Durmersheim

Zwanzig Autominuten von Karlsruhe entfernt liegt Durmersheim. Die Gemeinde hat 10 400 Einwohner und 79 Hektar Wald. „Der ist noch gesund“, sagt Bürgermeister Jürgen Schumacher. Jedesmal, wenn er tanken fährt, stoppt er seinen Wagen vor der Säule mit bleifreiem Benzin. Vom Tankwart läßt er sich schriftlich bestätigen, wieviel Liter er getankt hat. Anschließend holt sich der Bürgermeister in der Gemeindeverwaltung für jeden Liter des umweltfreundlichen Benzins zehn Pfennig Zuschuß aus der Kasse.

Natürlich bekommt diesen Zuschuß nicht nur der Bürgermeister, sondern jeder Durmersheimer, der bleifrei autofährt.

Die Idee zu dieser Subvention kam freilich von dem 41jährigen Verwaltungschef. Ende vergangenen Jahres schlug er dem 23köpfigen Gemeinderat vor, im Etat 1985 aus dem Fond für heimische Wirtschaftsförderung 7000 Mark für diesen Zweck lockerzumachen. Schumacher: „Ich wollte damit einen Anstoß zu mehr Umweltbewußtsein geben und die Durmersheimer zum Kauf anreizen.“ Der Bürgermeister brauchte nicht lange zu reden; spontan stimmten alle Ratsmitglieder – von CDU, SPD, FDP und den Grünen – dem Vorschlag zu, und das, obwohl die Gemeinde – wie der Bürgermeister weiß – „nicht gerade im Geld schwimmt“.

Seit Anfang Juli läuft die Aktion mit Erfolg. In Durmersheim werde – so Schumacher stolz – doppelt soviel bleifreies Benzin verkauft wie in Gemeinden der Umgebung. Auch in der Bevölkerung hat die unorthodoxe Subvention ein gutes Echo gefunden. Obwohl ja nur Autofahrer den Zuschuß in Anspruch nehmen könnten, habe sich niemand beschwert oder negativ geäußert, freut sich Schumacher.

Noch einen weiteren Erfolg konnte der Bürgermeister verbuchen: Er machte mit dieser in der Bundesrepublik wohl einmaligen Aktion sich selbst und seine kleine Gemeinde bekannt. Das Regionalfernsehen hat in Durmersheim gedreht, das Radio war da, und mehrere Tageszeitungen haben berichtet.

Trotz dieser positiven Resonanz soll die Aktion im nächsten Jahr nicht fortgesetzt werden. „Es sollte ja nur ein Anstoß sein“, erklärt der Bürgermeister und hofft, daß das bleifreie Benzin dann endlich billiger sein wird als das bleihaltige.

Peter von Allwörden