DIE ZEIT

Reiner Wein

Wir haben den Anfang des größten Wein-Skandals aller Zeiten hinter uns. Nun schreien sie wieder nach dem Gesetzgeber und blicken voller Argwohn auf die Winzer.

Ausgeglitten

Nun, Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling ist sich wieder einmal selber in die Quere gekommen. Diesmal hat er seine Beamten aufgefordert zu untersuchen, ob lokales Fernsehen nicht auch über Funk zu verbreiten sei, also ohne Kabel.

Ausgestiegen

François Mitterrands hoffnungsträchtiges Schlagwort vom "Europa der Technologie" hat seine erste Probe aufs Exempel nicht bestanden.

Zum Gipfel recht gerüstet?

Die Außenminister der beiden Weltmächte schienen bester Laune, als sie zusammen in den Pavillon am Ostseeufer Helsinkis tragen, in dem in der vergangenen Woche der finnische Ministerpräsident einen Empfang für die Teilnehmer der KSZE-Tagung gab.

Solidarisch

Das Bild ist inzwischen aus unzähligen Zeitungen bekannt. Rock Hudson, der einst vor Gesundheit, Charme und Lebensmut strotzende Filmheld, blickt nun ausgemergelt aus traurigen Augen, gezeichnet von einer unheimlichen, unheilbaren Krankheit, die nur in verschämter Abkürzung genannt wird: AIDS.

Zeitspiegel

Der Zahn der Zeit nagt am Sozialismus und legt die k.u.k.-Vergangenheit frei: Immer mehr österreichische Bürger entdecken in der ungarischen Volksrepublik nicht das Paradies der Werktätigen, sondern der Dienstleistungen.

Worte der Woche

"Ich habe beim letzten Gespräch den Bundeskanzler gefragt, ob er weiß, was eine neue Phase konstruktiver Entspannungspolitik wäre.

Notstand in Südafrika: "Wir sagen: Genug ist genug!"

Denkt nicht, daß es keinen Gott gibt. Es gibt ihn, und er steht auf unserer Seite." Der Pfarrer hält die Bibel in der einen Hand und schlägt mit der geballten Faust der anderen auf den Sarg.

Bonns tragende Säule

Gerhard Stoltenberg steuert unbeirrt seinen Sparkurs und verschmäht den Kampf um das höchste Amt

Wolfgang Ebert: Peinlich, peinlich

Als ich Herbert am hellichten Tage auf der Terrasse vom Café "Krüngel" sitzen sah, schwante mir nichts Gutes, und ich mußte an die bösen Juli-Arbeitslosenzahlen aus Nürnberg denken.

"Bonn zehrt nur von der Substanz"

Der Abschluß des Moskauer Vertrages stellte eine historische Tat dar, ohne die alle folgenden bedeutsamen Schritte auf dem Wege der Entspannung undenkbar gewesen wären: vom vierseitigen Abkommen über Westberlin und den sogenannten Ostverträgen der Bundesrepublik über die Normalisierung der Beziehungen mit Polen, der DDR und anderen sozialistischen Ländern bis zur Helsinki-Konferenz, diesem Höhepunkt der Entspannung der siebziger Jahre, dessen zehnter Jahrestag gerade begangen worden ist.

Keine Dauerlösung

In diesen Tagen jähren sich zwei für das deutsch-sowjetische Verhältnis bedeutsame Ereignisse: der 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Moskauer Vertrages und der 30.

Ben Witter: Angetippt

Der Landtagsabgeordnete sagte, daß er ein Durchschnittsbürger sei. Zwölf Jahre Verantwortung hatte er aber schon hinter sich, und ich fragte ihn, ob er sich inzwischen nicht zum guten Durchschnitt zähle, denn die Pflichten und Zumutungen, denen er sich als Mandatsträger stellen müsse, schlössen Lücken und formten doch das Ganze.

Pfade durch das Niemandsland

Der nordkoreanische Vize-Premierminister Chong Jun-gi sorgte sich um die Zukunft Olympias. Was sei zu tun, überlegte er in einer Radioansprache, um "einen neuerlichen Boykott der sozialistischen Länder und damit eine weitere Gefahr für die olympische Bewegung zu verhindern"? Chongs verblüffende Lösung: Nord- und Südkorea sollten die Olympischen Spiele 1988, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an Seoul vergeben, gemeinsam ausrichten.

BBC-Bericht über Nordirland: Aufruhr bei der alten Tante

Es begann in Übersee, weit vom Schauplatz der späteren Erregung entfernt. In Washington fragte ein Journalist die dort zu Besuch weilende Premierministerin Margaret Thatcher, was sie vom Auftreten prominenter IRA-Leute im Fernsehen halte.

Amerika: Der erste Walker-Bruder vor Gericht

Der von dem ehemaligen Marineoffizier John Walker geführte Ring, zu dem Walkers älterer Bruder Arthur, sein Sohn Michael sowie sein Freund Jerry Whitworth gehörten, soll den seit 30 Jahren schwersten militärischen Geheimnisverrat an die Sowjetunion begangen haben.

"Verhetzung der Menschen"

Ein Minister wurde von Vertriebenen niedergebrüllt – weil er aus der Rede Richard von Weizsäckers zum 40. Jahrestag des Kriegsendes zitiert hatte.

Rauchschwaden

Laut Anklage soll die Firma in den Jahren 1965 und 1980 rund sechs Millionen Mark an die CDU, die FDP und SPD gespendet, das Spendengeld aber entgegen gesetzlicher Vorschrift nicht versteuert haben.

Israel: Gesetz gegen Kahane

Das israelische Parlament hat das Wahlgesetz des Landes geändert – mit dem Ziel, die Bewegung des rassistischen Rabbiners Meir Kahane ans dem politischen Le-

Der Papst in Afrika

Um jährlich zwei Millionen Gläubige wächst die katholische Kirche auf dem schwarzen Kontinent, die um 1900 nur eine Million Afrikaner (ein Prozent der Bevölkerung) für sich gewonnen hatte, zu der sich jedoch heute 66 Millionen (16 Prozent) bekennen.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Cesar Mendoza, Chiles Polizeichef und Juntamitglied, erklärte seinen Rücktritt – angeblich wegen Beschuldigungen gegen Polizeibeamte, die drei kommunistische Politiker entführt und ermordet haben sollen.

Der Mord in den Vogesen

Diese Geschichte hat nicht das Leben, sondern der Tod geschrieben. Bevor ich sie nacherzähle, ergeht eine Warnung an den Leser: Das Geheimnis wird er nicht ergründen.

Schutzbedürftig: Frauentaxi für Männer?

In London können Frauen seit einem Jahr nachts Taxen zum Billigtarif benutzen, ein in Europa einmaliger Versuch, sie vor Belästigungen und Vergewaltigung zu schützen.

Das muß ja Ärger geben

Die Hand reckt sich keck aus dem Hintergrund hervor, das Auge blitzt tückisch. Ja, ist er das nicht? Der Gefreite aus Österreich? Und links vorn der mit Glatze und Bart? Blickt grimmig, den Hut zieht er, nichts als Tarnung, der Revoluzzer.

Post vom Finanzamt

Im Jahre 1970 verschlug der Hamburger Immobilienmarkt den Schreiber in den Zuständigkeitsbereich des Finanzamtes Wandsbek. Ein nettes Gebäude, freundliche Beamtinnen und Beamte – kurz, ein angenehmes Finanzamt, das man (bis auf die unvermeidlichen Zahlungen) in guter Erinnerung behalten kann.

Zwei Geistliche über Südafrika: Für Versöhnung

Als Bischof Tutu nach der Verleihung des Friedensnobelpreises von Ronald Reagan empfangen wurde, hatten der amerikanische Präsident und der schwarze Bischof einander, wie man inzwischen weiß, nicht viel zu sagen.

Der Schah und heute Chomeini: Irrwege

Eine Bilanz zahlreicher Reportagereisen durch den Iran der Ayatollahs (zwischen 1979 und 1984) nennt der ZDF-Korrespondent Bruno Funk sein Buch, auch einen Erlebnisbericht.

Betriebsräte geben zu Protokoll: NS-Erfahrungen

Deutsches Geschichtsbewußtsein ist wichtig, um unsere nationale Identität wenigstens historisch zu begreifen; das hören wir nach langen geschichtsflüchtigen Jahren wieder in den Sonntagsreden von Politikern.

Kisch in Beispielen

Als Zwanziger "enthüllte" er die Spionageaffäre des k. k.-Obersten Redl. Als Vierziger gab er sich selber den Spitz- und Kosenamen "Der Rasende Reporter".

Arbeitslose: Wochenende in der Fabrik

Bei Axel Meyenburg, Personalchef der Polygram Record Service GmbH in Hannover, steht seit Wochen das Telephon nicht still. Personalleiter, Arbeitsdirektoren und Firmenchefs bitten um Auskunft über ein Modell, mit dem das Tochterunternehmen der Hamburger Polygram GmbH auf einen Schlag 330 Arbeitslose von der Straße holte.

Der eigenen Wirtschaft geholfen

Mit kaum zu überbietender Offenheit hat Entwicklungsminister Jürgen Warnke das Positive der Bilanz seines entwicklungspolitischen Berichts 1984 herausgestellt – die "von der Regierung Kohl eingeführte Beschäftigungswirksamkeit" deutscher Entwicklungshilfe.

Bonner Kulisse

Je mehr Nachfolgerinnen für Gesundheitsminister Heiner Geißler ins Gespräch gebracht werden, desto größer scheint deren Chance, es nicht zu werden.

Steuerpolitik: Mogelpackung

Aus den eigenen Reihen wird der Bundesregierung oft vorgehalten, ihre eigentlich gute Politik schlecht zu "verkaufen". Nicht der Inhalt der Politik gilt als Ursache für das mäßige Ansehen der Koalition, sondern die Verpackung.

EG-Politik: Sauer

Genau 2004 Kilogramm Sauerkirschen kippten pfälzische Obstbauern vergangene Woche vor Bundeskanzler Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim.

Gewinn für die Wirtschaft

Nur ein Beispiel: Im vergangenen Jahr war das Maschinenbau-Unternehmen Gutehoffnungshütte (GHH) der größte deutsche Konzern, der mit roten Zahlen arbeitete.

Italien: Kunst und Kommerz

Aus der ersten Seite des Katalogs blickt der etruskische Apollo von Veji den Leser an. "Fiat plant die Zukunft – und wollte deshalb bei diesem großen Stelldichein mit der Vergangenheit dabeisein", steht darunter.

Börsen-Report: Nicht ohne Hoffnung

Die Stimmung in den deutschen Börsensälen ist keineswegs so gut, wie es der Wiederanstieg der Aktienkurse (siehe Tabelle) anzuzeigen scheint.

Schäden in Millionenhöhe

Pieroth: Ja, und ich will das auch gar nicht beschönigen. Aber bei den Gutsweinen handelt es sich um ganz kleine Partien, die nicht für den Verkauf bestimmt waren.

AKTIENSELLER

Der Juli 1985 war für die deutschen Aktienmärkte wieder ein Umsatzstarker Monat, auch wenn es in seiner zweiten Hälfte an manchen Tagen in den Börsensälen ungewohnt ruhig zuging.

ZEITRAFFER

Vom Preisanstieg im Juli waren die Bundesbürger um so stärker betroffen, je mehr sie verdienten: Für einen Vier-Personen-Haushalt mit höherem Einkommen stiegen die Preise gegenüber Juli 1984 um 2,4 Prozent, für den durchschnittlichen Rentner- und Sozialhilfe-Empfänger-Haushalt um 1,9 Prozent.

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