Die in der Tabelle ablesbare deutliche Kurserholung darf nicht zu dem Schluß verleiten, daß die schweren Kurseinbrüche in der zweiten Juliwoche von den Börsianern bereits vergessen sind. Vielmehr ist die frühere Unbekümmertheit verschwunden, die Kurssprünge von oftmals zehn bis zwanzig Mark innerhalb weniger Stunden selbst bei marktbreiten Aktien zuließ. Der Rückschlag ist als Warnsignal verstanden worden, die Zweifel am Fortgang der nun schon dreijährigen Aktienhausse sind gewachsen.

Daran konnte bisher auch die wieder in Gang gekommene Zinssenkung nichts ändern, wenngleich die zinssensitiven Aktien der Banken, Versicherungen und bis zu einem gewissen Grade auch der Versorgungsunternehmen bei der Neuanlage eine, gewisse Präferenz genießen. Die Dresdner Bank konnte im Zuge dieser Tendenz sogar einen neuen Jahreshöchstkurs erreichen.

Aber es wird heute um jeden Kurs hart gerungen. Der Berufehandel gibt sich mit bescheidenen Margen zufrieden. Bei ihm lautet die Devise: Keine Bestände neu aufbauen. Das ist begreiflich, wenn man erfährt, daß ein Teil der Börsianer auf Posten hängen geblieben sind, die zu absoluten Höchstkursen eingekauft worden sind. Auch von der zeitweisen festen Aktientendenz an der New Yorker Börse gingen für den deutschen Markt bisher nur geringe Anregungen aus. Der sinkende Dollar blockt jeglichen Mitläufereffekt ab. Die Börsianer versichern sich zwar gegenseitig, daß die deutsche Industrie auch bei einem Dollarkurs von 2,80 Mark noch gut verdient und deshalb kein Grund für eine Neuorientierung der Kurse exportintensiver Unternehmen vorhanden ist, aber sie wissen natürlich auch, was es für die Exporterlöse bedeutet, wenn der Dollar von seinem Spitzenstand aus gesehen um knapp 18 Prozent nachgegeben hat.

Den Haussiers ist die Dollar-Phantasie genommen. Das ist deutlich an den wieder schwerfälliger gewordenen Kursbewegungen von BASF, Bayer und Hoechst ablesbar. Wenn diese Papiere dennoch auch von inländischen institutionellen Anlegern gekauft werden, geschieht dies wegen der bei innen erzielbaren beachtlichen Rendite, wobei allerdings vorausgesetzt wird, daß alle drei Unternehmen – wie der Gleichschritt in ihren Kursen anzudeuten scheint – ihre Dividenden von 1985 weiter von neun auf zehn Mark heraufsetzen werden. K. W.