Unternehmen tätig und somit zuständig für den Kellereibetrieb. Zum neuen Geschäftsführer der Pieroth-Gruppe wurde Peter Winter bestellt, bisher zuständig für den Auslandsbereich.

Konsequenzen werden freilich auch die Mitarbeiter zu tragen haben. 100 bis 150 von ihnen verlieren bis zum Jahresende ihren Arbeitsplatz, weitere hundert müssen sich im Herbst auf Kurzarbeit setzen lassen. Denn der wirtschaftliche Schaden, den die Panschereien mit glykolhaltigem österreichischen Wein dem Unternehmen bescherten, ist beträchtlich. Allein die Rücknahmeaktion von beanstandeten österreichischen und deutschen Flaschen summieren sich auf rund dreißig Millionen Mark. Hinzu kommt ein geschätzter Umsatzrückgang für 1985 von etwa fünfzig Millionen Mark gegenüber 1984.

Bekennen mußten die Weinhändler jetzt überdies weitere Schlampereien. Denn bei einer Überprüfung des Sortiments sind inzwischen mehr als dreißig neue Weine entdeckt worden, die Glykol enthalten. Zwar liegt die Konzentration unter 0,1 Gramm, doch das Fazit ist damit nicht weniger unangenehm. Es kann eigentlich nur lauten: Im Hause Pieroth wurde nicht immer sauber gearbeitet.

Ein Urteil des Oberlandesgerichts München könnte für die Münchner Vertriebsfirma Gem Collection Cosmetics GmbH das Ende bedeuten. Nachdem das Gericht das Direktvertriebssystem der Firma als "sittenwidrig" bezeichnet und die Berufung gegen einen von 150 Arrestbefehlen über zusammen 1,5 Millionen Mark zurückgewiesen hat, wird Gern voraussichtlich in den nächsten Tagen den Konkursantrag stellen müssen. Noch am Donnerstag vergangener Woche hatte Geschäftsführer Peter Gleim, behauptet, man habe die wirtschaftlichen Konsequenzen im Griff und sei "noch nicht erledigt". Doch inzwischen scheint das etwas anders auszusehen.

Gern Collection arbeitet nach dem verpönten "Schneeballsystem". Es wurden immer neue Lizenznehmer angeworben, die neben der Franchise-Gebühr von 5000 Mark auch Waren für den gleichen Betrag abnehmen mußten. Die Arreste waren von unzufriedenen Franchise-Nehmern erwirkt worden. Angeblich hat die erst zwei Jahre alte Firma mit diesen Methoden, die nach Auffassung des Gerichts auf die Leichtgläubigkeit der Partner abzielen, mit ihren sündhaft teuren Mode- und Kosmetikartikeln zuletzt einen Jahresumsatz von 380 Millionen Mark gemacht. Noch zur Gerichtsverhandlung waren Tausende von Mitarbeitern zum Justizgebäude gekommen, um ihre "Solidarität" zu unterstreichen – erfolglos, wie’s scheint. Nun müssen sie sich womöglich nach einem neuen Job umsehen. Erika Martens