kunst... ein auftanken an seelischer kraft mitten im alltag – das moechte ivan marko, der ungarische ballett-„guru“ (guru im positiven sinne), der mit dem gyoer-ballett etwas schafft, was weithin aus der mode gekommen ist: zum herzen des publikums vorzudringen. als Choreograph wurde der 37jaehrige dieses jähr zum erstenmal für die festspiele in bayreuth engagiert ... fuer die neuinszenierung des „tannhaeuser“ ... die Ungarn haben nur knapp fuenf minuten zeit, das auszudrucken, was ihr chef unter venusberg versteht ... „... die musik ist ein liebestaifun, ein opfer fuer venus, ein liebeswirbel, ein pulsierendes herz.“ ein „ur-ahnen“ zieht tannhaeuser hin zur venus: „die Wahrheit ruht im nabel und venus ist in dieser oper so etwas wie der nabel der welt.“

dpa-mitarbeiterin marie luise mueller am 19. 6., bundesweit, aus bayreuth

Sankt Bernhard, hilf!

Armes Österreich, kommst nicht zur Ruh’. Kaum ist das Räuscherl vom Frostschutz-Wein verflogen, da erschüttert ein Kulturbeben die Alpenrepublik. Waren das noch friedliche Zeiten, als 1972 nur die Feuerpolizei die Uraufführung eines neuen Stückes von Thomas Bernhard durch Claus Peymann bei den Salzburger Festspielen verbieten wollte. Die beiden Künstler bestanden damals darauf, für die „totale Finsternis“ in der Schlußminute der Sprech-Oper „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ ein paar Atemzüge lang auch die Notbeleuchtung auszuschalten. Jetzt steht nicht die Feuerwehr, sondern der Oberveterinärrat vor dem Bühnentürl im Salzkammergut. Da kann man gut lustig sein, wenn ein Amtsarzt aus der Provinz dem künftigen Direktor des Wiener Burgtheaters und Hofrat in spe, Peymann, die Uraufführung von Bernhards neuem Stück „Der Theatermacher“, untersagen will – nur weil der Theatermacher zur „naturechten“ Darststellung eines Misthaufens auf der Bühne auch 800 Schmeißfliegen engagieren will. Der kunstsinnige Viehdoktor hat nichts gegen die Mitwirkung der summenden Bazillenträger bei einem kulturellen Ereignis, besteht aber mit der lästigen Pedanterie des Naturwissenschaftlers darauf, daß die abgezählten 800 Flug-Statisten nach dem Applaus, vollzählig, wieder eingefangen werden. Ob da Peymanns Zusage konstruktiv ist, er werde persönlich dafür sorgen, daß die „800 immunisierten und dressierten Fliegen nach Schluß der Vorstellung vollzählig in die Festspieldirektion“ abschwirren? Bernhard (Thomas) könnte helfen. Er sollte sich daran erinnern, daß sein Namenspatron, der heilige Bernhard, als ihn einmal ein Fliegenschwarm bei der Predigt störte, einen Bannfluch von der Kanzel donnerte, der (wie das „Wörterbuch des deutschen Aberglaubens“ glaubhaft überliefert) den „sofortigen Tod“ der Brummis zur Folge hatte.

Jazz, verästelt und verzweigt

Fast einen Meter hoch, gut einen halben Meter breit und inzwischen an die hundertzwanzig Jahre alt: ein Prachtexemplar von einem Stammbaum also und, an der Zahl der Namen und am frischen Grün des Blattwerks gemessen, so saft- und kraftvoll wie je. Es ist der Stammbaum des Jazz’, den der kenntnisreiche Peter von Bartkowski, ein Graphiker, gezeichnet und als Plakat hat drucken lassen. Jazzfreunde, welche die weitverzweigte, verästelte Stilgeschichte ihrer. Musik nur bruchstückhaft im Gedächtnis, haben, können auf diesem Baum wie auf einer Landkarte herumfahren, allerdings weniger, um Ziele zu finden, als von Zielen (Stilen, Musikern, Bands der USA) wieder zurückzufinden zum Stamm und zur Wurzel: ein Spiel. Man bekommt es für 9,80 Mark in Heinrichshofen’s Verlag in Wilhelmshaven, Postfach 620.

Kontaktsperre