Friedrich A. Wagners Buch gehört zu denen, die man mit der Bemerkung zu begrüßen liebt, sie hätten längst geschrieben werden müssen. Endlich! Es heißt „Ferienarchitektur“ (Studienkreis für Tourismus e. V., Starnberg; 168 Seiten, 56 Abbildungen, etwa 44 Mark inklusive Versandkosten). Daß es so lange unterblieben war, spiegelt nicht wenig den Zustand des Sujets wider: Es wurde ein, zwei, drei Jahrzehnte lang drauflos gebaut; es wurde nicht viel darüber nachgedacht; je größer die Zahlen (der Urlauber, des Gewinns), desto größer der gefeierte Erfolg. Die Architekten haben dabei die Rolle der Erfüllungsgehilfen nicht ungern gespielt, teils berechnend, teils halbblind. Alles das klingt in diesem verdienstlichen Buch an, dem ersten, das sich dem Thema mit seinen vielen Facetten umfassend zuwendet.

Sein Autor war viele Jahre lang der verantwortliche Redakteur des Reiseblatts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er kennt sich aus wie wenige. Er läßt aber auch erkennen, daß ihm im Zweifel das Wohlbefinden der Urlauber wichtiger ist als die baukünstlerische Qualität der Architektur, die ihnen die Ferienindustriellen aufgetürmt haben. Er macht die Leser mit vielen Dörfern und Zentren bekannt, auch mit den .verschiedenen Ferien- und Architekturideologien, die zu ihrer Gestalt beigetragen haben. Er lobt (zu Recht) den unübertroffenen César Manrique auf Lanzarote und sein leidenschaftliches Bemühen, den Tourismus mit der Eigenart seiner Insel in Einklang zu bringen; er preist (zu Unrecht) La Grande Motte, diese mit dekorativen Fassadenmätzchen kostümierte Urlaubsgroßstadt; er schildert das Problem von Damp und jubelt über Port Grimaud. Man erfährt vieles, man liest es mit Neugier, dabei nicht selten zweifelnd. Ich habe ein Orts- und ein Namensregister sehr vermißt und mich über den trostlosen Photoanhang gewundert.

M.S.

Hilflos und mit gerecktem Nacken stehen Touristen oft vor hoch aufragenden Sehenswürdigkeiten; die architektonische Anlage alter Tempel, Burgen oder sonstiger Bauten (wie der hier gezeigten Cestius-Pyramide in Rom) können Besucher bestenfalls aus Grundrissen in guten Reiseführern studieren. Deshalb sind Bücher mit Luftaufnahmen auch gute Ergänzungen zu den gängigen Führern. Diese Idee stand Pate für die Bände „Das antike Italien aus der Luft“ (von Anita Rieche) und „Das antike Griechenland aus der Luft“ (von Raymond V. Schoder). Beide Bücher waren bislang allerdings zu teuer. Jetzt hat der Lübbe-Verlag preiswerte Neuausgaben herausgebracht, jeder Band kostet nun nur noch 29,80 Mark, eine wohlfeile Facette der Reisebuch-Bibliothek.