Von Fritz J. Raddatz

Der Turm ist fast so hoch wie der höchste Berg der Welt und mehr als fünfzehnmal so noch wie das höchste Haus der Welt, der Sears Tower in Chicago: 7000 Meter würde er aufragen, schichtete man die 320 000 Titel übereinander, die 6500 Verlage aus 79 Ländern in der Goethe-Stadt ausstellen; darunter 92 000 Neuerscheinungen.

Doch das Spiel der Zahlen ist verwirrend: Die bundesdeutsche Verlagsproduktion ist gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent gesunken; sogar weniger Taschenbücher erschienen – aber der Anteil des Taschenbuchs am Gesamtmarkt hat sich merklich erhöht. Das läßt den Schluß zu, daß Buchkäufer den Preisanstieg (des gebundenen Buches) auf – im Durchschnitt – über 30 Mark nicht mitmachen, und der Umstand, daß sieben der zehn Belletristiktitel auf den fragwürdigen Bestsellerlisten unter 30 Mark kosten, stützt diese Ansicht. Günther Christiansen, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, meint dagegen: "Wir sind optimistisch, daß die Leser auch ein Buch für 30, 40, 50 Mark als ein preiswertes Medium von hoher Qualität akzeptieren werden."

Aber wer kauft morgen noch Bücher? Eine optimistische Statistik des Buchhändler-Börsenblatts will diese Zahlen wissen:

  • Bücher gibt es in 94 Prozent der Privathaushalte.
  • Buchbestand pro Haushalt durchschnittlich 186 Bücher.
  • Zeitbudget Buch pro Person und Monat: 18,5 Stunden (10 Prozent des gesamten Zeitbudgets für Medien).
  • Buch-Käufer pro Jahr 54 Prozent. Das heißt 54 Prozent der Bundesbürger kaufen im Jahr mindestens ein Buch.
  • Buch-Käufer pro Monat 20 Prozent.

Eine jüngste Umfrage unter Jugendlichen zeigt allerdings, daß 84 Prozent "jeden, fast jeden Tag" fernsehen, dagegen nur 37 Prozent "jeden, fast jeden Tag" lesen. Auch wenn es stimmt, daß durchschnittlich jeder Bundesbürger im vergangenen Jahr acht Bücher gekauft hat, muß noch gefragt werden: Was für Bücher?

Der Mount Everest – ein Berg aus Geist? Ein fünfzehnfach hoher Wolkenkratzer mit Zimmern, in denen nur Rolf Hochhuth und Marguerite Duras, Martin Walser und Peter Handke und Thomas Bernhard und Susan Sontag wohnen, Penthouse-Etagen für Grass und Updike und Garcia Márquez, im Fitness-Center Norman Mailer, de Clezio und Naipaul?