Gefährliches Material

Die Sowjetunion läßt Andrej. Sacharow nicht ausreisen, weil sie sonst einen Vertrag mit Amerika brechen würde. Der demokratische Senator Paul Simon aus Washington, zu Besuch in Moskau, glaubte falsch verstanden zu haben, doch sein Gesprächspartner erklärte die abenteuerliche Ausrede. Als führender Nuklearphysiker und prominentes Mitglied der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften habe der Exilant in Gorki immer noch Kenntnisse über die sowjetischen Atombomben, die er nach einer eventuellen Ausreise Staaten der Dritten Welt zugänglich machen könnte: Damit wäre die Ausreiseerlaubnis für Andrej Sacharow ein Bruch des Nichtverbreitungs-Vertrages – genau wie der Export von radioaktivem Material zum Bau der Bombe. Der das allen Ernstes sagte, Anatolij Alexandrow, ist Präsident der Akademie der Wissenschaften: ein Zyniker, der eine unverschämte Sprachregelung nachbetet. Oder auch ein Wissenschaftler, den es mit Stolz erfüllt, daß Menschen seinesgleichen kostbarer und gefährlicher sind als jede leblose Materie?

Watergate in Manila?

Zerrüttete Staatsfinanzen, ein Generalstabschef unter Mordanklage, Guerillakrieg in mehreren Provinzen – dem philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos steht das Wasser bis zum Hals. Jetzt kommen auch noch Berichte aus Amerika, der Marcos-Clan und seine Klientel hätten Hunderte Millionen Dollar illegal ins Ausland verschoben und vorzugsweise in amerikanischen Immobilien angelegt. In einer dreiteiligen Serie veröffentlichte die kalifornische Zeitung San Jose Mercury News nach fünf Monate langen Recherchen Einzelheiten über die angeblichen Millionen-Transfers, an denen neben einem halben Dutzend Kabinettsmitgliedern auch Präsidentengattin Imelda Marcos beteiligt gewesen sein soll. Die Opposition in Manila wittert bereits ein philippinisches Watergate. 35 Abgeordnete brachten in der Nationalversammlung eine Resolution ein, in der sie die Amtsenthebung des Präsidenten fordern. Dieser spricht von „Unterstellungen und Gerüchten“ – und schlug gleich zurück: Er ließ seinen ehemaligen Informationsminister Francisco Tatad, jetzt Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei und einer der schärfsten Marcos-Kritiker, festnehmen – wegen Bestechung und Korruption.

Potente Wilderer

Afrikanische Wildhüter und Naturschützer machen sich Sorgen um die letzten großen Nashorn-Herden. Die steigende Nachfrage nach Rhinozeros-Hörnern auf dem illegalen Markt hat in diesem Jahr schon 28 Dickhäutern am Sambesi-Fluß im nördlichen Zimbabwe das Leben gekostet. Statt den restlichen Vertretern der vom Aussterben bedrohten Spezies ging es jetzt erst einmal zwei Wilddieben aus Sambia ans Leder: Sie wurden von zimbabwischen Wildschützern erschossen. Die zuständigen Behörden vermuten, daß ein Mitglied der Regierung von Sambia an dem schlimmen Geschäft beteiligt ist. Aber damit noch nicht genug: Hinter den afrikanischen Wilderern und Händlern stünden als Käufer nordkoreanische Diplomaten, die mit den Nashörnern einen lukrativen internationalen Handel betrieben. Einer der potentiellen Abnehmer ist angeblich ihr Chef: Nordkoreas alternder Diktator Kim Il Sung. Im Fernen Osten wird pulverisiertes Rhinozeros-Horn als Medizin und Potenzmittel geschätzt.

Teflon-Präsident

Im Kommentar „Sorge um Reagan“ (DIE ZEIT Nr. 30, Seite 1) war versehentlich von einem Telephon-Präsidenten die Rede. Richtig mußte es zum Schluß des Artikels heißen: „Der Krebs relativiert das Wort vom Teflon-Präsidenten.“