Bei den portugiesischen Parlamentswahlen gab es am vergangenen Sonntag keinen Sieger, sondern nur einen Verlierer – die Sozialistische Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Soares.

Die Sozialisten verloren fast 16 Prozentpunkte und rutschten von 101 auf 55 Mandate ab – eine Niederlage, die in dieser Höhe unerwartet kam. Dagegen legte die Sozialdemokratische Partei, trotz ihres Namens eher rechtsliberal, knapp drei Prozentpunkte zu und wird nach dem vorläufigen Endergebnis mit 85 von 250 Sitzen stärkste Fraktion.

Die wirkliche Überraschung vollbrachte die „Demokratische Erneuerungspartei“ des Staatspräsidenten Ramalho Eanes. Die PRD, erst vor drei Monaten gegründet, errang beim ersten Antreten gleich 45 Mandate und wurde drittstärkste Fraktion. Die von den Kommunisten dominierte Volksallianz verlor ebenso wie das „Demokratisch-Soziale Zentrum“ (CDS), der konservative Wunsch-Koalitionspartner der Sozialdemokraten.

Wie befürchtet hat die Wahl nichts entschieden. Sozialdemokrat ten und CDS erreichen keine Mehrheit im Parlament, allenfalls mit der neuen Eanes-Partei könnte Anibal Cavaco Silva, 46jähriger Chef der Sozialdemokraten, mehr als 125 Mandate zusammenbringen. Doch von der PRD weiß niemand so genau, was sie eigentlich will und wo sie steht, ob links oder rechts, ob plan- oder marktwirtschaftlich eingestellt. Vor der Wahl hatte die PRD eine feste Koalition abgelehnt, unter Umständen sei eine Unterstützung (von Fall zu Fall?) der Sozialdemokraten denkbar.

Mario Soares, der im Januar zum Staatspräsidenten gewählt werden möchte, resignierte schon am Montag und legte das Amt des amtierenden Ministerpräsidenten nieder – was die Verfassung nicht erlaubt. Sein sozialdemokratischer Stellvertreter weigerte sich denn auch, die Geschäfte weiterzuführen.

Portugiesische Tageszeitungen vermerkten warnend, die drittgrößte Partei sei nicht im Parlament vertreten: Knapp 25 Prozent der Wahlberechtigten stimmten nicht ab, so viel wie noch nie. -bi