Frauen und Männer sollen in den Gremien und Parlamentsfraktionen der SPD paritätisch vertreten sein – darum fordert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) eine Quote von mindestens 40 Prozent für Frauen in allen Parteiämtern. Die 49jährige niedersächsische Landtagsabgeordnete Inge Wettig-Danielmeier wurde von der Bundeskonferenz der SPD-Frauenorganisation in Hannover am Wochenende erneut zur Vorsitzenden gewählt.

ZEIT: Die Bundeskonferenz der sozialdemokratischen Frauen fordert eine Änderung der SPD-Satzung, wonach 40 Prozent aller Ämter und Mandate in Zukunft Frauen vorbehalten sein sollen. Ist das nicht das Eingeständnis einer Niederlage: In offener Schlacht, im Kampf um die einzelnen Posten schaffen die Frauen es nicht, also muß jetzt die Satzung geändert werden?

Wettig-Danielmeier: Wir wollen in die Satzungsänderung nicht „vierzig Prozent Frauen“ hineinschreiben, sondern mindestens vierzig Prozent für jedes Geschlecht, Frauen wie Männer. Als Eingeständnis einer verlorenen Schlacht sehe ich das eigentlich nicht. Wir wollen die Vertretung der Frauen in der Satzung der Partei absichern. Das ist sicherlich das Eingeständnis, daß diese Gesellschaft und diese Partei so strukturiert sind, daß es schwierig ist, ohne Schutzmaßnahmen Frauen in Mandaten und Funktionen entsprechend zu placieren.

ZEIT: Also ist der Vormarsch der Frauen in der SPD an eine Grenze gestoßen?

Wettig-Danielmeier: Das würde ich so nicht sagen. Wir haben erst einmal durchgesetzt, daß auch der Parteirat zum erstenmal konkrete Zielzahlen beschlossen hat. Bisher hatten wir immer große Grundsatzbeschlüsse, und konkret hat sich wenig geändert.

ZEIT: Wie sieht dieser Parteiratsbeschluß aus?

Wettig-Danielmeier: Bei der Bundestagswahl 1986 sollen die Frauen mindestens 25 Prozent der Mandate erhalten, 1991 ein Drittel (die AsF fordert jetzt 40 Prozent) und bis Ende der neunziger Jahre die Hälfte. Dieser Beschluß wird 1986 dem Parteitag vorgelegt. Ich nehme eigentlich an, daß er in seinen wesentlichen Zügen angenommen werden wird.