Holland ist eine große grüne Prozeßmaschine. Auf der einen Seite gehen Gräser, Körner und Futterkuchen hinein, auf der anderen Seite kommen Butter, Eier, Käse, Koteletts und Hühnchen raus. Kein zweites Land hat in Europa soviel Überschuß an Nahrungsmitteln. In Devisen waren es im vorigen Jahr zirka 44 Milliarden Mark. Und doch könnten die Holländer von Holland nicht leben.

Es gibt denn auch ein zweites Holland. Der junge Wirtschaftsforscher Henk Rietveld von der Freien Universität Amsterdam hat dies Land entdeckt und auch berechnet wie groß es ist: 27 000 Quadratkilometer auf dem Papier. Aus diesem Land kommen die Sojabohnen, Samenkuchen und Schrotkörner, die Maniokflocken und Fruchtpulpen, die von den Holländern in Kuh, Schwein und Huhn verwandelt werden. Es sind insgesamt sechseinhalb Milliarden Kilogramm Viehfutter im Jahr.

Zu jedem bäuerlich nutzbaren Hektar in Holland kommt unsichtbar ein weiteres gleich großes Ackerlandquadrat in anderen Erdteilen. Die Holländer haben seit 1949 keine Kolonien mehr, sie lassen jedoch Millionen kleine Bauern in Asien, Afrika, Amerika für ihre Ställe arbeiten. Nur weil es neben den Wiesen und Äckern Hollands noch einmal die gleiche Produktionsfläche in Übersee gibt, kommt „Frau Antje“ auf ihren Umsatz. Allein die Bundesrepublik kauft den Holländern für fünf Milliarden Mark im Jahr „Nahrungsmittel tierischen Ursprungs“ ab.

Inzwischen zeigt sich jedoch, daß die holländische Umwelt die importierten Futtermassen nicht verdauen kann. Sie werden von den lebenden Umwandlern nämlich nicht nur in Eßwaren umgesetzt. Die 40 Millionen Hühner, 11 Millionen Schweine und 5 Millionen Kühe machen auch viel Mist. Es sind drei Liter Gülle pro Quadratmeter, 86 Milliarden Liter im Jahr: rund 400 000 volle Kesselwagen.

Die Folge: Intensivbetriebe der Viehhaltung vergiften Böden, Grundwasser und Tiefbrunnen. Geohydrologen reden von „alarmierenden Zuständen“. Wassereinzugsgebiete sind bedroht. Holland hat bei sich selbst eine nie dagewesene Schweinerei angerichtet.

Gunter C. Vieten