur eine Scheinlösung, auch wenn sich auf Grund der vorangegangenen Ausschüttung bei ihnen eine über der derzeitigen Marktrendite liegende Verzinsung ausrechnen läßt. Wer die Wertentwicklung dieser Fonds im ersten Halbjahr 1985 verfolgt hat, wird sich erinnern, daß bei ihnen die Wertsteigerungen zwischen 3,3 und 6,1 Prozent betrugen. Je stärker die Rentenfonds gezwungen sind, auf Basis der gesunkenen Zinsen zu investieren, um so nachteiliger wirkt sich dies auf spätere Wertsteigerungen aus.

Wer mehr als den marktüblichen Zins kassieren will, ist besser in solchen Fonds aufgehoben, die international anlegen. In einigen Ländern betragen die Anleiherenditen noch mehr als zehn Prozent. Mit ihnen sollte das Währungsrisiko zu verschmerzen sein, zumal die Fonds-Manager bemüht sind, es durch Kurssicherungsgeschäfte einzudämmen.