Wie der erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz am 20. Juli 1954 in die Hände der Russen fiel

Von Karl-Heinz Janßen

Der Fall John ist ein nationales Unglück und wird es für eine kommende Geschichtsschreibung der Bundesrepublik bleiben." So schrieb der Publizist Paul Sethe im Sommer 1954 mit vermeintlichem Seherblick. Aber gut dreißig Jahre später kennen die meisten jungen Deutschen diese Spionageaffäre mitnichten aus den Geschichtsbüchern, sondern lesen den Namen Otto John überhaupt zum erstenmal in Artikeln über dieFlucht des Spionageabwehr-Experten Tiedge in die DDR. Damals war die ganze Nation – man darf getrost Millionen Deutsche in der DDR dazuzählen – in der Tat geschockt, als ausgerechnet am Abend des 20. Juli 1954, zehn Jahre nach dem mißglückten Putsch gegen Hitler, der erste Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Berlin verschwand und sich drei Tage später über den Ost-Berliner Rundfunk mit einer Erklärung "an meine deutschen Mitbürger" zu Wort meldete.

Der Chef des Nachrichtendienstes "zu den Bolschewiken übergelaufen" – das war in jenen stürmischen Jahren des Ost-West-Konflikts eine ungeheuerliche Nachricht. Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) übertrieb nicht, als er vor dem Bundestag eingestand: "Es ist eine Schlappe im Kalten Krieg ... Es ist der bisher größte politische Skandal in der Bundesrepublik und zugleich ein Erfolg der Sowjets." Anfang dieses Jahres hat der Oxforder Zeithistoriker Anthony Glees noch eins drauf gesetzt: "John wird in die Geschichte eingehen als einer der raffiniertesten Agenten, die je gelebt haben." Was erst noch zu beweisen wäre. Denn es war alles viel verwickelter, verworrener, als die jüngst veröffentlichten Dokumente aus dem Foreign Office vermuten lassen. Diese Geschichte ist mehr als nur eine Spionage- und Agentenklamotte, sie ist auch ein Teil des deutschen Elends von 1933 bis 1955, ein Stück unbewältigter Vergangenheit, ein spannendes Kapitel des Kalten Krieges und – eine menschliche Tragödie.

Wer ist dieser Doktor Otto John, der heute – 76 Jahre alt – zurückgezogen in Österreich lebt und sich – bei aller Resignation über seinen aussichtslosen Kampf um Rehabilitierung und Rente – doch gefreut hat, daß sich gerade in den letzten Wochen so viele Journalisten aus Europa und Amerika an ihn gewandt haben. Er stammt aus einer hessischen Beamtenfamilie, studierte Jura, wurde Syndikus bei der Deutschen Lufthansa. In deren Hauptverwaltung lernte er Klaus Bonhoeffer kennen. Der unpolitische junge Rechtsanwalt ohn, der sich auch von den Nazis ferngehalten hatte, geriet fast zufällig in die Kreise der Widerstandsbewegung. Da er im Krieg öfters für die Lufthansa in Madrid zu tun hatte, wurde er von den Verschwörern als Kundschafter und Kurier benutzt; er knüpfte in Lissabon heimlich Verbindungen zu den westlichen Alliierten. Am 20. Juli ist John beim Putschversuch der Offiziere im Bendlerblock dabei. Auf Anraten Bonhoeffers und seines mitverschworenen Bruders Hans – er wurde im April 1945 von Himmlers Schergen ermordet – flieht Otto John mit der Lufthansa nach Madrid.

Da die Gestapo ihm auf den Spuren war, brachten ihn Freunde nach England in Sicherheit. Dort wurde er, wie viele deutsche Hitler-Gegner, unter der Leitung von Sefton Delmer am Propaganda-"Soldatensender Calais" angestellt. Nach dem Krieg betreute und "durchleuchtete" er im Lager Nr. 11 bei Bridgend gefangene deutsche Feldmarschälle, Generäle, Admiräle und hohe SS-Führer. Manche erwiesen sich ihm später dafür dankbar, andere ließen ihn ihre Verachtung spüren, weil er mit dem Feind zusammenarbeitete und die Guten von den Bösen schied. Gelegentlich tauchte John auch als Beobachter bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen auf. Was ihm die alten Militärs nie verzeihen sollten, war sein Auftritt als Rechtsberater und Dolmetscher beim Prozeß gegen den ehemaligen Generalfeldmarschall Erich von Manstein vor einem britischen Militärgericht im Hamburger Curio-Haus. Wie so mancher seiner Kameraden behauptete auch Manstein, nichts von den Judenmorden in Rußland gewußt zu haben. Da forderte der Ankläger John auf, eine bestimmte Stelle im Kriegstagebuch der 11. Armee vorzulesen. Die dann folgenden Sätze waren überklebt und lauteten (so berichtete John): "Der neue Oberbefehlshaber (Manstein – D. Z.) wünscht nicht, daß Offiziere bei der Erschießung von Juden zusehen. Das ist eines deutschen Offiziers nicht würdig." Dies gab den Ausschlag, daß die Sympathien der Militärrichter für den großen Strategen schwanden. Ihr Urteil: 18 Jahre Haft.

John hatte inzwischen in London die aus Berlin stammende Sängerin Lucie Manen kennengelernt, eine rassisch Verfolgte, die sich im Exil eine neue Existenz als Stimmforscherin und Gesangspädagogin aufgebaut hatte. 1949 heiratete er die wesentlich ältere Frau. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihr nicht leichtgefallen; Bekannte, die ihr in den fünfziger Jahren begegneten, hatten das Gefühl, sie sei eigentlich nie heimgekehrt.

Nicht weniger schwer hatte es Otto John, in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Eine Bewerbung beim Auswärtigen Amt blieb erfolglos; John vermutete nicht zu Unrecht, daß sich ehemalige Nazi-Beamte quergelegt hatten. Ein Bundestagsausschuß bescheinigte später dem Personalreferenten des Auswärtigen Amts, er habe in dieser Sache "einen außerordentlich eingeengten Horizont" und "eine bestimmte Beschränktheit der Aspekte" an den Tag gelegt. Dabei hatte John eine sehr gute Referenz: Bundespräsident Theodor Heuss, der seit seiner Jugendzeit den Vater von Frau John kannte. Ein ehemaliger Widerstandskämpfer, der Bundesminister Jakob Kaiser, riet John schließlich, sich doch um die Leitung des neugeschaffenen Bundesamtes für Verfassungsschutz zu bewerben. Zwölf Kandidaten hatten sich schon um den Posten bemüht. Die Vorschlagslisten mußten zuvor, unter dem Besatzungsstatut, den drei alliierten Sicherheitsdirektoren vorgelegt werden, und immer fand der Amerikaner oder der Brite oder der Franzose etwas zu beanstanden. Erst beim 13. – Otto John – stimmten alle zu. "Wir hatten einfach keinen anderen Kandidaten", entschuldigen sich hernach die Bonner Ministerialbeamten. "Wir waren ausverkauft." John war keineswegs eine ideale Besetzung, denn er hatte keinerlei Verwaltungserfahrung. Doch sein Fragebogen war blütenweiß; er hatte gegen Hitler sein Leben eingesetzt; er war Volljunst und sprach fließend Englisch, Französisch und Spanisch.

Dennoch wurde John für ein Jahr lediglich auf Probe eingestellt. Inzwischen hatte eine Generalsfronde beim Kanzleramt gegen ihn Sturm gelaufen. Zu Johns Gegenspieler zählte von Anfang an der ehemalige General Reinhard Gehlen, der sich 1945 den Amerikanern angedient und für sie eine neue Spionageorganisation aufgebaut hatte: die "Organisation Gehlen", den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes. Bundeskanzler Konrad Adenauer hörte sehr auf den Spionagechef, während ihm John als Mann der Briten suspekt schien. Nach seiner ersten Begegnung mit dem neuen Amtspräsidenten sagte Adenauer nur: "Er jefällt mir nicht." Auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heinrich von Brentano, erhob Einspruch – wegen Johns Tätigkeit für die Engländer. Der Historiker Glees vermutet, es sei der britische Abwehrdienst M I 5 gewesen, der den – wie er meinte, kommunistischen – Agenten John in das Kölner Bundesamt plaziert habe. Der britische Geheimdienst war, wie man weiß, mit sowjetischen Agenten durchsetzt.

Ende Oktober 1951 schließlich hat das Bundeskabinett die Ernennung Johns zum Verfassungsschutz-Präsidenten beschlossen – bei einer Stimmenthaltung. John war mit seinen 42 Jahren der jüngste Chef einer großen Bundesbehörde. Da es sich noch um ein junges Amt handelte, wurde er einer sehr straffen Dienstaufsicht des Innenministeriums unterstellt, die bisweilen ins Kleinliche und Reglementierende umschlug. Jeder Präsident hätte es schwer gehabt, da er sich auf Neuland bewegte. Er sollte – zum Teil mit einstigen Offizieren der zur Wehrmacht gehörenden Abwehr des Admirals Canaris – einen Nachrichtendienst aufbauen, der die zweite Republik vor Links- und Rechtsradikalen und vor östlichen Agenten schützen sollte, jedoch ohne polizeiliche Befugnisse, da man weder eine neue Gestapo noch eine neue preußische politische Polizei haben wollte. In einigen Bundesländern gab es bereits Verfassungsschutzämter – da konnten Spannungen nicht ausbleiben. Hinzu kam die dauernde Rivalität mit der Organisation Gehlen und jenen Offizieren, die im Amt Blank heimlich einen militärischen Abschirmdienst vorbereiteten.

Erst mit der Zeit fand man in Bonn, daß John nicht der richtige Mann an der Spitze sei. Zwar galt er – so sein Mitarbeiter Günther Nollau – als "Demokrat vom Scheitel bis zur Sohle". Er war charmant, liebenswürdig, weltgewandt. Aber Johns Dienstvorgesetzter, Ministerialdirektor Egidi, bemängelte, der Präsident sei kein scharfdenkender Jurist, habe einen Hang zur Romantik, auch fehle ihm die nötige Härte für sein Amt. Ein Untersuchungsausschuß des Bundestages kritisierte, daß John zu sehr die Öffentlichkeit gesucht, nicht das Amt vor die Person gestellt habe.

Johns einstiger Chef in England, Sefton Delmer, hielt es aus anderen Gründen für einen verheerenden Fehler, daß die britische Hohe Kommission die Ernennung Johns durchgelassen habe: Um in diesem Amt zu überleben, hätte er "entweder ein Mann von rücksichtsloser Entschlossenheit sein müssen, mit der Haut eines Elefanten und einer aalglatten diplomatischen Geschmeidigkeit – der er nicht war – oder aber ein unterwürfiger Opportunist – der er ebensowenig war". Nach den ersten Pannen geriet das Amt unter Beschuß, besonders nach der "Vulkan"-Affäre, als infolge falsch ausgewerteter Angaben eines DDR-Flüchtlings eine Reihe von Bundesbürgern unschuldig verhaftet wurde. John konnte zwar nichts dafür, aber er und sein Minister Schröder wurden von der Opposition und der Presse hart angenommen. Was Wunder, daß sich der Innenminister vornahm, John spätestens von seinem Amte abzulösen, wenn das Besatzungsstatut abgeschafft, die Bundesrepublik also souverän wurde. In einem vertraulichen Pressegespräch deutete Schröder dies bereits im Juni 1954 an – John erfuhr davon wenige Tage vor seinem Übertritt nach Ost-Berlin.

Auch die britische Hohe Kommission hielt John mittlerweile für ungeeignet, wie aus einem Bericht hervorgeht, den der Hohe Kommissar Sir F. Hoyer Millar am 23. Juli 1954 dem Foreign Office zustellte: "Seit einiger Zeit haben wir Bedenken, weil John trinkt und weil er trotz Warnungen einige für einen Mann seiner Position zweifelhafte Kontakte unterhält. Er neigt auch zu Indiskretionen und redet zuviel, egal ob er betrunken oder nüchtern ist." John vermag sich diese Passage heute nur so zu erklären, daß ein allzu empfindlicher Beamter der Hohen Kommission über ihn verärgert gewesen sei. Er ignoriert, daß der Staatssekretär des Innenministeriums, Ritter von Lex, die Bedenken der Briten teilte, mit dem Zusatz, er selber habe John gewarnt, daß Trunkenheit oder Indiskretion fürderhin die Entlassung nach sich zögen.

Anderseits hat aber Minister Schröder vor dem Bundestag erklärt, es hätten sich während Johns Amtszeit Keine Tatbestände ergeben, die ein disziplinares Einschreiten erfordert hätten, öffentlich geredet wurde über Johns Privatleben ohnehin erst, nachdem er im Osten verschwunden war. Bis dahin hatte man ihm (wie anderen Politikern auch) eine gewisse Trinkfreudigkeit nachgesehen, denn der immer flott gekleidete, jugendlich wirkende Geheimdienstchef war wegen seines Frohsinns, seiner Geselligkeit und seines unprätentiösen Wesens überall gern gelitten.

Mit Drogen und Hypnose?

Am 15. Juli 1954 flog John in die alte Reichshauptstadt, wo am 17. Bundespräsident Heuss wiedergewählt und anschließend zum zehnten Male der Opfer des 20. Juli 1944 gedacht werden sollte. Wegen Forschungsarbeiten in der Firma Siemens war auch Frau John mitgekommen; sie sah ihre Heimatstadt zum erstenmal nach zwanzig Jahren wieder. Beim Senatsempfang am 19. Juli saßen die Johns mit alten, vertrauten Freunden zusammen, darunter auch Verwandte und Bekannte von Heuss. Zu vorgerückter Stunde hörte man John schimpfen, "daß auch hier lauter Nazis seien". Bei der Gedenkfeier am 20. Juli zeigt er sich sehr bewegt, so daß man, als er spurlos verschwunden war, zunächst annahm, er könne nach Ost-Berlin gefahren sein, um das Grab seines von den Nazis ermordeten Bruders aufzusuchen. "Ich gehe aber grundsätzlich nicht auf Friedhöfe", versicherte John später.

Während der mit Terminen vollgestopften Tage in Berlin traf er mehrmals mit einem Bekannten aus Widerstandstagen zusammen, dem Berliner Arzt Wolfgang Wohlgemuth. Im Kriege, als Assistent bei Professor Sauerbruch, hatte er Johns Bruder Hans nach dessen Verwundung geröntgt. Wohlgemuth unterhielt in den 50er Jahren eine große Praxis in West-Berlin; sein Traum aber war es, Chef an der berühmten Charité im Ostsektor zu werden. Im Berliner Nachtleben war "Wowo", wie ihn seine Freunde nannten, eine bekannte Erscheinung: dauernd umschwärmt von Frauen und ein vorzüglicher Trompetenbläser.

Jedermann wußte, daß Wohlgemuth ein "Salonbolschewist" war, ein Grenzgänger zwischen zwei Welten, auf den alsbald auch die Geheimdienste aufmerksam wurden. Noch eine Woche vor dem Berlinbesuch wurde John von den Engländern angeraten, er solle seine Verbindung zu Wohlgemuth abbrechen. Seine Antwort: Er wisse, was er zu tun habe, werde aber vorsichtig sein. Er sei, erzählt John, nie mit Wohlgemuth befreundet gewesen. Doch wollte er von ihm unbedingt ein Attest bekommen, das die Witwe eines alten Freundes für ihre Rentenansprüche brauchte. Der Bundesgerichtshof, vor dem sich John 1956 nach seiner Rückkehr aus der DDR verantworten mußte, hat ihm dies nicht abgenommen. Das Attest sei nur ein Vorwand gewesen; tatsächlich hätten die beiden einen Abstecher nach Ost-Berlin vereinbart, wo sich der Verfassungsschutzpräsident mit hohen sowjetischen Funktionären zu einem politischen Gespräch habe treffen wollen.

Nach Ost-Berlin zu kommen, war damals, sieben Jahre vor dem Bau der Mauer, noch einfach: Man brauchte den Vopos nur seinen Ausweis zu zeigen. Man weiß aber bis heute nicht, über welchen Übergang Wohlgemuth und John gefahren sind. Nachforschungen in der DDR ergaben, daß die Wachbücher für den 20. Juli nicht mehr aufzufinden sind. Und auf dieser Seite der Sektorengrenze hat kein Zöllner etwas bemerkt. So sind wir auf die Aussagen der beiden angewiesen. Wohlgemuth, der trotz angebotenen freien Geleits nicht als Zeuge im John-Prozeß erschien, gab allein sieben unterschiedliche Versionen. Gleich bleibt der Kern seiner Aussagen: John sei freiwillig mit ihm hinübergefahren.

John selber berichtet, er habe sich nachmittags erschöpft im Hotelzimmer aufs Bett gelegt – seine Frau hatte noch eine Besprechung mit einem Siemens-Ingenieur. "Ich erwachte mit dem Einfall, daß ich die Zeit nutzen und zu Wohlgemuth fahren könnte." Heute hält er es für möglich, daß der Arzt ihn am Vortage bei einem kurzen Gespräch bereits unter Hypnose gesetzt habe. Jedenfalls hinterließ er seiner Frau die Nachricht, er fahre noch mal in die Stadt und sei zum Abendessen zurück. Ein Taxi brachte ihn in die Nähe der Arztpraxis. Wohlgemuth servierte ihm eine Tasse Kaffee, dem, wie John annimmt, ein Betäubungsmittel beigemengt war. Dann habe es der Arzt auf einmal sehr eilig gehabt, angeblich um mit John in eine benachbarte Wohnung zu fahren. Er sei mit irrsinnigem Tempo losgebraust, dann verlor John das Bewußtsein und – wachte nach 24 Stunden im sowjetischen Hauptquartier Karlshorst wieder auf.

Einer, der diese Aussage für wahr hält, ist der Journalist Karl Wilhelm Fricke, dem im April 1955 Ähnliches widerfuhr. Er begab sich zu einem Gespräch in die West-Berliner Wohnung eines Ehepaars, das ihm einen Kognak kredenzte. Er verlor das Bewußtsein und wurde im Gewahrsam des Staatssicherheitsdienstes wieder wach. Man bot ihm sofort an, er solle doch erklären, freiwillig in die DDR übergetreten zu sein, weil er mit seiner bösen Vergangenheit gebrochen habe. Der Stasi, der irrtümlich in ihm einen gefährlichen Agenten vermutete, stellte eine Wohnung und Möbelkaufkredite in Aussicht. Fricke ließ sich darauf nicht ein und wanderte für vier Jahre uns Zuchthaus.

Nach einem medizinischen Gutachten der Universität Heidelberg ist es denkbar, daß die Entführer ihre Opfer mit einer dosierten Mischung aus Atropin und Scopolamin betäubt haben; dieses Mittel kann in Kaffee, Kognak und anderen Getränken verabreicht werden, ohne daß es einen Nachgeschmack hinterläßt; auch die Dauer der Bewußlosigkeit ließe sich damit regulieren.

Für das, was am Abend jenes 20. Juli geschah, gibt es fünf Möglichkeiten:

Entführt oder verführt?

Version 1: John wurde von Wohlgemuth im Auftrage des sowjetischen KGB entfuhrt – ein Menschenraub, wie er seinerzeit in Berlin des öfteren vorkam. Dann wäre John allenfalls sträflicher Leichtsinn vorzuwerfen, weil er sich ohne Begleitung in die Wohnung eines potentiellen Ostagenten begab.

Version 2: John wurde "teils entführt, teils verführt" (so der FDP-Politiker Reinhold Maier im Bundestag), was heißt: Wohlgemuth hat ihn überlistet, indem er ihm vorgaukelte, er könne von den Russen wichtige Unterlagen bekommen. John müsse sie aber selber in Empfang nehmen. Das Ganze lasse sich binnen zwei Stunden abwickeln, also erübrige es sich, Frau John vorher noch zu unterrichten. Drüben wurde John dann mit Alkohol oder Drogen außer Gefecht gesetzt, so daß er sich die heimliche Rückkehr binnen zwei Stunden selbst verbaut hatte. Variante: Der Arzt schlug John einen Zug durch die Kneipen vor.

Version 3: John hat ein Ost-West-Gespräch gesucht, so wie zwei Jahre später der Bundesjustizminister Fritz Schaeffer (CSU) heimlich, wenn auch mit Wissen Bundeskanzler Adenauers, zu einem Privatgespräch mit Sowjetbotschafter Puschkin nach Ost-Berlin gefahren ist. Dies ist die Lesart Wohlgemuths: "Wir haben uns aus Sorge um das deutsche Schicksal gemeinsam verabredet." Das KGB gab viele Jahre danach den Gesprächsinhalt anders wieder: John habe von den Sowjets belastende Dokumente gegen Adenauers Staatssekretär Globke, den Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, und gegen Bundesvertriebenenminister Oberländer, einen ehemaligen Nazi, erbeten. Zum Schluß jedoch – da gleichen sich die Angaben Wohlgemuths und des KGB – sei John stockbetrunken gewesen, so daß er sich – sehr zur Verlegenheit der Russen – in einer Kurzschlußreaktion entschlossen habe, im Osten zu bleiben.

Version 4: John flüchtete in den Osten, weil er – ähnlich wie jetzt der Spionage-Experte Tiedge – aus seinen Schwierigkeiten keinen anderen Ausweg mehr sah, also Kurzschlußreaktion in einer depressiven Phase. Vieles kam da zusammen: die unabänderliche Ablösung aus dem Amt; das Schattenboxen mit der Organisation Gehlen; die Abscheu vor den alten Nazis und Militärs; die wehmütige Erinnerung an die toten Freunde.

Version 5: John war ein Verräter, ein sowjetischer Agent. Am wenigsten hat diese Version für sich. Es steht fest, daß John das Hotel überstürzt verließ. Er hatte nicht einmal die Weste wieder angezogen, Bücher lagen auf dem Bett herum, auf dem Tisch seine Brieftasche, ein Notizbuch mit Adressen, Schlüssel. John hat nicht ein einziges Aktenstück mitgenommen, auch keine Agentenlisten – kein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes ist durch Johns Übertritt zu Schaden gekommen. Nicht einmal der Bundesgerichtshof hat ihn des Geheimnisverrats für schuldig befunden. Der oberste Verfassungsschützer hat lediglich über drei Mitarbeiter aus dem Amte, die den Sowjets ohnehin bekannt waren, Personenbeschreibungen geliefert, so auch über Günther Nollau, von dem er noch nicht einmal den Vornamen wußte.

Die Bundesregierung hielt in den ersten Wochen an der Entführungsthese fest, auch nachdem John bereits im ostdeutschen Rundfunk gesprochen hatte. Bis zum Beweis des Gegenteils wollte der Innenminister seine Fürsorgepflicht für seinen Beamten nicht verletzen. Historiker Glees findet es sensationell, daß sich Deutsche und Engländer auf ein Vertuschungsmanöver einigten. Aber beide Regierungen betrieben doch nur, was man heutzutage "Schadensbegrenzung" nennt. Hatte man schon im Kalten Krieg eine Niederlage einstecken müssen, so wollte man wenigstens die Bolschewiken und Stalinisten als Menschenräuber anprangern. In diesem Sinne wurden auch die Amerikaner aktiv. Die deutsche Öffentlichkeit nahm die amtlichen Verlautbarungen nicht ernst. Innenminister Schröder erntete Hohn und Spott, als er für die Aufklärung des Falles eine Belohnung von 500 000 Mark aussetzte.

Am 11. August 1954 geschah dann das Unfaßbare: Otto John stellte sich in Ost-Berlin der internationalen Presse. Er verlas, fast ohne aufzublicken, eine 25 Minuten lange Erklärung, worin er Adenauers Politik der Remilitarisierung und die Anstellung alter Nazis in hohen Positionen angriff und neue Verhandlungen über die Wiedervereinigung vorschlug. Hinterher beantwortete er Fragen der Presse, die, soweit sie von westlichen Journalisten kamen, nicht mit den SED-Veranstaltern abgesprochen waren. Der Eindruck auf die Deutschen hüben wie drüben war verheerend: Einer der höchsten Beamten der Bundesrepublik trat anscheinend hemmungslos in den Dienst der kommunistischen Propaganda, erniedrigte sich zum Agitator für das Regime, deren Agenten er doch bislang gejagt und oft auch hinter Gitter gebracht hatte. Nunmehr sprach auch Minister Schröder von einem "verächtlichen Überläufer".

John behauptet, die ganze Veranstaltung sei von den Russen mit ihm tagelang einstudiert worden, sie hätten ihm auch die Erklärung diktiert. Er habe mit den Russen zum Schein gemeine Sache gemacht, um sich ihr Vertrauen zu erschleichen und Zeit zu gewinnen, bis sich eine günstige Gelegenheit zur Flucht bot. Beinahe wäre aber die Pressekonferenz geplatzt. Eine junge Journalistin des Hamburger Anzeiger fragte John, ob er in seinem ersten Brief an seine Frau nach dem Übertritt geschrieben habe: "Gründe, die ich jetzt nicht erklären kann, haben mich gezwungen, einen Schritt zu tun, den ich später erklären werde." – John: "Ja, so ungefähr habe ich geschrieben." – Frage: "Also das Wort ‚gezwungen‘..." – John: "Es ist nicht besonders fair oder fein, wenn meine Privatbriefe hier diskutiert werden." Sofort schaltete sich auch der SED-Veranstaltungsleiter, Dr. Wilhelm Girnus, ein, seines Zeichens Sekretär des "Ausschusses für Deutsche Einheit". Es gebe doch auch so etwas wie einen Zwang der persönlichen Überzeugung. Dann schnitt er der Journalistin das Wort ab.

John beharrt darauf, er habe mit seinem Brief den Freunden und dem eigenen Amt einen Wink geben wollen, darum auch das Wort "gezwungen" unterstrichen. Das Gericht glaubte ihm nicht – kein russischer Zensor hätte so einen Satz stehen lassen, wenn er nicht von dem freiwilligen Entschluß Johns überzeugt gewesen wäre. Geheimdienstexperten, so der CIA-Chef Allen Dulles, haben jedoch Johns Reden und Aufsätze in der DDR keineswegs als Beleg für einen Sinneswandel, sondern als Tarnung verstanden. Das Gleiche gilt für Sefton Delmer, Johns Chef beim Soldatensender Calais. Er durfte John nach der Pressekonferenz ansprechen, aber sogleich waren SED-Funktionäre als Mithörer zur Stelle. Der "freiwillige Überläufer" gab ihm zu verstehen, er stecke in einer schwierigen Lage, aus der er selber herausfinden müsse.

Die früheren Mitarbeiter in Köln sagten aus, sie hätten mit John kurz zuvor Leitsätze über das Verhalten in Feindesland abgesprochen. Vizepräsident Albert Radke, ein früherer Abwehroffizier: "Wenn ein Soldat in eine solche Lage kommt, muß er den Mund halten. Aber einer von unserem Führungskreis muß natürlich alles tun, um Zeit zu gewinnen und zurückzukommen."

"John hat sein Verhalten mit der Angst erklärt, die Russen könnten ihm durch Spritzen und Drogen die Willensfreiheit nehmen oder durch Folterungen Aussagen erpressen. "Ich wußte doch, was die Russen mit den stärksten Männern gemacht haben." Als er in Karlshorst aus seinem 24-Stunden-Schlaf erwachte (sei es nach gewaltsamer Betäubung, sei es nach schwerer Trunkenheit), sah er drei Bewacher und eine Frau im Arztkittel vor sich – das Spritzenkommando. Also "erklärte ich mich gleich zur Mitarbeit bereit".

Weder das Gericht noch die Presse haben mit moralischen Vorwürfen gespart. Hätte John nicht wenigstens in der Pressekonferenz Widerstand leisten müssen, aufstehen, vor der Weltpresse hinausschreien: Er sei entführt, unter Druck gesetzt worden? Hätte er nicht den gleichen Mut wie seine Kameraden vom 20. Juli an den Tag legen müssen? Oder wie ihm der Gerichtsvorsitzende, ein ehemaliger Wehrmachtrichter, vorhielt: "Und wenn die Lage auch für Herrn John gefährlich war, dann hat er eben versagt! Ein Soldat im Krieg darf auch keine Angst haben!" John hält all dem nur entgegen, dann hätte er Selbstmord begehen oder 20 Jahre Sibirien auf sich nehmen müssen. Nein, lieber tingelte er anderthalb Jahre als "Handlungsreisender in Sachen Wiedervereinigung" durch die Zone (wie die DDR allgemein genannt wurde). Lieber markierte er den hundertprozentigen Gefolgsmann kommunistischer Propaganda, obwohl dadurch nicht nur die immer noch auf eine baldige Wiedervereinigung in Freiheit hoffenden Millionen DDR-Bürger, sondern auch enge Freunde wie der Hohenzollernprinz Louis Ferdinand an ihm irre wurden. Er nahm es in Kauf, daß er in der westdeutschen Presse als Feigling vor dem Feind, als Treuloser und als Landesverräter abgestempelt wurde.

Gerade der Fall John zeigte, wie geschlagen und zerrissen sich das deutsche Volk hinter der Fassade des Wirtschaftswunders fühlt und wie wenig es die Niederlage von 1945 und die maßlosen Verbrechen der Nazizeit aufgearbeitet hatte. Den Ton traf General Gehlen, als er nach dem Übertritt Johns in Bonn die klassischen Worte sprach: "Einmal Verräter, immer Verräter." Der stern ließ einen mysteriösen britischen Geheimdienstmann zu Wort kommen, der John beschuldigte, er habe die Raketenversuchsanlage Peenemünde den Engländern verraten. Andere sagten ihm Verbindungen zur kommunistischen Spionagegruppe "Rote Kapelle" nach. Beides wurde später vom Bundesgerichtshof als unhaltbar verworfen.

Welt-Chefredakteur Hans Zehrer, der als Publizist vor 1933, wiewohl kein Nazi, den Untergang der Weimarer Republik herbeigeschrieben hatte, stellte John als charakterlosen, moralisch belasteten Menschen an den Pranger: "Vor zehn Jahren ließ er die Kameraden, darunter seinen Bruder, in den Fängen Hitlers und Freislers zurück. Wenig später lieferte er selber Deutsche ans Messer... Und heute wiederum liefert er Deutsche in der Sowjetzone an das Messer (des Geheimpolizeichefs) Wollwebers und seiner Organe."

Im Bundespresseamt war man unangenehm berührt über Zehrers Attacken, die sich auch gegen den britischen Geheimdienst und Journalisten wie Sefton Delmer richteten, der bereits wieder die Nazis im Aufbruch sah. Aber noch viel mehr war man verstört über das Echo in den vielen kleinen Heimatzeitungen, deren Kommentare sich ganz auf der Linie Gehlens bewegten. Alle, die im und nach dem Kriege für die Feindmächte gearbeitet hatten, galten als unzuverlässig, und mit ihnen wurde auch gleich die Widerstandsbewegung vom 20. Juli in Mißkredit gebracht, so als habe sie die Niederlage verschuldet.

Zweifelsohne war Johns Propagandaeinsatz von hohem Wert für die Sowjetunion. Der westdeutsche Geheimdienstchef fiel ihr in einer für den Westen kritischen Phase des Kalten Krieges in die Hände. Jahrelang hatte Stalin vergeblich die Wiederaufrüstung Westdeutschlands zu verhindern versucht. Jetzt drohte die Europäische Verteidigungsgemeinschaft, der die Bundesrepublik angehören sollte, am Widerstand Frankreichs und an den Neutralisierungsplänen des britischen Premierministers Churchill zu zerschellen. Da war es für den Osten wie ein Geschenk des Himmels, daß der Lautsprecher John mit seinen phantastischen Tiraden über geheime Absprachen zum EVG-Vertrag und über Aktivitäten der Organisation Gehlen in Frankreich die Risse zwischen Amerika und den beiden anderen Westmächten noch vertiefen half. Paul Wilhelm Wenger schrieb im Rheinischen Merkur, Johns Ost-Berliner Pressekonferenz sei geradezu ein "antifaschistisch garnierter Tiefschlag gegen die EVG". Er ging noch nicht soweit wie der Historiker Glees, für den es ausgemacht ist, daß die Sowjets John gerade im Sommer-1954, kurz vor den entscheidenden Abstimmungen in der französischen Nationalversammlung, und nicht von ungefähr am 20. Juli nach Ost-Berlin zurückbeorderten.

Otto John selber hat, gemeinsam mit britischen Freunden, eigene Theorien entwickelt, warum ihn die Russen damals gekidnappt (oder, wer es anders sieht; nach seinem Grenzübertritt erpreßt und mißbraucht) haben:

  • Die Sowjets hatten über ihren Topagenten Felfe in der Organisation Gehlen eine Liste westlicher Agenten in die Hände bekommen. Um ihre Kanäle nicht zu gefährden, holten sie sich John, um den Verdacht auf ihn zu lenken.
  • Die Sowjets wollten mittels John, den sie fälschlich als britischen Agenten einschätzten, die Zuverlässigkeit ihrer eigenen Agenten im britischen Geheimdienst überprüfen.

Das Verhör auf der Krim

Auffälligerweise interessierten sich die Sowjets, als sie John in Gagra am Schwarzen Meer drei Monate lang vernahmen, kaum für den westdeutschen Verfassungsschutz, um so mehr aber für Johns Verbindungen zum britischen Geheimdienst während des Krieges. Damals war für Informationen von der iberischen Halbinsel der sagenumwobene Kim Philby in London zuständig. Das KGB hatte 1954 diesen Agenten gerade für einige Zeit "trockengelegt"; im Gespräch mit John konnten sie leicht nachprüfen, ob Philby vielleicht ein Doppelagent war, der schon im Kriege die Westmächte mit der Sowjetunion entzweien wollte. John konnte sie beruhigen. (Vielleicht wollte der sowjetische Geheimdienst mit Hilfe Johns auch noch die Personalien eines anderen Doppelagenten nachprüfen, nämlich von George Blake, der damals gerade von London nach West-Berlin zur Militärregierung versetzt wurde.)

John wäre somit in die Mühle der Geheimdienste geraten. Als die Sowjets ihn wie eine Zitrone ausgequetscht hatten, durfte er in die DDR zurückkehren. Aber die SED konnte mit dem Gast aus dem Westen, den sich die Russen da geangelt hatten, nur noch wenig anfangen. Kommunist wollte er ja nicht werden; sein Gewerbe machte ihn zu einem unsicheren Kantonisten; der Propagandaeffekt nutzte sich allmählich ab. Wenn es denn stimmt, daß sich John in der DDR nie ohne Bewacher bewegen konnte, so kann der Begleitschutz doch am Ende nicht mehr ganz so lückenlos gewesen sein.

Am Nachmittag des 12. Dezember 1955 begab sich Bundesinnenminister Schröder zu einer Sitzung des John-Untersuchungsausschusses im Bundeshaus. Vorher sagte er dem Ausschußvorsitzenden Gerd Bucerius im strengsten Vertrauen: "In diesem Augenblick holen wir John über die Grenze." Als Fluchthelfer betätigte sich der dänische Journalist und Hohenzollern-Fan Hendrik Bonde-Henriksen. Er hatte bei Gesprächen in einem Ost-Berliner Restaurant das Vertrauen Johns erworben, indem er ihm den Hohenzollernschen Hausorden mit Band zeigte, der ihm gerade von Prinz Louis Ferdinand verliehen worden war. Eingeweiht in den Fluchtplan waren der britische Abwehrchef in Berlin, Oberst Abbots, und der Leiter des Berliner Landesamts für Verfassungsschutz, Heinz Wiechmann.

Der damalige Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Walter Strauß, hatte zuvor dem Dänen zugesichert, John könne ohne Furcht zurückkehren, eine Verhaftung käme kaum in Frage. Er stellte es nachher etwas anders dar: Er habe lediglich gesagt, John werde selber am besten wissen, welche strafbaren Handlungen er begangen habe.

Bonde-Henriksen hatte sich für alle Fälle Zahnbürste, Nachtzeug und Rasierapparat mitgenommen. Bei seinem Chefredakteur hinterließ er die Mitteilung, man solle kein Wort glauben, falls er in Ost-Berlin verhaftet werde und sich öffentlich äußern müsse. Aber der Plan klappte: John konnte im ersten Abenddunkel im Menschengedränge an der Humboldt-Universität Unter den Linden untertauchen und in das Fluchtauto steigen. Verkleidet mit Schal und Brille und mit einer Shagpfeife im Mund, passierte er als Beifahrer des dänischen Helfers anstandslos die Routinekontrolle am Brandenburger Tor.

In seinen Memoiren schreibt John, auf der anderen Seite hätten Polizei und Grenzschutz bereitgelegen, um das Fluchtauto notfalls freizuschießen. Dies kann schon deshalb nicht stimmen, weil der Bundesgrenzschutz in Berlin nichts zu suchen hat. Vor einigen Jahren erzählte Bonde-Henriksen dem Welt-Journalisten Heinz Vielain, sieben britische Scharfschützen in Zivil hätten in Stellung gelegen. Eine ziemlich abenteuerliche Vorstellung, daß es wegen Johns zu einer Schießerei an der Sektorengrenze hätte kommen können. Aus ungenannten DDR-Quellen verlautete freilich, es existierten in MfS-Archiven sogar Photos von der Flucht Johns.

In einer britischen Linienmaschine und mit falschen Pässen vom Geheimdienst flogen Helfer und Flüchtling noch am selben Abend nach Köln-Bonn. Dort wurde John vom Chef der Bonner Sicherungsgruppe empfangen, der bereits den Haftbefehl in der Tasche hatte. Der Frühheimkehrer war völlig überrascht; allen Ernstes hatte er sich eingebildet, er brauche nur dem Untersuchungsausschuß des Bundestages Rede und Antwort zu stehen. Aber es lief schon seit Monaten ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Heute redet er sich ein, alles wäre nicht passiert, wenn nicht Staatssekretär Strauß gerade im Urlaub gewesen wäre.

Zuchthaus wegen Landesverrats

Bundeskanzler Adenauer zeigte sich über die "Rückkehr des verlorenen Johnes" (Heuss) belustigt: "Selten so jelacht. John ist jeflohen." Die DDR meldete ihren Bürgern, John sei nach Westdeutschland gegangen, "um dort den Kampf gegen den Neofaschismus weiterzuführen".

Aber der hatte anderes zu tun: Er mußte sich vor dem Dritten Strafsenat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe gegen die Anklage des Landesverrats wehren. Am 22. Dezember 1956 wurde er wegen landesverräterischer Fälschung in Tateinheit mit landesverräterischer Konspiration im besonders schweren Falle zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Jahr Untersuchungshaft rechnete man ihm an; eine Revision blieb ausgeschlossen.

Von der deutschen Presse war John längst vorverurteilt worden. Auch die Bundesrichter verhehlten kaum ihre Voreingenommenheit; in Bonn wurden im voraus richterliche Sprüche kolportiert, man werde John acht Jahre aufbrummen. Oberbundesanwalt Max Güde plädierte aber nur auf ein Strafmaß von nicht über zwei Jahren. Zu den qualvollsten Momenten für John und das Publikum im Gerichtssaal gehörte jene Stunde, da Güde dem Angeklagten als hervorstechendstes Merkmal "seine totale Bedeutungslosigkeit" vorhielt, ihn als "unwahrscheinlich kleine Figur" in "einer ungeheuerlich scheinenden Szenerie" hinstellte, kurzum: als bedauernswerten Schwächling. "Das war eine der furchtbarsten Strafen, die einem Menschen begegnen kann", entfuhr es dem Journalisten Joachim Besser.

Der Ankläger hatte sich vor allem auf das psychiatrische Gutachten gestützt, worin John als eine "in mancher Beziehung nicht ausgereifte, fast noch knabenhafte Persönlichkeit" beschrieben wurde. An negativen Eigenschaften wurden Geltungsbedürftigkeit, Selbstüberschätzung, eine spielerisch-oberflächliche Veranlagung, ein gehöriges Maß an schauspielerischer Fähigkeit, ein Mangel an Gefühls- und Geistestiefe aufgezählt, Alkoholsucht und abnorme erotische Veranlagung indes verneint. Güdes Resümee: "Hier ist die Persönlichkeit die Tat und die Tat die Persönlichkeit."

Der Ost-Berliner Staranwalt Kaul monierte zu Recht, man habe John zum Jämmerling gemacht. Es fragt sich nur, warum. Nur eines milderen Strafmaßes wegen? Oder auch aus staatspolitischen Erwägungen? Johns Verteidiger Dr. Gerhard Caemmerer vermochte gegen dieses Negativbild nur noch das Bild des Widerstandskämpfers aufzurichten: "Der Mensch, der vor Ihnen steht, mag nicht übermäßig begabt sein. Er ist kein Genie, er ist sicher auch kein Held. Es mag sein, daß er für das schwierige problematische Amt nicht geeignet war, aber fest steht, daß er zu einer Zeit, als andere sich dem Naziregime gebeugt haben, aufrechter stand als wir alle hier im Saal." Worte, die verhallten und belegen, wie einsam die Überlebenden des Widerstands in der bundesrepublikanischen Gesellschaft gewesen sind.

Das Gericht hielt es für erwiesen – einzig auf Grund von Indizien, die man auch andersherum interpretieren könnte –, daß John freiwillig in den Osten gegangen sei und sich dort entschlossen habe, zu bleiben und sich politisch zu betätigen. Die Richter glaubten ihm einfach nicht, weil er seine Erlebnisse so klischeehaft und ohne Emotion vorgetragen habe. Rechtlich wurde das Urteil damit begründet, daß John falsche Staatsgeheimnisse verraten und durch seine Propagandareden die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik unterminiert habe. Eine Notstandssituation wurde ihm nicht zugute gehalten. Das Urteil – es wurde geschrieben wenige Wochen, nachdem russische Panzer den Freiheitskampf der Ungarn niedergewalzt hatten – atmet noch den Geist des Kalten Krieges.

Der sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Adolf Arndt, ein angesehener Jurist, fand es unverständlich, daß die Annahme von Johns freiwilligem Grenzübertritt auf derlei schwache Indizien gestützt werden konnte. Diese Psychologie sei "primitiv, dilettantisch und weltfremd".

Otto John kam erst nach drei Jahren und acht Monaten frei. Sofort begann er seinen Kampf um ein Wiederaufnahmeverfahren, denn er wollte "nicht als ,Verräter‘ sterben". Dreimal hat er es versucht, doch jedesmal befanden die Karlsruher Richter, die von John angeführten neuen Tatbeweise – zum Beispiel Aussagen sowjetischer Überläufer – reichten nicht aus, den Prozeß noch einmal aufzurollen.

John faßte Hoffnung, als noch während seiner Haftzeit Wolfgang Wohlgemuth in West-Berlin auftauchte und prompt verhaftet wurde. Doch der Bundesgerichtshof sprach den Arzt im Dezember 1958 von der Anklage landesverräterischer Beziehungen frei. Das von Wohlgemuth vermittelte Gespräch zwischen John und den Russen am 20. Juli 1954 sei kein Gespräch über Staatsgeheimnisse gewesen, und die östlichen Gesprächspartner hätten sich nicht als Geheimdienstler zu erkennen gegeben. John hingegen habe sich strafbar gemacht, denn als Verfassungsschützer und Geheimnisträger durfte er solche Gespräche nicht führen.

Eine Gegenüberstellung von John und Wohlgemuth im Gerichtssaal erbrachte nichts Erhellendes; Aussage stand gegen Aussage; fast wären sich die beiden an die Gurgel gesprungen. Richter und Journalisten waren auch diesmal gegen John voreingenommen, zumal seine wütenden Ausfälle gegen den einstigen "Freund" unangenehm von der beherrschten Ruhe des Arztes abstachen.

Mehr als ein halbes Jahr nach dem John-Urteil – im Juli 1957 – hatte schon der Bundestags-Untersuchungsausschuß befunden, die letzte Klarheit über die Umstände von Johns Grenzübergang sei noch nicht geschaffen worden. Auch der Freispruch Wohlgemuths änderte nichts an diesem Befund. Die Bundesrichter hatten immerhin Wohlgemuth einen Menschenraub zugetraut, werteten aber als entlastend, daß er sich in der Nacht zum 21. Juli 1954 noch einmal in seine West-Berliner Praxis getraut habe. Er hatte dort eine Mitteilung hinterlegt, daß Otto John im Osten bleiben wolle und er, Wohlgemuth, nun ebenfalls hinüberwechsle, weil er sonst eine Anklage wegen Menschenraubs befürchten müsse.

Logisch ist das nicht. Was hätte ihn hindern können, sofort die West-Berliner Polizei zu verständigen? Statt dessen ließ er seine Arztpraxis im Stich und nahm seine Geliebte mit in den Ostsektor. Darum drängt sich der Verdacht auf, Wohlgemuth sei von den Russen zurückgeschickt worden, um John die unauffällige Rückkehr nach West-Berlin abzuschneiden.

Große Hoffnungen setzte John auch auf ein von ihm angestrengtes Meineidsverfahren gegen einen Kronzeugen der Anklage, den Publizisten Carl Wittig, einen Mann aus dem Dunstkreis der Geheimdienste. Der hatte sich im Mai 1955 mit ihm in Weimar getroffen und hinterher in der Presse und vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs berichtet, John habe ihm sein Herz ausgeschüttet: Er sei freiwillig in die DDR gekommen und könne sich dort völlig frei bewegen. John wollte nun, um die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen zu erschüttern, nachweisen, daß Wittig vor Gericht gelogen habe, als er versicherte, niemals für einen Nachrichtendienst gearbeitet zu haben.

Ehe der Prozeß beginnen konnte, war jedoch Wittig in der DDR verschwunden. Also doch ein Doppelagent? Eines Tages erfuhr man aus Ost-Berlin, Wittig sei 1962 als amerikanischer Spion zu einer hohen Zuchthausstrafe verurteilt worden. 1969 durfte er, von der Bundesrepublik freigekauft, heimkehren. Als zwei Jahre später endlich der Meineidsprozeß anlief, gelang dem Zeugen Otto nicht der Nachweis, daß sich Wittig dem Verfassungsschutz als Agent angedient habe. Vielmehr war dieser auf Empfehlung Adenauers an das Amt herangetreten, weil er in einem Korruptionsskandal, den die CDU der SPD anhängen wollte, recherchiert hatte. Wieder standen sich zwei haßerfüllte alte Männer schreiend gegenüber, und wieder zog John den kürzeren: Wittig wurde freigesprochen.

Aber da gab es in diesem Prozeß einige Merkwürdigkeiten. Jener Journalist Heinz Vielain, der Wittig öffentlich der geheimdienstlichen Tätigkeit für die Amerikaner bezichtigt hatte – Wittig gab ihm sogar die Schuld daran, daß er in der DDR im Zuchthaus landete –, wurde nicht als Zeuge geladen. Dafür aber einige ehemalige Mithäftlinge Wittigs aus dem Zuchthaus Bautzen II. Einer beschuldigte Wittig, ein MfS-Agent zu sein. Daraufhin trat ein anderer Knastkamerad aus Bautzen als Gegenzeuge auf und stellte den Denunzianten als unglaubwürdig hin. Wittigs Verteidiger Erich Schmidt-Leichner (wie konnte sich der mittellose Angeklagte diesen Staranwalt leisten?) erreichte mühelos einen Freispruch für seinen Mandanten, und John, als Zeuge lächerlich gemacht, mußte seine Hoffnungen auf ein Wiederaufnahmeverfahren endgültig begraben.

Ein einstiger Mitarbeiter des West-Berliner Informationsbüros West und des BND, der mit Wittig und einigen der späteren Be- und Entlastungszeugen in Bautzen in einer Arbeitsstelle zusammengelegt wurde, ist fest davon überzeugt, daß damals das Ost-Berliner Ministerium für Staatssicherheit (MfS) ein raffiniertes Spiel eingefädelt habe, um Wittig bei dem voraussehbaren Meineidsverfahren abzusichern und somit eine Wiederaufnahme des John-Prozesses zu verhindern. Nur hat die Öffentlichkeit diese Kriminalkomödie nicht durchschaut.

Wie sehr dem Osten daran gelegen war, sich von dem Verdacht des Menschenraubs an Otto John reinzuwaschen, verriet eine Aktion des KGB. Der pensionierte Geheimdienst-Oberst Wladimir Karpow bot dem stern im November 1968 Informationen über Johns Verhalten bei den Sowjets an. Garniert waren sie mit zum Teil verfänglichen Photos (John: "Alles Montagen"). Als der stern die Geschichte nicht abdruckte, veröffentlichte sie drei Jahre später der Publizist Hans Frederik, ein ehemaliger Wahlhelfer der CSU, in seinem dickleibigen Buch "Das Ende einer Legende". Frederik war bereits früher mit Pamphleten gegen die ehemaligen Emigranten Willy Brandt und Herbert Wehner hervorgetreten.

Kern der Aussage Karpows: Das KGB habe gar nicht nötig gehabt, den Geheimdienstchef Otto John zu entführen, weil eine sowjetische Agentin in seinem Vorzimmer saß. Später hat dann auch der Verfassungsschutz-Präsident Nollau in einem Spiegel-Interview diesen Vorwurf übernommen, von dem das Amt freilich bis zum Tode der ehemaligen Sekretärin im Jahre 1969 nichts geahnt haben will. Nollau behauptete auch, man habe nach dem Ableben der Sekretärin hohe Bankkonten entdeckt, über deren Herkunft sie dem Amt keine Auskunft gegeben hatte.

Canaris’ Sekretärin unter Verdacht

Bei der Angeschuldigten handelte es sich nämlich um die ehemalige Vorzimmerdame des Abwehr-Chefs Canaris, Wera Schwarte. Die Sekretärin, Tochter des Generalleutnants Max Schwarte, eines der bekanntesten Militärschriftsteller zwischen den beiden Weltkriegen, war 1945 in Berlin von den Russen gefangen und im Gefängnis Berlin-Moabit interniert worden. (Ihr Vater hatte sich im Februar 1945 beim Herannahen der Russen in Pommern das Leben genommen.) Nach Aussagen ihres Neffen hat Frau Schwarte aus der Haftzeit körperliche Schäden davongetragen; ihr Haar sei schlohweiß geworden. Nach ihrer Freilassung mußte sie sich alle vier Wochen bei der Kommandantura melden. Ihre Angst, noch einmal wieder von den Russen geschnappt zu werden, verlor sie ihr Leben lang nicht. Eine enge Freundin Frau Schwartes hält es immerhin für möglich, daß die einstige Canaris-Sekretärin von den Russen nur freigelassen worden sei, nachdem sie sich schriftlich zur Mitarbeit verpflichtet habe.

1948 wurde Frau Schwarte von dem amerikanischen Schriftsteller und Geheimdienstoffizier Curt Riess als Sekretärin übernommen. Sie lebte damals in der Nähe der Sektorengrenze am Wannsee in dauernder Angst vor einer Entführung durch die Russen. Riess heute: "Ich halte es für undenkbar, daß sie für die Russen gearbeitet hat. So eine Schauspielerin war sie nicht. Und Geheimnisse gab es bei mir nicht zu holen." Zu seiner Enttäuschung erzählte sie ihm nichts über ihre Arbeit bei Canaris, dessen Tagebuch sie geführt hatte.

Als in Bonn das Amt Blank die Wiederaufrüstung vorbereitete, wurde Frau Schwarte von der Witwe Canaris dorthin vermittelt und von ehemaligen Abwehroffizieren unter die Fittiche genommen. Der Sohn des Widerstandskämpfers und Abwehroffiziers Hans Oster, der spätere Bundeswehrgeneral Achim Oster, vermittelte Frau Schwarte dann weiter zu Otto John ins Kölner Bundesamt.

Wer war die Quelle im Bundesamt?

Sie genoß das volle Vertrauen des Präsidenten und verwahrte die Schlüssel zu dem Stahlschrank mit seiner Privatkorrespondenz. Das Ehepaar John schildert sie als eine rührend bescheidene, liebenswerte Person, die ganz und gar im preußischen Geiste erzogen worden war. Sie bewohnte in Köln eine kärgliche Zweizimmerwohnung. Kolleginnen haben sie als überaus sparsam, ja geizig in Erinnerung. Die gehbehinderte Frau Schwarte, die nach ihrer Pensionierung noch als Übersetzerin tätig war, starb 1969 im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Straßenbahnunfalls. Erst im Sommer 1985 ist der Spionagevorwurf vom Bundesamt für Verfassungsschutz zurückgenommen worden: "Ein Beweis konnte nicht erbracht werden." Auch lägen keine Beweise oder Anzeichen dafür vor, daß "Frau Sch." bereits im Zweiten Weltkrieg für die Sowjets tätig war. Es war längst an der Zeit, diese Frau, die in den Kerkern der Gestapo und der Russen gesessen hat, posthum von dem schweren Verdacht des Landesverrats freizusprechen, den das KGB aus durchsichtigen Gründen in die Welt gesetzt hat.

Der sowjetische Geheimdienst wollte vielleicht auch unter Mißbrauch ihres Namens eine Panne auswetzen, die ihm bei den Vernehmungen Otto Johns unterlaufen war. Man hatte dem Verfassungsschutzpräsidenten auf der Krim den jüngsten Monatsbericht des Bundesamts, keine drei Wochen alt, auf den Tisch gelegt, außerdem eine Kopie des neuesten internen Telephonverzeichnisses, zum Beweis, daß das KGB über eine immer noch sprudelnde Quelle im Kölner Bundesamt verfügte. In den dreizehn Jahren nach Johns Rückkehr war es dem Amt nicht gelungen, diese Quelle aufzufinden. Es ist aber sehr wohl möglich, daß die Informationen dank der Querverbindungen zwischen Verfassungsschutz und BND über den 1961 enttarnten Spion Felfe in Pullach gelaufen sind.

Warum diese Manöver von MfS und KGB? Weil John doch entführt wurde? Namhafte Politiker der Union, der FDP und der SPD haben sich wieder und wieder für seine Rehabilitierung verwendet, weil sie das Karlsruher Urteil für ein Unrecht halten. Doch es reichte bisher nicht einmal für einen Gnadenerweis des Bundespräsidenten, der dem alten Mann wenigstens eine Rente bescheren würde. Der Verfassungsschutz stemmte sich dagegen, weil ihm sonst seine Beamten wegliefen. Seit seiner Entlassung aus der Haft im Jahre 1958 lebt John von Einkünften seiner Frau und den Zuwendungen einiger Freunde, die unverbrüchlich zu ihm halten.

Wie Philemon und Baucis verbringen Lucie und Otto John ihre Tage in einer Wohnung auf der abgeschiedenen Hohenburg bei Innsbruck. Ihre Gespräche beim Tee kreisen immer noch um jenen unseligen 20. Juli 1954. Womöglich wissen sie selber gar nicht, was mit ihnen geschehen ist. Vielleicht war Paul Sethe der Wahrheit auf der Spur, als er 1954 schrieb: "Die Gespaltenheit des Volkes schafft leicht zerspaltene Menschen" und "sie erschwert bei schwachen Naturen die Klarheit des Blickes". Wie es wirklich gewesen, wußten weder die Richter noch die Verteidiger Otto Johns und auch nicht die Journalisten. Heute spricht mehr für die Darstellung des Angeklagten als vor dreißig Jahren. In dubio pro reo...