DIE ZEIT

Bücher-Babylon

Der Turm ist fast so hoch wie der höchste Berg der Welt und mehr als fünfzehnmal so noch wie das höchste Haus der Welt, der Sears Tower in Chicago: 7000 Meter würde er aufragen, schichtete man die 320 000 Titel übereinander, die 6500 Verlage aus 79 Ländern in der Goethe-Stadt ausstellen; darunter 92 000 Neuerscheinungen.

Eine Schlinge

Die internationale Schuldenkrise ist längst noch nicht bewältigt. Seit Jahren wird eine – finanztechnisch fast perfektionierte – Flickschusterei betrieben, gutes Geld dem schlechten nachgeworfen, um die großen Schuldner nicht insolvent werden zu lassen.

Ratlos

Handsworth, Toxteth, Brixton, Tottenham – die Namen dieser Farbigen-Gettos in Großbritannien sind während der vergangenen Monate zu Symbolen für Gewalt und Aufruhr geworden.

Tiefpunkt

Wieder einmal sind die Beziehungen zwischen der Bundesregierung und den Gewerkschaften auf einem Tiefpunkt angelangt. So kriegerisch wie derzeit war das Vokabular auf beiden Seiten lange nicht.

Worte der Woche

"Wir alle sind Hüter des uns von den vorangegangenen Generationen überlieferten Feuers des Lebens. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend müssen wir das Schwarzbuch der nuklearen Alchimie ins Feuer werfen.

Zeitspiegel

Der chilenische Präsident und Diktator Pinochet kann sich auf seine Junta nicht mehr hundertprozentig verlassen. Luftwaffenchef Fernando Matthei nahm vor Journalisten zu der Nationalen Vereinbarung von elf Oppositionsparteien Stellung: "Ich kann nicht umhin, mit Wohlwollen zur Kenntnis zu nehmen, daß es eine sehr wichtige Gruppe von Persönlichkeiten gibt, die ihre Unterschrift für die Demokratie abgeben.

Ein Russe in Paris

Der sowjetische Generalsekretär, dynamisch und selbstbewußt, kann es mit Ronald Reagan aufnehmen

Ende der vergangenen Woche schien sich die Bonner Koalition auf ein Rahmenabkommen mit Washington über die deutsche Beteiligung an SDI hinzubewegen. Inzwischen hat sie ihren Kurs wieder geändert. Die Regierung tut sich weiter schwer mit der Strategischen Verteidigungsinitiative.: Viel Lärm und kein Entschluß

Wenn in Bonn wirklich tiefgehende Kontroversen ausgetragen werden, kommt irgendwann einmal der Augenblick, wo Regierungssprecher in dickbramsiger Unschuld und Berichterstatter in stiller Verzweiflung fragen: War was? Ein, zwei Tage lang sah es so aus, als ob in Bonn die Entscheidung über die Beteiligung der Bundesrepublik an der amerikanischen Verteidigungsinitiative SDI gefallen wäre – gegen die vermuteten Wünsche des Außenministers und mit Begründungen, die dem Urteil des Forschungsministers widersprechen.

Franzosen in Berlin: Auf ihre Rechte strikt bedacht

Daß sich die Großen dieser Welt – der amerikanische Präsident, die britische Premierministerin, der französische Staatspräsident – hin und wieder nach Berlin begeben, ist für die Stimmung der Berliner keineswegs ohne Bedeutung.

Flick-Prozeß: Schlechter Dienst

Otto Graf Lambsdorff, der unter der Anklage, er habe sich als Bundeswirtschaftsminister mit Flick-Geldern bestechen lassen, vor dem Bonner Landgericht steht, kann sich seine publizistische Gefolgschaft nicht aussuchen.

DAS KURZE INTERVIEW: Mehr Gleichheit durch Quotierung?

Frauen und Männer sollen in den Gremien und Parlamentsfraktionen der SPD paritätisch vertreten sein – darum fordert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) eine Quote von mindestens 40 Prozent für Frauen in allen Parteiämtern.

Unabhängig und loyal

Als Finanzminister des ersten Kabinetts Brandt war er nicht nur wegen seines Sachverstands, sondern vor allem auch dank seines Ansehens als "Genosse Generaldirektor" ein Star.

BONNER BÜHNE: Ein Grundrecht wird verteidigt

So kompliziert die politische Materie und so groß der Wust der Details geworden ist – gelegentlich blitzt in einer Rede vor dem Bundestag doch noch auf, worum es in der Politik der Republik im Grunde geht.

Piraten auf dem Mittelmeer

Palästinenser kaperten am Montag vor Alexandria ein italienisches Kreuzfahrtschiff. Hunderte von Seeleuten und Passagieren wurden zu Geiseln der Entführer, die von Israel die Freilassung von 51 arabischen Häftlingen forderten.

Portugal: Verlierer Soares

Die Sozialisten verloren fast 16 Prozentpunkte und rutschten von 101 auf 55 Mandate ab – eine Niederlage, die in dieser Höhe unerwartet kam.

Europa wird farbig (III): Erben der Kolonialzeit

Nach Beobachtungen in Großbritannien und Frankreich wendet sich unser Reporter anderen Ländern Europas zu, wo Minoritätenprobleme, die man auch Rassenkonflikte nennen kann, eine Rolle spielen: den Niederlanden, Belgien und Schweden.

Besser als ihr Ruf

Für die 23. Generalkonferenz der Unesco, die am Dienstag in Sofia begonnen hat, haben die Vereinigten Staaten vierzig Hotelzimmer reserviert, obwohl die Amerikaner 1984 aus der Weltorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur ausgetreten sind und nur noch als Beobachter ohne Stimmrecht auftreten können.

Asylbewerber: Kein Platz für Toleranz

In dicken roten Lettern prangt eine Parole an der Tafel: "ZAST wie Knast" Darunter, auf einer schäbigen Decke, hockt ein fast weißhaariger Iraner, 46 Jahre alt.

Entführungsfall Springer: Die Strafe, die sitzt

Zum Schluß, in seinem Urteil, machte sich das Gericht daran, "Maßstäbe zurechtzurücken". Von dem Leiden des Opfers, des entführten Axel Sven Springer, war in der Urteilsbegründung die Rede, von seinen Todesängsten, vom Bangen der Angehörigen.

Baupreis-Absprachen: Nichts als Scherereien

Warum hat Egon Hoffmann Angst? Liegt es vielleicht daran, daß er mit seiner Frau in einem dieser entlegenen Allgäuer Einödhöfe lebt, wo er sich "wie auf dem Präsentierteller" fühlt? Dabei mustern doch die Nachbarn jeden Fremden, der sich nach dem Weg zum Hof der Familie Hoffmann erkundigt.

Sanierungsfonds: Alte Last neu verteilt

Das Gespräch verlief durchaus freundlich, man trennte sich ohne Zorn; in der Sache aber war man sich nicht nähergekommen: Nordrhein-Westfalens Umweltminister Klaus Matthiesen (SPD) konnte die Vertreter der Wirtschaftsverbände des Landes nicht dazu bewegen, sich freiwillig an einem Fonds zur Sanierung alter Giftmülldeponien zu beteiligen.

Das Europa der Kälber

Eigentlich sollten die Verbraucher dem EG-Kommissar Frans Andriessen dankbar sein. Er hat sich nämlich etwas einfallen lassen, um die Qualität von meist mehr wasserhaltigem als geschmackvollem Kalbfleisch aufzubessern.

Geschäft mit bösen Folgen

Zynischer geht es kaum, wenn der Regierungssprecher ein Waffengeschäft in Milliardenhöhe bestätigt und dabei so tut, als handle es sich lediglich um die Ausfuhrgenehmigung für einige Baupläne im Papierwert von 1500 Mark.

Schneller Brüter: Absage

Der SPD-Parteirat, nach dem Parteitag eines der höchsten Gremien der Sozialdemokraten, hat eine Entscheidung getroffen, die seit langem erwartet wurde, wenngleich sicher nicht mit einem solch eindeutigen Votum, das Einstimmigkeit nun einmal ist.

Tarifpolitik: Mehr Geld

Es geschieht nicht oft, daß Bundesfinanzminister Gerhard Stoltenberg und sein Parteifreund Gustav Fehrenbach, stellvertretender DGB-Vorsitzender, gleicher Meinung sind.

Bonner Kulisse

Die Schlacht um Lehrstellen ist voll entbrannt, und die Kampfberichterstattung liest sich ziemlich widersprüchlich. "Neuer Ausbildungsstellenrekord in Sicht", resümiert die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Ruhe im Bau

Mehr als andere halten die Männer vom Bau seit eh und je auf Recht und Ordnung. Sie sind es gewohnt, daß einer das Sagen hat.

Dank dem kleinen Mann

Der Dank des Ministers ging an die richtige Adresse. "Ich danke", so sprach Norbert Blüm vor den versammelten Delegierten der CDU-Sozialausschüsse, "ich danke dem ungenannten Mitglied, das durchhält, auch wenn es manchmal die Schnauze voll hat.

Schuldenkrise: Der Auftritt des James Baker

Die Welt sieht heute, von der nördlichen Halbkugel her betrachtet, anders aus als von der südlichen. Dem Norden präsentiert sich die Lage gar nicht so schlecht.

Börsen-Report: Zinskummer

Von Zinsoptimismus gibt es keine Spur mehr. Der Rest verschwand, als sich die Bundesbank entschloß, den Mindestbietungssatz, zu dem sich die Kreditinstitute bei ihr im Wege eines sogenannten "Zinstenders" Geld pumpen können, um 0,05 Mark anzuheben.

AKTIENSELLER

Der September war wieder ein Aktienmonat mit Rekordumsätzen. Dabei ist Siemens auf den "angestammten" Platz an der Spitze zurückgekehrt.

MANAGER UND MÄRKTE

Den erregten Protesten von Mietern und Parteien gegen die Massenverkäufe von Sozialwohnungen aus dem Bestand der Neuen Heimat (NH), versuchte deren Vorstandschef Diether Hoffmann bisher immer mit dem Hinweis auf die umfangreichen Rechte der Mieter zu begegnen.

Ärgerlich

ZEIT: Alle reden von einer Politik zur Förderung der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand – aber außer Reden ist wenig gewesen.

ZEITRAFFER

Im August ist die Nachfrage nach Investitionsgütern in der Bundesrepublik im Vergleich zum Vormonat preis- und saisonbereinigt um knapp zwei Prozent zurückgegangen.

Es muß nicht immer Stahl sein

Das trifft sogar wörtlich zu im Falle eines deutschen Unternehmers, der eine transportable Entenschlachtanlage in das Reich der Mitte liefert.

Der lange Marsch in den Wohlstand

Das Land ist ja kaum wiederzuerkennen!" Das ist ein Satz, der nahezu zwangsläufig jedem über die Lippen geht, der nach einigen Monaten oder gar Jahren wieder in die Volksrepublik China kommt.

China: Lothar Späth auf der Suche nach neuen Märkten: ...beim drittenmal ein Freund

Mit dem chinesischen Botschafter ist er in einer Kutsche zum Weinfest in Bietigheim gefahren; mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhao Ziyang hat er während einer Fahrt im Sonderzug durchs Schwabenland nicht nur über wirtschaftliche Zusammenarbeit gesprochen, sondern auch kräftig darauf angestoßen; in Peking zitierte er das chinesische Sprichwort: "Beim erstenmal ein Fremder, beim zweitenmal bekannt, beim drittenmal ein Freund.

Subventionen: Kohle für die Kumpel

Kurt Tucholsky läßt seinen "älteren, aber leicht besoffenen Herrn", der einen "selbständjen Jemieseladen betreibt" die Frage, warum er denn SPD wählen wolle, so beantworten: "Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich.

Der Staat kann gar nicht neutral sein

Schon seit längerem schwelt zwischen Wirtschaftsminister Martin Bangemann und Forschungsminister Heinz Riesenhuber ein interner Streit über die Forschungspolitik der Bundesregierung.

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