Eine „Brigitte“-Studie bescheinigt den deutschen Männern: Eigentlich sind sie richtig gut. Aber...

Nein, übers Abtrocknen wollten wir nie wieder reden. Zehn Jahre Diskussion hätten da total ausreichen müssen, gäbe es nicht immer wieder diese Hiobsbotschaften von der Haushaltsfront. Wenngleich es sich dabei um ein hartnäckiges internationales Phänomen handelt, das sogar Ost und West in diesem einen Punkte nahtlos einigt, hat uns das Ergebnis der deutschen Sektion doch ordentlich überrascht. Auf den ersten Blick fällt nämlich die Tatsache ganz schön aus dem, Rahmen, daß – zum Beispiel – achtzig Prozent der hiesigen, mit einer berufstätigen Partnerin zusammenlebenden Familienväter glatt dazu stehen, niemals ein Stück Wäsche zu waschen. Dabei, so entnehmen wir der von der Zeitschrift Brigitte in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie, sind die deutschen Männer doch ein großes Stück vorangekommen. Eigentlich sind sie richtig gut.

Natürlich geht das alles in Abstufungen vor sich, aber daß weder Paschas noch Chauvis angesagt sind, ergibt sich schon aus dem Typ Frau, den sie sich zumuten. „Der deutsche Mann 1985“, sagen die Autorinnen, „schätzt die selbständige Frau, die eigenständig und verantwortlich handelt.“ Er hat es danach gern, wenn sie weiß, was sie will, und ihre Berufstätigkeit geht auch in Ordnung. Ohne große Probleme akzeptiert er Frauen als Vorgesetzte. Dreiviertel der zwanzig- bis fünfzigjährigen Männer halten Frauen für so gut ausgebildet und so belastbar, daß sie ihnen einen Aufstieg in höhere Positionen zutrauen. Auch soll die Frau die Frage, ob sie Kinder haben will, am besten selbst entscheiden. Nur dreizehn Prozent der befragten Männer, Heiner Geißler sei’s ins Notizbuch geschrieben, möchte den Paragraphen 218 verschärft sehen. Die anderen finden ihn richtig so oder nicht liberal genug.

Was dieses feine Bild vom neuen deutschen Mann nun mit der leidigen Abtrocknerei und dem allgemeinen Unwillen des Mannes, den Haushalt auch als seinen zu begreifen, zu tun hat, kann man nur vermuten. Womöglich handelt es sich bei dieser Diskrepanz um nichts anderes als den üblichen Reibungsverlust, der entsteht, wenn das mehr Allgemeine in den schnöden Alltag umgesetzt wird und es sich nicht mehr um die Partnerschaft an sich, sondern um die konkrete Frage handelt: Wer muß daran denken, daß ein halbes Pfund Butter fehlt? Wenn er nicht unmittelbar von einer Situation betroffen sei, sähe er die Dinge auch anders, trug ein Diskussionsteilnehmer zu des Rätsels Lösung bei: lockerer wohl.

Daß das Leben in solchen Studien nur vorkommt, wenn es repräsentiv zu Buche schlägt, liegt in der Natur der Sache: Schließlich kennt jeder immer auch die anderen Männer, die gemütlich am Sonntag kochen oder den Mantel ohne Aufforderung aus der Reinigung mitbringen. Richtig drängend wurde die Frage nach der Wirklichkeit aber erst bei der Suche nach einer Erscheinung, von der wir doch aus den Medien wissen, daß es sie gibt, geben muß: Die Rede ist von den neuen Vätern. „Wir haben sie nicht gefunden“, sagten die Autorinnen des Berichtes. Nirgendwo – und das ist arg – stießen sie auf eine faßbare Gruppe von Mannsbildern, die mit Hingabe wickeln.

Was sie auf diesem Gebiet aber wahrnahmen, das war ein Ruf wie Donnerhall, eindeutig in Wort und Tat: Die Mutter gehört zum Kind. Mehr als achtzig Prozent der deutschen Männer sind der Meinung, daß die Frau zu Hause bleiben soll, wenn sie Kinder unter zehn Jahren hat. Von einer Betreuung durch andere Leute wollen sie in der Mehrheit nichts wissen. Da ist die Ablehnung deutlicher als vor einigen Jahren noch. Verblüffend ist sie nicht. Haben doch Mediziner und Pädagogen hier anders als in den Nachbarländern die Berufstätigkeit der Mütter als mittlere Katastrophe hingestellt. Und schließlich funktioniert doch alles so prima, wenn Mutter im Haus allgegenwärtig ist. Manchmal kommen die Grundschüler überraschend schon um zehn Uhr fünfundvierzig nach Hause. Und im Gymnasium sagt ein Direktor zum Beispiel: „Sie müssen Ihren Kindern nicht unbedingt bei den Schularbeiten helfen. Aber Sie müssen am Nachmittag zu Hause die Atmosphäre schaffen, in der Ihr Kind ruhig und konzentriert arbeiten kann.“ Ulla Plog