Gut geklaut war schon immer besser als schlecht erfunden. Auch und gerade die Kreativen unter den Schreibern, Dichtern, Autoren ließen sich da nichts vorschreiben und hielten sich mit Lust an das Vor-Geschriebene. Die Phantasiestarken schöpften unbekümmert aus jedem Brunnen, das gewonnene Wasser mit der eigenen unverwechselbaren Duftnote versehend. Womit wir beim Thema sind –

Emanuel Eckardt: „Der Mops von Bornholm“; Insel Verlag, Frankfurt, it 866; 56 S., 9,– DM.

Der Plot ist mit seiner Grundidee ein vergnügtes Plagiat der Loriot’schen Wildmöpse, die mit mächtigen Geweihen auf runden Köpfen vor Jahren schon den deutschen Wald in eine Schreckens-Landschaft verwandelten, als man noch gar nicht wußte, daß es dazu der Möpse nicht bedürfen würde.

Nun also die Adaption und Fortsetzung der grotesken Idee durch Emanuel Eckardt, der sich damit in die Reihe durchaus würdiger und hoch gerühmter Vor-Plagiatoren begibt.

Das Taschenbuch ist liebenswert von der ersten bis zur letzten Seite. Eine völlig skurrile Geschichte, so dröge erzählt, daß sie nur wahr sein kann. Zu dieser Überzeugung gelangt der Leser, Wenn er nicht allen Kinderglauben verloren hat. Die wortkargen Menschen in ihrer wunderschönen Insellandschaft machen einem das Herz so warm wie den Leib der Tee von Merete Kofoed, die in der Mopsiade eine wichtige Rolle spielt.

Die Illustrationen des Autors verdienen zwei Adjektive, die selten zusammen verwandt werden: zart und witzig. Oder auch poetisch und grotesk. Eine Mischung aus Wilhelm Busch und Landschaftsmotiven der Romantiker. (Der Leser versteht schon, was ich meine.) Wenn nicht, muß er sich dieses kleine Bilderalbum eben kaufen. Vielleicht fällt ihm etwas ganz anderes dazu ein.

P.S. Möpse sind nach Meinung der meisten „Gebrauchsnund“-Besitzer keine Hunde. Vielleicht sollte man die Steuerbehörden auch davon überzeugen. Mopsbesitzer wissen das schon länger. G. H.