Eine Bilanz zahlreicher Reportagereisen durch den Iran der Ayatollahs (zwischen 1979 und 1984) nennt der ZDF-Korrespondent Bruno Funk sein Buch, auch einen Erlebnisbericht. Und zugleich ist es ihm „Ausdruck persönlicher Enttäuschung“; denn: „In der Euphorie der ersten Revolutionsmonate hatten zahlreiche Beobachter im Westen geglaubt, daß der Machtwechsel in Teheran Diktatur und Folter beseitigen werde. Die Revolution war mehr als ein Werk politischer Parteien, sie wurde von innen geboren, ein ganzes Volk hatte sich erhoben ... Die Freiheitsbewegungen atmeten, so sah es aus, Morgenluft...“

Bruno Funk: Der geschundene Pfau. Der Iran unter den Ayatollahs; Rasch und Röhling Verlag, Hamburg 1985; 352 S., 36 – DM

Was Bruno Funk über den allgemeinen politischen Stand im Jahre 6 der Revolution berichtet, läßt sich folgendermaßen zusammenfassen: Ayatollah Chomeini ist weiterhin die zentrale Autorität des Landes. Dem Willen des greisen Imam beugen sich auch jene Politiker, die nicht all seine Vorstellungen (zum Beispiel in der Frage des Krieges) teilen. Neben Chomeini ist der 52jährige Parlamentspräsident Rafsandjani der stärkste Mann der Islamischen Republik. Dem „Sohn einfacher Bauern“ mit „offenem Lächeln“ und „Ausstrahlung“ ist es gelungen, sich durch politisches Geschick zum heimlichen Regierungschef hochzulavieren, so daß „kein Staatsgast ohne eine Unterredung mit Rafsandjani den Besuch im Iran beenden möchte“.

Die klerikale Herrschaft stützt sich vor allem auf das Sepah-e Pasdaran, das Korps der Revolutionswächter. Die Loyalität dieser politisch und ideologisch keineswegs homogenen, 150 000 Mann starken Ordnungsmacht, sichert sich das Regime durch materielle Privilegien. Diese sorgt ihrerseits dafür, daß die Unzufriedenheit jener „70 bis 80 Prozent der 41 Millionen Iraner“ nicht in offene Auflehnung umschlägt. Im Iran herrscht eine „perfekte Friedhofsstille“.

Der Autor berichtet eingehend von politischer Repression, religiöser Unduldsamkeit und anderen (den am Iran interessierten Zeitungslesern wohlbekannten) Scheußlichkeiten der Mullah-Herrschaft. Vom Alltagsleben der Islamischen Republik erfährt man jedoch wenig. Und so bleiben viele Fragen offen oder werden gar nicht erst gestellt. Wie steht es eigentlich um die Versorgung der Bevölkerung in einem von Krieg und Chaos heimge-

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suchten Land? Wie funktioniert das Rationierungssystem, der freie Handel oder der Schwarzmarkt? Wie leben zum Beispiel Millionen von Beamten und Angestellten, deren Gehälter niedriger sind als zur Zeit des Schah-Regimes, während die Lebensmittel- und Mietpreise um ein Vielfaches gestiegen sind?