Altersgeschwächt

„Im Angesicht des Todes“ von John Glen. Heftig tobten die Debatten im vergangenen Jahr, die weltweite Gemeinde der James-Bond-Fans drohte auseinanderzubrechen. Die Gemüter erhitzten sich an der Frage, wer denn der bessere Mann für den harten Job im Geheimdienst ihrer Majestät sei, der smarte Roger Moore oder der kantige Sean Connery. Wer „Im Angesicht des Todes“ gesehen hat, weiß: Bester Mann in der ganzen Bond-Crew ist der Trickskifahrer und Kameramann Willy Bogner, der nun schon zum vierten Mal dem Secret Service wertvolle Dienste leistet. Einziger verfrühter Höhepunkt des neuen Bond-Films ist die von Bogner gefilmte Pre-Title-Sequenz: eine wahnwitzige Verfolgungsjagd durch Gletscherspalten, über Steilhänge und Eisplatten, auf Skiern, Schneemobilen, Surfbrettern. Wenn dann aber der erfolgreiche Ausreißer den Reißverschluß aufzieht, die Kapuze lüpft und die Skibrille abnimmt und wir Roger Moore ins faltige Gesicht schauen, dann mögen wir kaum glauben, daß der alternde Agent noch solcher akrobatischen Glanzleistungen fähig ist; Der Mann muß sich jedenfalls, nach dem strapaziösen Beginn, für den Rest des Films schonen, auf seine Nerven achten und körperlichen Anstrengungen aus dem Weg gehen. Wenn aber der Spion sich entspannt, langweilt sich das Publikum. Aufregend wird’s nur noch einmal: wenn die muskulöse Grace Jones in Bonds Bett steigt und wir Zuschauer vor der verschlossenen Schlafzimmertür bangen, ob der Held diese Nacht unbeschädigt übersteht. „Im Angesicht des Alters“ wäre wohl der passendere Titel für diesen Film. Denn der einst so witzige James Bond verkommt zusehends zur tragikomischen Figur: Das Publikum wird immer jünger (und der Regisseur John Glen kupfert kräftig ab beim Kinderkino Hollywoods, von „Indiana Jones“ bis zu „Superman“), der Held aber nähert sich dem Rentenalter. Vier Storys von Ian Fleming, so droht der Produzent Albert Broccoli, sind noch nicht verfilmt worden. Die muß James Bond wohl noch durchstehen. Dann aber,.so hoffen wir, darf er endlich die treue Miß Moneypenny, die mit ihm zusammen gealtert ist, heiraten und sich zurückziehen in den wohlverdienten Ruhestand. Claudius Seidl

Belehrend

„Breakfast Club“ von John Hughes. Ein Streber und ein Sportler, eine Schicke, eine Sonderbare und ein notorischer Störenfried: Fünf Schüler sind einen ganzen Tag lang in einem Raum zusammengesperrt. Sie alle haben gegen die Schulordnung verstoßen und müssen an einem Samstag – nicht zur Strafe, wie ein Lehrer betont; es sei eine erzieherische Maßnahme – in der College-Bibliothek nachsitzen. Fünf Personen, die bei geschlossenen Türen aufeinanderhocken – eine solche Konstellation taugt nicht zur Metapher im amerikanischen Genre-Kino, sie wird gebraucht, um die Emotionen aufzuputschen, die Action anzuheizen: Die Kids schimpfen, toben, randalieren, sie küssen und sie schlagen sich. Wenn sie sich endlich erschöpft in ihre Stühle fallen lassen, wird es doch noch lehrreich: Einer rollt einen Joint; durch die Droge stimuliert, beginnen die Schüler, von ihren verständnislosen Eltern zu erzählen, von geheimen Gedanken, unterdrückten Gefühlen, woraufhin die Sportskanone sich mit dem Musterschüler verbrüdert und die schnieke reiche Göre sich in den Punk aus der Unterschicht verliebt. Wenn am Abend die Türen sich wieder öffnen, haben alle dazugelernt und verlassen die Schule als bessere Menschen. Der Zuschauer aber spürt, wenn im Kino das Licht angeht, Unbehagen darüber, daß Hugh Wilson, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, auch Ambitionen als Oberlehrer hat. C. S.

Hervorragend

„Reise nach Indien“ von David Lean. „Vollmondnächte“ von Eric Rohmer. „Der einzige Zeuge“ von Peter Weir.

Sehenswert