Salut für Göring

Ein Fahnenband verlieh der niedersächsische Minister und Reserveoberst Wilfried Hasselmann am Wochenende dem Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf, weil die Soldaten in monatelangen Einsätzen den Hungernden in Äthiopien geholfen hatten. So weit, so gut. Aber wer kam auf die Idee, gleichzeitig auch das fünfzigjährige Bestehen des Fliegerhorstes Wunstorf mitzufeiern? Dreißig Jahre Bundeswehr hätten doch genügt. Aber es mußte partout – und kommentarlos – Görings Geschwader Boelcke in die Festschrift, so als gäbe es eine ungebrochene Tradition von der Nazi-Luftwaffe und der Legion Condor zur Bundeswehr. Bürgermeister und Stadtdirektor distanzierten sich, SPD, Grüne und Nazi-Verfolgte protestierten. Besonders peinlich: Man feierte am 15. September, fünfzig Jahre nach dem Erlaß der Nürnberger Gesetze, als das Hakenkreuz, das Zeichen des Antisemitismus, auch für die Wehrmacht verbindlich wurde. Das Verteidigungsministerium sah die Sache wertneutral: Der Fliegerhorst sei doch seit 1935 Teil der Landschaft und ein Wirtschaftsfaktor für den Raum gewesen.

„Nuklearer Winter“ – weltweit

„Das heutige Äthiopien und der Sudan zeigen wahrscheinlich viel besser als Hiroshima und Nagasaki, wie es nach einem Atomkrieg aussehen würde.“ So beschreibt der Amerikaner Mark Harwell das Ergebnis einer neuen Studie über die Folgen eines Atomkriegs. Harwell und rund 300 andere Wissenschaftler aus 30 Ländern haben alle verfügbaren Erkenntnisse zur Theorie des „Nuklearen Winters“ in der fast 900 Seiten starken Untersuchung zusammengetragen. Vor drei Jahren hatte der Holländer Paul Crutzen, Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, bei Modellrechnungen entdeckt, daß die klimatischen Auswirkungen eines Atomkriegs schlimmer sein könnten als der nukleare Holocaust selbst: Rauch und Ruß von riesigen Stadt- und Waldbränden würden weltweit die Sonne verfinstern und die Temperaturen um zwanzig bis vierzig Grad absenken. Die neue Studie bekräftigt nun die schlimmen Befürchtungen: Würden die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion mit der Hälfte ihrer nuklearen Arsenale aufeinanderschlagen, stürben 500 Millionen Menschen direkt durch die Explosionen – aber 2500 Millionen würden fernab der Schlachtfelder erfrieren und verhungern.

Europa hautnah

Es wird eng in Straßburg. Anfang nächsten Jahres möchten 84 neue Mitglieder aus Spanien und Portugal im Europäischen Parlament Platz nehmen. Für sechs Millionen Mark wurden neue Kabel für die Simultan-Übersetzungen verlegt, das elektronische Abstimmungssystem ausgebaut – und die Sitze der Abgeordneten um je fünf Zentimeter dezimiert. Sir James Scott-Hopkins, Tory-Abgeordneter für Hereford und Worcester, 1,92 Meter groß und 101 Kilo schwer, äußerte Bedenken: „Ich dachte, sie würden die Sitze so schmal machen, daß ich beim Aufstehen den Stuhl gleich mitnehme.“ Die Sorgen des schwergewichtigen Briten sind unbegründet. Die Sitze werden zwar schmaler, doch die Sitzfläche bleibt unverändert. Nur mit seinem griechischen Nachbarn muß Sir James sich künftig besser arrangieren. Die Tische werden beschnitten und der Grieche „breitet sich überall aus“. Ob die neuen Sitze die EG-Abgeordneten auch politisch enger zusammenrücken lassen, bleibt fraglich.